Fachbeitrag | 22.03.2008

Kennen Sie alle technischen, juristischen und organisatorischen Anforderungen an Persönliche Schutzausrüstungen (PSA)? Unfall- oder Gesundheitsgefahren gibt es bei vielen beruflichen Tätigkeiten, deshalb schreibt der Gesetzgeber eine umfassende Gefährdungsbeurteilung vor.

 

Bei der Gefahrenabwehr muss der Unternehmer nach dem TOP-Prinzip vorgehen, das heißt, es müssen alle technischen und organisatorischen Maßnahmen ausgereizt werden, bevor Persönliche Schutzausrüstungen (PSA) zum Tragen kommen.

PSA – Pflicht für Unternehmer und Beschäftigte

Unternehmer müssen den Beschäftigten die für den jeweiligen Arbeitsbereich geeignete PSA zur Verfügung stellen. Diese muss den gegebenen Anforderungen entsprechen und, wo nötig, individuell angepasst sein. Ein Austausch veralteter oder beschädigter PSA muss sichergestellt und kontrolliert werden.

 

Darüber hinaus sind Unternehmer verpflichtet, den Mitarbeiter in der Handhabung der PSA zu unterweisen. Auch eine Aufklärung über die Pflicht, PSA zu benutzen, ist Vorschrift.

 

Weil zwischen der „Theorie“, der Benutzungspflicht, und der „Praxis“, also allen möglichen Gründen, eine PSA nicht zu benutzen, wie so oft Welten liegen, müssen Unternehmer darüber hinaus alle betroffenen Mitarbeiter motivieren, ihre PSA zu tragen. Weigert sich ein Beschäftigter, kann der Unternehmer auch disziplinarische Maßnahmen ergreifen.

 

Der Unfallversicherungsträger kann ein Bußgeld gegen den Beschäftigten verhängen. Erleidet ein Mitarbeiter einen Unfall, kann er den Anspruch auf Lohnfortzahlung verlieren, falls der Unfall bzw. die Unfallfolge eingetreten ist, weil er keine PSA benutzt hat.

Welche Anforderungen müssen PSA erfüllen?

PSA dürfen – so will es der Gesetzgeber – nur in Verkehr gebracht werden, wenn sie der 8. Verordnung zum Geräte- und Produktsicherheitsgesetz (8. GPSGV) entsprechen. Sie müssen damit u. a. die grundlegenden Anforderungen der EG-Richtlinie 89/686/EWG erfüllen. Dies wird durch die CE-Kennzeichnung auf dem Produkt dokumentiert.

 

PSA der Kategorie III werden zusätzlich durch stichprobenartige Produktprüfung oder Überwachung des Qualitätssicherungssystems durch die zugelassene Stelle kontrolliert.

Die drei PSA-Kategorien

Kategorie I:

PSA, bei denen der Benutzer selbst die Wirksamkeit gegenüber geringfügigen Risiken beurteilen kann. Dazu gehören ausschließlich PSA zum Schutz gegen:

  • oberflächliche mechanische Verletzungen
  • schwach aggressive Reinigungsmittel
  • Risiken bei der Handhabung von Teilen mit Temperaturen unter 50 °C, die keine gefährlichen Stöße verursachen
  • normale Witterungsbedingungen
  • schwache Stöße und Schwingungen
  • Sonneneinstrahlung

Kategorie II:

PSA, die zur Abwehr von mittelschweren Risiken dienen, jedoch nicht zur Kategorie III gehören, z. B.

  • Gehörschützer
  • Maschinenschutzanzüge
  • Industrieschutzhelme
  • Fußschutz

Kategorie III:

PSA, die gegen tödliche Gefahren oder irreversible Gesundheitsschäden schützen. Hier kann der Benutzer die Gefahr nicht immer rechtzeitig oder umfassend erkennen. Hierzu zählen ausschließlich:

  • Atemschutzgeräte
  • Atemschutzgeräte und Tauchgeräte, die von der Atmosphäre isolieren
  • PSA, die einen zeitlich begrenzten Schutz gegen chemische Einwirkungen oder ionisierende Strahlung gewährleisten
  • PSA zum Einsatz in warmer Umgebung unter 100 °C
  • PSA zum Einsatz gegen Kälte unter -50 °C
  • PSA zum Schutz gegen Absturz aus Höhe
  • PSA zum Schutz gegen Risiken der Elektrizität und bei Arbeiten an Anlagen, die unter gefährlicher Spannung stehen oder zur Isolierung gegen Hochspannung.

Checkliste
Gefährliche Tätigkeiten – stehen PSA bereit?

Prüfkriterium Ja     Nein

Kopfschutz

  • Tragepflicht für Schutzhelme, Kopfhauben, Mützen, Tücher oder engmaschige Haarnetze besteht, wenn
  • Kopfverletzungen durch Anstoßen, pendelnde, herabfallende, umfallende oder wegfliegende Gegenstände drohen,
    die Gefahr, dass Kopfhaar von Maschinen oder Maschinenteilen erfasst wird, droht.

Augen- und / oder Gesichtsschutz

Tragepflicht für Schutzbrillen, Schilde, Schirme und Schürzen oder Kopfschutz besteht, wenn,

  • Verletzungen von Augen und / oder Gesicht durch wegfliegende Teile, durch Verspritzen von Flüssigkeiten der durch gefährliche Strahlung drohen.
     

Atemschutz

Atemschutzgeräte zählen zur Kategorie III PSA. Tragepflicht für Atemschutzgeräte, von der Atmosphäre isolierende Atemschutzgeräte oder Tauchgeräte besteht, wenn

  • Beschäftigte gesundheitsschädlichen, insbesondere giftigen, ätzenden oder reizenden Gasen, Dämpfen, Nebeln oder Stäuben ausgesetzt sein können.
  • Wenn Sauerstoffmangel auftreten kann.

Gehörschutz

Tragepflicht für Gehörschutz besteht:

  • wenn der Beurteilungspegel von 80 dB(A) erreicht oder überschritten ist.

Fußschutz

Tragepflicht besteht, wenn

  • Verletzungen durch Stoßen oder Einklemmen, durch umfallende, herabfallende oder anrollende Gegenstände, durch Hineintreten in spitze oder scharfe Gegenstände oder durch heiße Stoffe und durch heiße oder ätzende Flüssigkeiten drohen.

Knieschutz

Tragepflicht besteht, wenn Unterschenkel und Knie

  • gegen Verbrennungen, mechanische Belastungen oder Verletzungen geschützt werden müssen.

PSA gegen Absturz (Anseilschutz)

Tragepflicht für Auffanggurte, Sicherheitsseile, Höhensicherungsgeräte, Steigschutzgeräte, Rettungsgurte etc. besteht

  • wenn technische oder bauliche Schutzmaßnahmen nicht möglich sind oder nicht ausreichen und bei Arbeiten in Apparaten, Behältern etc.

 

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