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Ablauf der Baustelleneinrichtungsplanung – Phase 1: Vor der Auftragsvergabe | 12.07.2021

Bei der Planung von Baustelleneinrichtungen können Bauvorhaben  stets in Abhängigkeit des jeweiligen Planungs- und Baufortschritts  in drei Phasen gegliedert werden:

1. Phase: Planung bis zur Auftragsvergabe

2. Phase: Planung nach Auftragsvergabe bis zum Baubeginn

3. Phase: Planung nach Baubeginn

 

Die einzelnen Schritte umfassen jeweils charakteristische Merkmale der Planung, daher soll in diesem Beitrag dieser Reihe zunächst vertieft auf die 1. Phase der Baustelleneinrichtung eingegangen werden. In der ersten Phase müssen die Grundlagen der Baustellenrichtung von der Bauherrin oder dem Bauherrn festgelegt werden. Um dies zu ermöglichen, gilt es, zunächst ein Grobkonzept der Baustelleneinrichtung zu entwickeln und darin den grundsätzlichen Bauablauf, das vorgeschlagene Bauverfahren und den Einsatz der entsprechenden Großgeräte unter Beachtung der örtlichen Begebenheiten des Geländes zu analysieren. Außerdem ist es wichtig vorab zu prüfen, welche Unternehmen an der Baustelleneinrichtung und Baustellenlogistik beteiligt sind und was ihnen zur Nutzung während den Bauarbeiten überlassen ist. Mithilfe dieser Schritte und nach genauer Analyse der einzelnen Punkte werden die Inhalte der Ausschreibungsunterlagen bestimmt.

Im Bauvertrag der einzelnen Gewerke werden die Baubeschreibung und die Pläne der Auftraggeber für die BE-Planung dokumentiert. Überdies gilt es, Maßnahmen für spätere erfolgende Arbeiten am Bauwerk zu planen (Instandhaltung). Die Bieter werden für ihr Angebot auf Basis der Ausschreibungsunterlagen das vom Auftraggeber vorgegebene Konzept der Baustelleneinrichtung weiterentwickeln und verfeinern. Die Ergebnisse aus dieser Überarbeitung machen am Schluss auch die Berechnung des finalen Angebotspreises aus. Wichtige Parameter sind dabei beispielsweise:

  • Einsatzdauer
  • Leistungs- Kostenansätze für Personen und Geräte
  • Umfang und Kosten der erforderlichen Baustelleneinrichtung

 

Aufgabengebiete von Bauherrin und Bauherr

Der Bauherrin oder dem Bauherrn obliegen eine ganze Reihe grundlegender Verpflichtungen. Dazu gehört beispielsweise, dass sie sicherstellen müssen, dass die geplante bauliche Anlage unter Beachtung der örtlichen und zeitlichen Umstände realisierbar ist – dazu gehören implizit der Standort der Großgeräte und der geplante Flächenbedarf für die Umsetzung. Die Planung des Bauverfahrens, die Bauablaufplanung und das Grobkonzept der Baustelleneinrichtung gehören ebenso dazu.

Bauherrin und Bauherrn obliegt es außerdem, zu bestimmen, welche konkreten Elemente zur Einrichtung der Baustelle genutzt werden, wer diese benutzt und wie lange. Die konkreten Leistungen der BE müssen dabei in den einzelnen Ausschreibungslosen zugeordnet werden und Leistungsabgrenzungen in der Leistungsbeschreibung und in den Bauverträgen dokumentiert werden.

Gemäß der Baustellverordnung kommt der Bauherrin oder dem Bauherrn außerdem die Aufgabe zu, diese vorab festgelegten Regelungen zu koordinieren und dies anhand von SiGePlan (Sicherheits- und Gesundheitsschutzplan) oder der Baustellenordnung umzusetzen. Die Bauunternehmen sollen dabei auf die Hinweise achten und ggf. durch die Mitwirkung der Bauleitung und einer frühzeitigen Einbindung der Koordinatorin oder des Koordinators in die einzelnen Projektabläufe einen Erfolg erzielen.

 

Aufgaben von Koordinatorin oder Koordinator

Wie die Bezeichnung bereits vermuten lässt, liegt die Aufgabe von Koordinatorin und Koordinator in der Organisation der auf der Baustelle tätigen Unternehmen und deren Sicherheit und Gesundheitsschutz. Außerdem prüft sie, dass die gemeinsam genutzten Einrichtungen rechtzeitig bereitstehen und von allen wie geplant benutzt werden können. Dazu gehören z. B.:

  • Gerüste und Absturzsicherungen
  • Hebezeug und Aufzüge
  • Tagesunterkünfte
  • Medienanschlüsse
  • Zugänge und Zäune
  • Erste-Hilfe-Einrichtungen

 

Die gemeinsam genutzten Einrichtungen sollen übergeordnet durch die Bauherrin oder den Bauherrn bereitgestellt werden. Sie müssen sicherstellen, dass die Baustellenordnung, der SiGePlan und weitere Unterlagen, die die Sicherheit und den Gesundheitsschutz betreffen, in den Ausschreibungen beachtet werden. Beispielsweise werden Gerüste oft als eigene Vergabeeinheit gesehen, wenn sie von verschiedenen Unternehmen benutzt werden. Andere Teile von Leistungen hingegen werden häufiger dem Rohbauunternehmen zugewiesen.

 

Planung und Aufgabengebiet von Bauunternehmen

Bauunternehmen treten meist erst im Rahmen der Angebotserstellung auf den Plan und zwar im Zuge der projektspezifischen Baustelleneinrichtung. Die Angebotspreise werden in Hinblick auf den Bauablauf und die zugehörige Baustelleneinrichtung hin kalkuliert. Dabei müssen Baufirmen ermitteln, welche Geräte und Leistungen für welche Dauer und in welcher Menge benötigt werden. Hilfestellung bietet dabei die Planung des Bauverfahrens, des Großgeräteeinsatzes, der Baulogistik, des Bauablaufs und der Baustellenlogistik und dies alles unter Beachtung des geplanten Leistungsumfangs entsprechend der vertraglichen Unterlagen. Es hilft Bauunternehmen, wenn sie an dieser Stelle auf die Planungsinhalte der Bauherrin oder des Bauherrn und die Ergebnisse einer Baufeldbesichtigung vor Ort zurückgreifen können.

 

Die Angebotserstellung durch das Bauunternehmen

Das Angebot des Bauunternehmens umfasst ein Grobkonzept der Baustelleneinrichtung einschließlich

  • Ressourcenplanung für Personal, Geräte, Nachunternehmen, Material und Betriebsmittel
  • Bauablaufplanung mit Terminplan
  • Mengenermittlung
  • Schalungsplanung
  • Schutzmaßnahmen der Nachbarbebauung und
  • Umweltschutzplanung

 

Je nachdem, was sich aus der Gefährdungsbeurteilung, Risikoanalysen etc. ergibt, können auch andere Entscheidungskriterien im Vordergrund stehen. Beispielsweise können dies Arbeitsschutz, Bauzeit oder Qualität sein. Es gibt digitale Ansätze wie z. B. die sog. BIM-Methodik, die die Produktivität in diesem Bereich steigern können und die Planung der Baustelleneinrichtung unterstützen und gleichzeitig die Kommunikation mit Bauherrinnen und Bauherren und Planungspersonal erleichtern.

 

Quelle: ls | www.baua.de

 

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