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Fachbeitrag | 10.10.2007

Die Zahl der Elektrounfälle sinkt nicht, so monieren Experten, obwohl der betriebliche Umgang mit elektrischen Geräten durch Arbeitsschutzbestimmungen bis ins kleinste Detail geregelt ist – in der Theorie zumindest. Hauptursache für Stromunfälle sind Verhaltensfehler – diese aber kann man durch regelmäßiges Training von Sicherheitsregeln minimieren.

 

Bei einem Elektrounfall wird der menschliche Körper Teil eines geschlossenen Stromkreises. Man spricht deshalb von Durchströmungsunfall. Berührt man z. B. zwei blanke Leitungen, zwischen denen Spannung liegt, oder fasst man eine blanke Leitung und die Erde an, wenn der Sternpunkt einer Drehstromanlage geerdet ist, kann es zu einem Stromunfall kommen. Auch beim Berühren eines defekten Gerätes mit metallischem Gehäuse kann es zur gefürchteten Durchströmung kommen.

 

Gefährlich ist nicht nur die direkte elektrische Durchströmung des Körpers. Auch Verbrennungen, beispielsweise durch verdampfendes Metall bei einem Lichtbogen, können lebensgefährlich sein. Wie schwerwiegend ein Stromunfall sich auswirkt, hängt wesentlich von der Stromstärke und von der Einwirkzeit ab

 

Wichtig zu wissen: Elektrofachkräfte erleben häufig Unfälle, weil sie Sicherheitsregeln nicht einhalten. Laien dagegen sind vor allem durch defekte Geräte etc. gefährdet.

Stromstärke Wirkung auf den menschlichen Körper
< 5 mA (Milliampere) Geringe Einwirkungen (Kribbeln, leichter Schlag)
5 – 15 mA Muskelverkrampfung, Loslassen möglich
> 15 mA Muskelverkrampfung, selbstständiges Loslassen nicht mehr möglich
> 25 mA Blutdrucksteigerung, Herzunregelmäßigkeit, vorübergehende Herzstillstände
> 50 mA Bewusstlosigkeit
> 80 mA Herzkammerflimmern (akute Lebensgefahr)
> 3.000 mA Innere und äußere Verbrennungen, Herzstillstand

Erste Hilfe nach Stromunfällen

Das Wichtigste nach einem Stromunfall sind ein sofortiger Notruf und die Eigensicherung des Helfers. Unbedingt beachten: Bei Hochspannungsunfällen muss die Rettung ausschließlich durch Fachpersonal erfolgen! Kein Unbeteiligter darf sich der Unfallstelle nähern!

 

So machen Sie es richtig:

Niederspannungsunfall

 

Erst danach folgen die weiteren Schritte der Rettungskette:

Wichtig: Jeder Stromverletzte muss, auch wenn er äußerlich unverletzt erscheint und bei vollem Bewusstsein ist, ins Krankenhaus gebracht werden, um Herzrhythmusstörungen auszuschließen.

Hochspannungsunfall

Unfälle im Hochspannungsbereich (über 1.000 Volt) sind zum Glück selten, enden aber in über der Hälfte der Fälle tödlich.

 

Als Ersthelfer dürfen Sie hier nur  zwei Dinge tun:

Grundregeln für mehr Sicherheit

Legen Sie alle Grundregeln für den Umgang mit elektrischer Energie explizit in Betriebsanweisungen fest.

 

Beschaffen Sie ausschließlich elektrische Geräte mit Prüfzeichen wie CE, GS, VDE, ENEC oder BG-PRÜFZERT. Legen Sie fest, dass Mitarbeiter auch für den privaten Gebrauch (Kaffeemaschinen, Wasserkocher) nur geprüfte Geräte einsetzen. Alle elektrischen Betriebsmittel sollten inventarisiert und mit Prüfplakette versehen werden.

 

Wichtige Vorschriften zum richtigen Umgang mit elektrischer Energie enthalten:

Elektrische Geräte und Anlagen dürfen nur betrieben werden, wenn sie zuvor geprüft wurden. Bei der ersten Inbetriebnahme müssen sie in einwandfreiem Zustand sein. Darüber hinaus müssen sie regelmäßig gewartet werden, damit entstehende Mängel rechtzeitig erkannt werden. Verdeckte Mängel können nur bei einer fachkundigen Prüfung festgestellt werden. Bei augenscheinlichen Mängeln darf ein Gerät nicht mehr benutzt werden.

Stromarbeiten – sicher ist sicher

Profis halten immer diese fünf Sicherheitsregeln ein:

1.  Spannung abschalten
2.  Gegen Wiedereinschalten sichern
3.  Spannungsfreiheit an der Arbeitsstelle feststellen
4.  Erden und Kurzschließen
5.  Unter Spannung stehende Teile in der Umgebung abdecken

 

Denken Sie daran: Bei 68 % der Unfälle von Elektrofachkräften (!) lässt sich ein Verstoß gegen die fünf Sicherheitsregeln nachweisen!

Checkliste

Nr. Prüffrage Ja    Nein
1. Werden alle Mitarbeiter regelmäßig über Gefahren elektrischen Stroms in ihrem Bereich unterrichtet?    
2. Sind die Mitarbeiter auch über Besonderheiten der Ersten Hilfe bei Stromunfällen (Eigensicherung!) unterrichtet?    
3. Ist geregelt, wer welche elektrotechnischen Arbeiten durchführen darf? Ist allen Mitarbeitern untersagt, selbst elektrische Geräte zu reparieren?    
4. Ist sichergestellt, dass alle elektrischen Geräte und Anlagen regelmäßig überprüft werden. Werden diese Prüfungen dokumentiert?    
5. Ist sichergestellt, dass elektrische Geräte und Anlagen bestimmungsgemäß benutzt werden (keine Veränderung und kein Ausschalten von Sicherheitseinrichtungen)?    
6. Werden elektrische Betriebsmittel vor ihrem Einsatz auf sichtbare Schäden überprüft? Werden Mängel sofort gemeldet?    
7. Werden keine nassen Geräte und elektrische Geräte nicht bei Nässe oder mit nassen Händen eingesetzt?    
8. Werden bewegliche Leitungen vor mechanischer Beschädigung, z. B. Überrollen durch Fahrzeuge, geschützt?    
9. Liegen Bedienungsanleitungen der Hersteller allgemein zugänglich vor?    
10. Werden nicht benötigte Geräte abgeschaltet?    

 

Rechtsvorschriften

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  • BGV A3 „Elektrische Anlagen und Betriebsmittel“
  • BGR A3 „Arbeiten unter Spannung an elektrischen Anlagen und Betriebsmitteln“