Arbeitsschutzorganisation | 06.08.2013

Egal ob Auszubildende, bereits erfahrene Arbeitnehmer, neue Zeitarbeitnehmer, oder Praktikanten im Betrieb tätig werden, unmittelbar im Anschluss an die Vertragsunterzeichnung sollte ein gut vorbereiteter strukturierter Einarbeitungsprozess (Einarbeitungs-, Ausbildungsplan) folgen. Dieser muss, in Abhängigkeit vom künftigen Beschäftigungsverhältnis,  unterschiedlich ausführlich gestaltet sein. Lesen Sie hier, was wichtig ist.

 

Dazu ist es hilfreich, ein oder mehrere erfahrene und menschlich geeignete Kollegen dem neuen Mitarbeiter/neue Mitarbeiterin als Paten für die Einarbeitungszeit zur Seite zu stellen, damit neue Mitarbeiter sicher sein können, von Beginn an unterstützt zu werden.

Gefährdungen, wie ein erhöhtes Unfallrisiko durch mangelnde Erfahrung und Orientierung, sollten vorab in der Gefährdungsbeurteilung (§ 5 ArbSchG i.V.m. § 3 ArbStättV, § 3 BetrSichV ggf. §6 GefStoffV, § 4 BioStoffV) betrachtet und bewertet sowie durch die Umsetzung angemessener Maßnahmen minimiert worden sein.

Zunächst wichtig ist das ausführliche Vermitteln und Bereitstellen allgemeiner Basisinformationen zur Betriebsorganisation

  • Gliederung der Arbeitsstätte (Gebäude, Arbeitsbereiche, Abteilungen, Ansprechpartner, Organigramm, Geschäftsordnung, Leitbild, Fuhrpark, Dependancen),
  • Sozialräume (Pausen-/Umkleideraum/Schwarz/Weiß Bereiche, Dusche, ggf. Kantine),
  • sanitäre Einrichtungen (ggf. behindertengerechtes WC),
  • Reinigung, Ordnung, Sauberkeit
  • Richtiges Heben und Tragen
  • Persönliche Schutzausrüstung
  • Ergebnis der Eignungsuntersuchung, erforderlichenfalls Erstuntersuchung (bei Jugendlichen),
  • erforderliche arbeitsmedizinische Vorsorge (Pflicht-/Angebotsvorsorge)
  • Brandschutz / Gefahrstoffe
  • künftige(r) Arbeitsbereich(e) und –aufgaben (Stellenbeschreibung),
  • aktuelles Telefon- und E-Mailverzeichnis, -verteiler, Kennwörter, Mitarbeiterausweis,
  • zuständige Personalsachbearbeitung, Vergütung, Schlüssel, etc.
  • allgemeine Arbeitszeiten, -erfassung, Ruhe- und Pausenzeiten
  • Ausbildungszentrum, Schulungsplan, Verhalten bei Arbeitsunfähigkeit,
  • relevante Betriebsvereinbarungen,

erforderlich.

Anschließend sollte eine grundlegende Sicherheitseinweisung im Rahmen eines Betriebsrundganges über die Regelungen innerhalb der Arbeitsstätte erfolgen. Diese sollte bezugnehmend zur Betriebsordnung insbesondere in verständlicher Form Aufschluss geben über allgemeine Arbeitsschutzthemen wie

  • Verkehrswegekonzept im Außen- und Innenbereich (Zutritt, Geschwindigkeitsbeschränkungen, Trennung Fuß-/Fahrzeugverkehr, Benutzung von Handläufen, Aufzüge, Parkplätze, Fahrradabstellplätze, Beleuchtung, Dienstfahrzeuge, Wegeunfälle, genormte Handzeichen, Stolper-, Rutsch- , Absturzgefährdungen, Kennzeichnung von Gefährdungen)
  • Flucht- und Rettungswege/Notausgangstüren, -tore,/Notausstieg dazugehörige Sicherheits- und Gesundheitsschutzkennzeichnung (Piktogramme)
  • Innerbetriebliche Ge- und Verbots- sowie Warnzeichen (u.a. Sammelpunkt, Zutrittsbeschränkungen, Freihaltungen etc.)
  • Standorte und Umgang mit Feuerlöscher, Löschdecke, Notfallkiste (Bindemittel, Besen etc.)
  • Standorte Erste-Hilfe Kästen/Augenspülflasche/ggf. Safety-Plaster-Boxen/Verbandbuch/Trage/ggf. Defibrillator/Notdusche/Hautschutz-, -pflege, -reinigungsmittel
  • Aushänge /zentral einsehbare Ablage (z.B. Ordner, Intranet)
    • aushangpflichtige Gesetze (Arbeitszeitgesetz, Mutterschutzgesetz…),
    • Ansprechpartner: Erst-Helfer/Brandschutzhelfer/-beauftragter/-D-Arzt/-befähigte Person für Elektroreparaturen, -Beauftragte (u.a. Sicherheits-, Gefahrgut-, Strahlenschutz, Sucht, PSA…), -Mitarbeitervertretung, -Sach-/Fachkundige
    • Flucht- und Rettungsplan, -Alarmplan,
    • sicherheitstechnische und betriebsärztliche Betreuung,
    • erlaubnispflichtige Tätigkeiten, schriftliche Beauftragungen
    • aktuelle Sicherheitsdatenblätter soweit Umgang mit Gefahrstoffen
  • Verhalten bei Notfällen, Betriebsstörungen, Unfällen (u.a. psychologische Betreuung)
  • Nichtraucherschutz
  • Sicherheitskonzept des Betriebes (Videoüberwachung, Wachpersonal, Alarmtasten, etc.)

Abschließend sollte die arbeitsplatzspezifische Unterweisung (Erstunterweisung, später Wiederholungsunterweisung) aus den relevanten Ergebnissen der Gefährdungsbeurteilung durch den/die Vorgesetzte, Abteilungsleiter/in (Jugendliche müssen halbjährlich unterwiesen werden, allen anderen mindestens einmal jährlich, anlassbezogen häufiger, u.a. neue Arbeitsverfahren, Unfall etc.) erfolgen. In Abhängigkeit von den Arbeitsaufgaben sind folgende Fragestellungen relevant:

► Um was für einen Arbeitsbereich, Arbeitsplatz handelt es sich?
-ggf. Lärmbereiche, Ex-Bereiche, Gefahrstoffbereich (welche Gefahrstoffe?)
► Welche technischen und organisatorischen Schutzmaßnahmen wurden zur Minimierung der Gefährdungen ergriffen? –ggf. Kapselung, Einhausung
► Hängen zu den Tätigkeiten betriebsspezifische und verständliche Betriebsanweisungen, Arbeitsanweisungen an geeigneter Stelle aus?
► Welche individuell geeignete Arbeitskleidung, persönliche Schutzausrüstung (Sicherheitsschuhe, Handschuhe, Helm, Schutzbrille, Warnweste, Gehörschutz, Wetterschutzkleidung, ggf. Hautschutz, Handschuhplan…) sind für die Tätigkeiten erforderlich?
► Wie wird den psychischen Belastungen wie z.B. Alleinarbeit, Umgebungsfaktoren (Beleuchtung, Belüftung, Lärm) entgegengewirkt?
► Welche geprüften Arbeitsmittel sind zu bedienen, einzusetzen?
(Notaus, Mängelmitteilung…)


Beim Durchlauf mehrerer Abteilungen müssen weitere arbeitsplatz- bzw. tätigkeitsbezogene Unterweisungen stattfinden.


Zum Nacharbeiten sollten neue Mitarbeiter/innen alle relevanten Informationen in einen Einarbeitungsordner („Laufmappe“) nachlesen können und jederzeit ein Feedback über den Stand ihrer Kenntnisse bzw. über die einarbeitenden Personen rückmelden können. Durch einen Laufzettel kann das „Durchlaufen“ der Einarbeitungsstationen jederzeit nachvollzogen und sichergestellt werden. Ergänzend können auch e-learning tools eingesetzt werden.

 

Autor: Stefan Johannsen, Dipl.-Biologe

 

Produktempfehlung

Abb_6023Sicherheitshandbuch auf CD-ROM

90 % aller Arbeitsunfälle passieren aus Unachtsamkeit. Erhöhen Sie jetzt die Sicherheit in Ihrem Betrieb und nutzen Sie zur Durchführung und Dokumentation Ihrer Arbeitsschutzmaßnahmen unsere fertigen Arbeitshilfen auf CD-ROM.
>> mehr Informationen

Praxishilfen zum Thema

Diese Praxishilfen zum Thema können Sie als Einzeldownload erwerben:

Für PREMIUM-User ist der Zugriff auf alle Praxishilfen frei.

 Kostenlos_fuer_Premium_Kunden
Sie sind noch kein PREMIUM-User?

>> Mehr Informationen

Rechtsvorschriften

Für PREMIUM-User ist der Zugriff auf alle Rechtsvorschriften frei.
Kostenlos_fuer_Premium_Kunden
Sie sind noch kein PREMIUM-User?

>> Mehr Informationen

Mehr zum Thema

Mitarbeiter unterweisen - aber wie?

So informieren Sie richtig: Neue Broschüre gibt Tipps für Unterweisung und Gesprächsführung

Kostenloses Unterweisungsmaterial für den Umgang mit Gasen