Fachbeitrag | 07.11.2008

Winterzeit, Erkältungszeit – das ist alle Jahre gleich. Für tränende Augen, triefende Nasen und gereizte Haut wird in der kalten Jahreszeit schnell die „trockene Luft“ vor allem in Büroräumen verantwortlich gemacht. Aber sind überhöhte Temperaturen und geringe Luftfeuchtigkeit wirklich die Auslöser für Beschwerden?


Experten der Verwaltungsberufsgenossenschaft VBG haben sich die Frage gestellt und das Berufsgenossenschaftliche Institut für Arbeitsschutz (BGIA) mit einer Literaturrecherche zum Thema beauftragt. Die Ergebnisse haben auch die Fachleute überrascht:

  • Menschen können die Luftfeuchtigkeit in einem Raum nicht unabhängig von anderen Klimaparametern wahrnehmen und bewerten.
  • Dass trockene Luft die Schleimhäute austrocknet und so Erkältungskrankheiten begünstigt, wurde durch die Untersuchungen nicht bestätigt.
  • Eine geringe Luftfeuchte wirkt sich nicht wesentlich auf den Tränenfilm der Augen aus.
  • Auch der Einfluss der Luftfeuchte auf den individuellen Hautzustand im Winter ist vernachlässigbar.

Gesundheitsprobleme durch trockene Raumluft sind deshalb, so das Fazit der Experten, wissenschaftlich nicht zu belegen. Viel wichtiger ist es, so die Empfehlung, die Bedürfnisse der Beschäftigten zu berücksichtigen. Mitarbeiter sind umso zufriedener mit dem Raumklima, je mehr sie es selbst beeinflussen können.

Wer bei Bedarf einmal das Fenster öffnen kann oder ein Rollo gegen die Wintersonne herunterziehen, fühlt sich wohl. In kleineren Räumen sollten die Mitarbeiter die Temperatur im Raum selbst einstellen können. Entschließt man sich, Luftbefeuchter einzusetzen, sollten diese auf eine relative Luftfeuchte von mindestens 40 Prozent und maximal 50 % eingestellt werden. Dadurch werden elektrostatische Aufladungen vermieden. Unerlässlich ist eine regelmäßige Wartung und Reinigung der Luftbefeuchtungsanlagen.

So ist das Wohlfühlklima

Bei Raumtemperaturen von 21 bis 22 °C im Winter (und höchstens 26 °C im Sommer) fühlen sich die meisten Menschen wohl. Die Luftfeuchtigkeit sollte etwa 50 Prozent betragen. Die Wärmeabgabe von Arbeitsmitteln sollte berücksichtigt werden.

Meist bevorzugen Beschäftigte Fenster, die sich öffnen lassen und die über Sonnenschutzvorrichtungen verfügen. Zugluft wird als unangenehm empfunden und löst häufig Beschwerden aus. Klimaanlagen sollten möglichst am Arbeitsplatz einstellbar sein.

Darum ist das Raumklima so wichtig

Ein behagliches Raumklima beeinflusst Menschen stärker, als uns oft bewusst ist. Fühlen Beschäftigte sich unwohl, sinken Denkvermögen, Aufmerksamkeit und Reaktionsvermögen. Auch Motivation und Arbeitsfreude werden negativ beeinflusst – und das zulasten der Arbeitsleistung. Steigende Unfallzahlen und Krankenstände belegen dies.

Klima am Arbeitsplatz

Quelle: Berufsgenossenschaft Chemie: Klima am Arbeitsplatz. Ergonomische Aspekte und Arbeitsstättenrecht. Dr. med. Helmut Walter. Technische Aufsicht und Beratung – Heidelberg. Eppelborn, 17.09.2007

Klimabereich Temperaturbereich Merkmale
Kälte Kühler Bereich (ab +15 - 10 °C)
bis tiefkalter Bereich (< -30 °C)
Kontinuierliche Wärmeabgabe durch Körper, Gefahr der Unterkühlung, vermehrte Muskeltätigkeit (Muskelzittern)
Thermische Behaglichkeit Zw. ca. 10 °C und 28 °C in Abhängigkeit von Klimafaktoren, Aktivität, Bekleidung und Nutzungskategorie der Räume hermisch neutraler Bereich, Wärmeaustausch mit Umgebung im Gleichgewicht, geringster thermoregulatorischer Aufwand des Körpers …
Erträglichkeit (Zumutbarkeit) Ab  ca. 26 - 28 °C bis ca. 32 - 35 °C in Abhängigkeit von Klimafaktoren, Aktivität, Bekleidung, körperlichem Zustand, Dehydration und Akklimatisation Vermehrte Schweißabgabe und Beanspruchung des Herzkreislaufsystems, in  Abhängigkeit von den genannten Randbedingungen kann ein 8-Stunden-Arbeitstag noch ohne Gesundheitsgefährdungen möglich sein
Hitze (Ausführbarkeit) Ab ca. 32 - 40 °C (Randbedingungen wie bei Erträglichkeit) Nur begrenzte Ausführbarkeit der Arbeit, Entwärmungsphasen/Pausen sind nötig, Gefahr von Hitzeerkrankungen