Recyclingfähigkeit - Mindeststandard

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Neue Arbeitsplätze verlangen neue Anforderungen an Arbeitsschutzmaßnahmen | 06.09.2021

Im Zuge der angestrebten Klimaneutralität bis 2045 hat sich die Europäische Union (EU) der Verringerung der Treibhausgasemissionen, der Steigerung der Energieeffizienz und der Förderung von erneuerbaren Energien verschrieben. Im Zuge dessen sind bislang bereits eine große Anzahl sog. „Grüner Arbeitsplätze“ entstanden.

Unter diesen neuen Begriff fallen Arbeitsplätze, die zum Schutz der Umwelt bzw. zur Wiederherstellung bzw. Erhaltung des bisherigen Zustands beitragen sollen. Das können also Arbeitsplätze zum Schutz von Ökosystemen und Biodiversität, zur Senkung des Energie- und Rohstoffverbrauchs oder zur Reduzierung von Abfällen und Umweltverschmutzung sein. Die EU-OSHA („Occupational Safety and Health Administration“ – Europäische Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz) ist darin involviert, speziell auch für diese auf Nachhaltigkeit ausgerichtete Arbeitsplätze ein Bewusstsein für die notwendige Sicherheit und den Gesundheitsschutz der Beschäftigten herzustellen.

 

Besondere Risikoquellen grüner Arbeitsplätze

Neue Gesetze und Technologien bieten großes Potential zum Erreichen der Klimaziele und dem Aufbau einer emissionsarmen und ressourcenschonenden Wirtschaft. Die vorgesehenen Ziele zur Steigerung des Einsatzes erneuerbarer Energien und der Energieeffizienz um 20 % gegenüber dem Jahr 1990 wird laut der OSHA die Schaffung von geschätzten 1 Mio. neuer Arbeitsplätze in der EU mitbringen. Dabei sind die Bereiche Solarenergie, Windenergie, Biomassetechnologie und Abfallrecycling die am schnellsten wachsenden Bereiche.

Mit der Schaffung neuer Arbeitsplätze in neuen Bereichen muss jedoch auch bedacht werden, dass hier neue Gesundheitsgefährdungen entstehen können. Beispielsweise entsteht durch die Reduzierung von Abfällen, die auf den Deponien gelagert werden, die Gefährdung für Unfälle und Krankheiten bei den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern, die in diesem Bereich beschäftigt sind. Davon abgesehen verlangen neue Arbeitsplätze oft auch eine neue Kombination von Fähigkeiten und Hintergrundwissen, welches sich auf die bisherigen Anforderungen an Sicherheit und Gesundheit nicht übertragen lässt. Zur Installation einer thermischen Solaranlage sind z. B. Kenntnisse eines Dachdeckers, eines Klempners und eines Elektrikers erforderlich.

 

Mögliche Nachteile für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer

Sind nicht alle erforderlichen Kenntnisse für die neue Kombination an beruflichen Fähigkeiten vorhanden, besteht ein erhöhtes Risiko für Unfallgefahren oder Gesundheitsgefährdungen. Außerdem könnte eine stärkere Polarisierung auftreten und eine Spaltung in Arbeitnehmende mit umfassenden Kenntnissen der neuen Anforderungen und solche, die nur in bestimmten Bereichen über Kenntnisse verfügen. Im Zuge dessen besteht das Risiko für die zweite Gruppe, dass sie in Zukunft mit evtl. schlechteren Arbeitsbedingungen zurechtkommen sollen als die erste Gruppe.

Darüber hinaus muss stets bedacht werden, dass die Sicherheit und der Gesundheitsschutz immer auch im Kontext von politischen und wirtschaftlichen Forderungen zu sehen ist. Grüne Arbeitsplätze müssen über eine hohe Sicherheit und einen guten Gesundheitsschutz verfügen, damit sie produktiv und wettbewerbsfähig sind.

 

Konkrete Maßnahmen

Mit dem Wachstum der „grünen Wirtschaft“ ist es notwendig, potentielle neue oder aufkommende Risiken bezüglich Sicherheit und Gesundheitsschutz vorab zu prognostizieren und eine Einschätzung dafür abzugeben. Zu diesem Zweck hat die OSHA eine umfassende Zukunftsstudie durchgeführt, anhand derer die voraussichtliche Entwicklung bis zum Jahr 2020 untersucht wurde.

Ergebnisse der Studie sollten mögliche künftige Herausforderungen der Branche schon jetzt analysieren und den Entscheidungsträgern Werkzeuge an die Hand geben, anhand derer sie Arbeitsplätze der Zukunft gestalten und dabei die Sicherheit und den Gesundheitsschutz der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer gewährleisten können.

Die OSHA hat bereits verschiedene Faktenblätter veröffentlicht, die sich eingehend mit dem Thema beschäftigen und dabei konkrete Arbeitsbereiche in den Mittelpunkt stellen. So z. B. ein „E-fact zu Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz und kleinen Solarenergieanwendungen“ oder ein „E-fact zu Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz und nachhaltigem Bauen“. Des Weiteren stehen verschiedene Checklisten zur Verfügung, die bei der Gefährdungsbeurteilung potentieller Gefahren von grünen Technologien herangezogen werden können und Beispiele für Präventionsmaßnahmen enthalten. Die Checklisten können online kostenfrei heruntergeladen werden.

 

Quellen: ls | https://osha.europa.eu

 

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