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Mobile Arbeitsplätze – Relevanz der Gefährdungsbeurteilung wird häufig unterschätzt

Mit der steigenden Zahl der Ansteckungen mit dem SARS-CoV-2-Virus nimmt auch die Zahl der Beschäftigten, die ihren Arbeitsplatz vom Büro ins Homeoffice verlegen, wieder deutlich zu. Was vielen Arbeitgebern dabei häufig nicht bewusst ist, ist, dass auch für diese Arbeitsform eine Gefährdungsbeurteilung notwendig wird. Die DGUV hat zu diesem brisanten Thema ein Interview mit Andreas Stephan, dem Leiter des Sachgebiets Büro der DGUV veröffentlicht. Die interessantesten Inhalte daraus haben wir nachfolgend für Sie zusammengefasst.

Welche Formen des Homeoffice gibt es?

Der Begriff „Homeoffice“ wird im allgemeinen Sprachgebrauch für Formen beruflicher Arbeit genutzt, die nicht vor Ort im Betrieb, sondern von zu Hause aus oder an einem anderen Ort erfolgen. Eine feinere Untergliederung dieser Arbeitsform wird durch die Unterscheidung der Begriffe „Telearbeit“ und „mobile Arbeit“ erreicht. Unter Telearbeit versteht sich ein fest eingerichteter Bildschirmarbeitsplatz im Privatbereich, der vom Arbeitgeber zur Verfügung gestellt wird. Die Bedingungen an die konkrete Ausgestaltung sind in der Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV) geregelt. Die wöchentliche Arbeitszeit und der Zeitraum der Telearbeit sind gemeinhin arbeitsvertraglich oder durch Vereinbarung festgehalten. Mobile Arbeit hingegen kann unabhängig vom Ort der Tätigkeit sein, also auch im Café oder im Zug. Für diese Form der Tätigkeit gilt die Arbeitsstättenverordnung nicht. Die Regelungen zum Arbeitszeitgesetz und Arbeitsschutzgesetz müssen hingegen trotzdem angewandt werden – auf eine Gefährdungsbeurteilung ist also nicht zu verzichten.

Homeoffice und Prävention

Die eben angesprochene Gefährdungsbeurteilung ist besonders dann für mobiles Arbeiten wichtig, wenn es über längere Zeiträume erfolgt. Denn dann können durch ungünstige ergonomische Arbeitsbedingungen (z. B. kein passender Stuhl, falsche Tischhöhe) und Bewegungsmangel (z. B. durch langes Sitzen, kürzere Pausen und damit weniger Bewegung) körperliche Beschwerden entstehen. Daraus wiederum kann sich ein erhöhtes Risiko für weitere Erkrankungen ergeben (Übergewicht, Bluthochdruck, Diabetes etc.). Diese und weitere potenzielle Gefährdungen müssen im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung ermittelt und bewertet werden. 

Anforderungen an Arbeitgeber – Unterstützung und Kommunikation

Schon bei der Erstellung der Gefährdungsbeurteilung sollten Beschäftigte beteiligt werden, denn die Umsetzung der Maßnahmen erfolgt dann im privaten Umfeld. Arbeitgeber sollten sich um die Schaffung guter technischer Voraussetzungen bemühen und klare Vereinbarungen zu Arbeitszeiten, Arbeitspausen und Erreichbarkeit treffen. Eine besondere Rolle haben dabei die Führungskräfte, die darauf achten müssen, dass die Beschäftigten trotz der Arbeit im Homeoffice in einem sozialen Umfeld integriert sind und über aktuelle Vorgänge gleichermaßen informiert werden. Dieser Austausch sollte nicht nur über ein einzelnes Medium erfolgen, sondern sowohl Chat, Videokonferenz, Telefon als auch E-Mail als Mittel zur Kontaktaufnahme genutzt werden, um der sozialen Isolation entgegenzuwirken.

Führung auf Distanz

Führungskräfte müssen sich außerdem umorientieren, weg von der kontrollierenden hin zur koordinierenden Rolle. Diese neue Herausforderung sollte im Unternehmen angesprochen werden und eine Unterstützung der Führungskräfte im Umgang mit der neuen Situation stattfinden. 

Unfälle und Verletzungen im Homeoffice

Für die Entscheidung, ob ein Unfall als Arbeitsunfall gewertet wird, ist weniger der Ort der Tätigkeit entscheidend, sondern ob die Tätigkeit in einem engen Zusammenhang mit den beruflichen Aufgaben steht (Handlungstendenz). Für das Homeoffice ist die Abgrenzung zwischen versicherten und unversicherten Tätigkeiten nicht ganz deutlich, weswegen sich das Bundessozialgericht bereits mehrfach darüber diskutiert hat.

 

Hier können Sie das vollständige Interview der DGUV nachlesen: https://www.dguv.de/de/mediencenter/pm/index.jsp

 

Quelle: ls | www.dguv.de

 

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Checkliste: Homeoffice und mobile Arbeit

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