Ablenkung am Steuer

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Ablenkung am Steuer: Handelt es sich trotz Handynutzung um einen Wegeunfall? | 20.02.2019

Immer mehr Menschen müssen immer größere Strecken für den Weg zur Arbeit zurücklegen. Dabei ist das bevorzugte Verkehrsmittel für Pendler weiterhin der eigene Pkw. Im Jahr 2016 benutzten über 84 Prozent der Beschäftigten mit einem Arbeitsweg zwischen 25 und 50 Kilometern das Auto. Die Gefahr eines Wegeunfalls ist dabei jedoch sehr hoch – erst recht, seit der immer und überall notwendigen Erreichbarkeit über das Handy. Doch gilt ein Unfall, der durch Ablenkung am Steuer verursacht wurde, trotzdem als Wegeunfall? Mehr dazu im Folgenden.

Mit dem Auto zur Arbeit: Wegeunfall ist versichert

Laut Bundesministerium für Arbeit und Soziales stehen „nicht nur Unfälle unmittelbar am Arbeitsplatz unter dem Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung“, sondern auch Wegeunfälle. Darin ist zum einen der direkte Weg zum oder vom Arbeitsplatz versichert, zum anderen können aber auch bestimmte Umwege im Unfallversicherungsschutz eingeschlossen sein. Dazu gehört zum Beispiel der Umweg zur Kita, wenn Eltern ihren Nachwuchs auf dem Weg zur Arbeit in einer Kindertagesstätte absetzen.

Ein Limit, bis zu welcher Strecke der Versicherungsschutz greift, existiert nicht. Somit sind grundsätzlich auch Pendler mit einem sehr weiten Arbeitsweg versichert, falls es zu einem Autounfall in der Rushhour kommt. Gleiches gilt für Fahrradfahrer und Fußgänger.

Handynutzung: Unfallversicherungsschutz entfällt

Die Handynutzung am Steuer stellt heutzutage eine große Gefahr im Straßenverkehr dar. So starben im Jahr 2016 etwa 350 Menschen bei Verkehrsunfällen, die durch technische Ablenkungen des Fahrers verursacht wurden. Auch bei einem Unfall auf dem Weg zur Arbeit kann die Unfallursache für die Entscheidung, ob es sich um einen versicherten Wegeunfall handelt oder nicht, ausschlaggebend sein.

Im Oktober 2018 urteilte beispielsweise das Sozialgericht Frankfurt am Main, dass bei einer gemischten Tätigkeit – das versicherte Nachhausegehen und das gleichzeitige unversicherte Telefonieren – den Unfallversicherungsschutz aufhebt (Az. S 8 U 207/16). Durch die Handynutzung sei die Wahrnehmungsfähigkeit der verunfallten Person im vorliegenden Fall erheblich eingeschränkt gewesen, was als maßgebliche Unfallursache zu bewerten sei. Aus diesem Grund liege kein Arbeits- bzw. Wegeunfall und somit auch kein Versicherungsschutz vor. Es ist also egal, ob der Arbeitsweg mit dem Auto, mit dem Fahrrad oder zu Fuß absolviert wird – die Handynutzung ist dabei in jedem Fall zu vermeiden.

Handys am Steuer: gesetzliche Regelung

Da Handys während der Fahrt eine enorme Ablenkung und somit ein hohes Unfallrisiko darstellen, wurden im Jahr 2017 die Sanktionen für die Handynutzung am Steuer verschärft. Dabei ist nicht nur das Telefonieren verboten, sondern selbstverständlich auch das Tippen von Nachrichten, das Surfen im Internet oder ähnliche ablenkende Tätigkeiten.

Wer beim Autofahren mit dem Handy in der Hand erwischt wird, muss ein Bußgeld von 100 Euro zahlen und erhält einen Punkt in Flensburg. Kommt es darüber hinaus zu einer Sachbeschädigung, sprich zu einem Unfall, inklusive der Gefährdung von Personen, werden bereits 200 Euro Strafe, zwei Punkte in Flensburg und sogar ein Monat Fahrverbot verhängt. Werden bei dem Unfall Personen verletzt oder sogar getötet, fallen die Sanktionen noch deutlich höher aus.

Aber auch Radfahrer stellen eine Gefahr für den Straßenverkehr dar, wenn sie durch das Smartphone abgelenkt sind. Aus diesem Grund müssen diese ebenfalls ein Bußgeld in Höhe von mindestens 55 Euro zahlen, wenn sie beim Telefonieren während der Fahrt erwischt werden.

Ablenkung am Steuer: Wie gefährlich ist das?

Wenn Autofahrer durch das Telefon, Rauchen oder auch aufgrund von starken Emotionen abgelenkt sind, schränkt dies in erster Linie ihre Reaktionsfähigkeit auf unerwartete Ereignisse ein. Bei aufmerksamen Fahrern kann normalerweise von einer Reaktionsgeschwindigkeit von maximal einer Sekunde ausgegangen werden. Ein kurzer Blick aufs Handy genügt allerdings, um diese Reaktionsgeschwindigkeit erheblich zu verlängern. Bis der Fahrer bremsen kann und das Fahrzeug zum Stehen kommt, legt es somit noch viele Meter zurück, weshalb Auffahrunfälle und Ähnliches meist nicht mehr zu verhindern sind.

Wie lange das Fahrzeug benötigt, um zum Stehen zu kommen, und welche weiteren Ablenkungen das Unfallrisiko maßgeblich erhöhen, erklärt Ihnen der Verband für bürgernahe Verkehrspolitik e.V. auf seiner kostenfreien Ratgeberseite unter www.bussgeldkatalog.org/ablenkung-am-steuer.

 

Autor: L. Gosemann

 

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