Arbeitsschutzorganisation | 12.02.2014

Durch den Einsatz von Fremdfirmen können auf dem Betriebsgelände besondere Gefährdungen entstehen. Der Arbeitgeber hat als Auftraggeber sicherzustellen, dass nur solche Fremdfirmen beauftragt werden, die über die Fachkenntnisse und Erfahrungen verfügen, die für die vorgesehenen Tätigkeiten erforderlich sind und er hat die Fremdfirmen über Gefahrenquellen und spezifische Verhaltensregeln zu informieren sowie deren Aufsicht sicherzustellen. Wie genau das am besten geht und was es sonst noch zu beachten gibt, lesen Sie hier.

 

Es erforderlich, dass neben den eigenen auch die fremden Beschäftigten die sicherheitsrelevanten betrieblichen Arbeitsschutzregelungen/Sicherheitsrisiken kennen und beachten sowie von verantwortlichen Personen jederzeit Auskunft darüber erteilt werden kann, zu welcher Zeit sich welche Beschäftigten in welchen Arbeitsbereichen mit welchen Tätigkeiten tätig sind/tätig waren. Dieses muss in der betrieblichen Gefährdungsbeurteilung dokumentiert sein und kann unterstützt werden, u.a. durch

► zentral geführte An- und Abmeldung,
► verpflichtender Sicherheitseinweisungsbogen (mehrsprachig), computergestütztes Training vor Arbeitsaufnahme mit Abschlusstest,
► Arbeitsplatzbezogene Unterweisung mit Verständniskontrolle durch Vorgesetze
sowie Arbeitsanweisungen für Fremdfirmenbeschäftigte,
► Erlaubnisscheinverfahren für gefährliche Arbeiten (z.B. Schweißen),
► Fremdfirmenkoordinator, ggf. Sicherheitsbeobachter bei  gefährlichen Arbeiten,
► Partnerfirmenausweis, Sicherheitspass als Zugangsberechtigung,
► Workshop zum Führen von Sicherheitsgesprächen für Führungskräfte von Partnerfirmen.

Vor dem Einsatz sollte sichergestellt sein, dass vor allem gegenseitige Gefährdungen sowie Gefährdungen Dritter beim Einsatz von Fremdfirmen (ein oder mehrere Gewerke) sowohl in der Gefährdungsbeurteilung des Einsatzbetriebes als auch in der des/der Fremdbetriebe(s) beurteilt und abgeglichen werden (§§ 5,6,8 ArbSchG i.V.m. BGV A 1 bzw. GUV-V A 1 „Grundsätze der Prävention“ § 6, § 15 GefStoffV).

Was sollte grundsätzlich vor dem Einsatz von Fremdfirmen hinterfragt werden?

  • Welche Aufgaben werden in der Regel an Fremdfirmen vergeben? (Was können intern Beschäftigte erledigen, wann müssen Aufträge vergeben werden?)
  • Welche Firmen können welche Aufgaben qualifiziert durchführen? (Referenzen)
  • In welchen Arbeitsbereichen ist mit besonderen Gefahren oder einer möglichen gegenseitigen Gefährdung durch die Tätigkeit von Fremdfirmen im Betrieb zu rechnen?
  • Ist in den Verträgen, die mit den Fremdfirmen, Sub- und Nachunternehmen abgeschlossen werden, ein bestimmtes Anforderungsprofil hinsichtlich Sicherheits- und Gesundheitsschutzstandard festgeschrieben?
  • Gibt es Regelungen über die Zusammenarbeit mehrerer Arbeitgeber bei Beschäftigung von Arbeitnehmern von Fremdfirmen? (§ 8 ArbSchG) Wenn ja, welche?
  • Enthalten diese Standards auch Regelungen, wann der Betrieb sich von einer Fremdfirma trennt bzw. Sanktionen (Ermahnungen, Abmahnungen) ausspricht oder langfristige Bindungen möglich sind?
  • Wer ist im Betrieb für die Auftragsverantwortung und Koordination der Arbeiten von Fremdfirmen verantwortlich? (insbesondere nach § 15 (4) GefStoffV erforderlich)
  • Werden die Beschäftigten von Fremdfirmen vor Ort eingewiesen und unterwiesen? Wenn ja, durch wen und in welcher Form (u.a. Flyer, Video)?


Wichtig im Vorwege ist zudem, dass

  • betriebliche Vorgaben zum Arbeits- und Gesundheitsschutz für Fremdfirmen, Nachunternehmen und Lieferanten geschaffen wurden und sichergestellt werden, insbesondere  bei der Auswahl, Einsatzplanung, Vertragsgestaltung und bei Tätigkeiten auf dem Betriebsgelände/auf der Baustelle.
  • die Aufgaben, Zuständigkeiten und Kompetenzen für die Zusammenarbeit mit Fremdfirmen, Nachunternehmen und Lieferanten unmissverständlich geregelt und bekannt sind,
  • bei der Auswahl von Fremdfirmen und Lieferanten arbeitsschutzrelevante Kriterien berücksichtigt und in den Verträgen mit den Fremdfirmen festgeschrieben werden, (u.a. spezifische betriebliche Einsatzbedingungen, Einweisung von Fremdfirmenangehörigen in betriebsspezifische Gefahren, Regelungen und erforderliche Schutzmaßnahmen, Koordinierung, Tageshöchstarbeitszeiten, Vorsorge, erforderliche Fach-/Sachkunden),
  • die jeweiligen Einsatzbedingungen sowie die Anforderungen für einen sicheren und gesundheitsgerechten Einsatz abgeklärt wurden (u.a. körperliche Anforderungen, Umgebungseinwirkungen, Persönliche Schutzausrüstungen, arbeitsmedizinische Vorsorge, erforderliche aktuelle Qualifikationen, Erlaubnisse, Beauftragungen [Sicherheitspass nach SCC]) mögl. Bereitstellung von Arbeits-/ Hilfsmitteln, gesetzlich vorgeschriebene Arbeits- und Ruhe-/Pausenzeiten, Verbot von Alleinarbeit,
  • die Kommunikationswege zwischen Fremdfirmenangehörigen sowie eigenen Führungskräften und Beschäftigten geregelt sind – u.a., wer ist zu informieren, wenn Abläufe nicht funktionieren, Regelung von Arbeitsanweisungen und Weisungsbefugnissen,
  • die schriftlich bestellte und weisungsbefugte Koordination, Aufsicht und Kontrolle geregelt, insbesondere, wenn mit besonderen Gefahren und gegenseitiger Gefährdung durch die Tätigkeit von Fremdfirmen, Nachunternehmen und Lieferanten im Betrieb zu rechnen ist.

 

Im Rahmen der Sicherheitseinweisung von Fremdfirmen sollten insbesondere
► allgemeine Sicherheitshinweise (u.a. Verkehrswegekonzept, Sicherheits-kennzeichnung, Flucht- und Rettungswege, ggf. Sozial- Sanitärräume)
► Schutzbestimmungen auf dem Betriebsgelände und auf Baustellen,
► Organisation und Verantwortlichkeit (Namen, Funktion, Allgemeine Rufnummern),
► Ärztliche Unfallversorgung und Erste Hilfe (Aushänge mit D-Arzt, Erst-/Brandschutz-/Evakuierungshelfer,
► Verhalten auf dem Betriebsgelände/Baustellen,
(Raucherzonen, Alkohol- Drogenverbot, Tragen persönlicher Schutzausrüstung, Kantinennutzung, Tragepflichten von Helmen, Schutzbrillen, Warnweste etc.),
► Verhalten bei Notfällen (Wichtige Stellen und Rufnummern, Sammelpunkt),
► Umweltschutz, Hygiene und Entsorgungsbestimmungen

nachweislich verständlich vermittelt und dokumentiert werden. Gewisse Informationen können dazu schon im Vorwege den jeweiligen Fremdfirmen übermittelt werden (u.a. Verkehrswegekonzept mit Parkflächen, Containerabstellflächen, Werksärztlicher Dienst, Geschwindigkeitsbegrenzungen, An- und Abmeldungsprozedere, Bereithalten von Auftragsdokumenten, Ausweis, ggf. Führerschein)

Im Rahmen einer anschließenden Sicherheitsunterweisung ist der Verantwortliche der jeweiligen Fremdfirma zu unterweisen, der daran anschließend die tätigkeitsbezogene Unterweisung für den jeweiligen Einsatzbereich seiner Beschäftigten sicherstellt.

Mängel und/oder Zwischenfälle sollten zeitnah auf kurzem Wege mit den Verantwortlichen/Koordinator besprochen und abgestellt werden. Alle Verantwortlichen sollten dabei denselben Informationsstand haben.

Nach Auftragserledigung sollte in einem abschließenden Feedback-Gespräch eine Bewertung der Arbeiten der Fremdfirmen durchgeführt werden.

 

Fremdfirmen – Checkliste zur Beurteilung und Überwachung von Fremdfirmen

Nr.

Frage

J

N

Bemerkung

1

Werden die Arbeiten vertragsgemäß durchgeführt (Qualität, Termine)?      

 

 

 

2

Arbeitet der Auftragnehmer zuverlässig (mit der nötigen Sach-/Fachkunde und Sorgfalt)?

 

 

 

3

Hält der Auftragnehmer (Führungskräfte und Mitarbeiter) die Sicherheitsvorschriften ein?

 

 

 

4

Ist die Aufsichtsführung gewährleistet (durch die Führungskräfte des Auftragnehmers)?

 

 

 

5

Erreichen die von der Fremdfirma getroffenen Sicherheits-maßnahmen den vereinbarten Sicherheitsstandard?         

 

 

 

6

Haben die Vorgesetzten des Auftragnehmers die vom Auftraggeber erhaltene Einweisung in die Umgebungsgefahren sowie die betriebsspezifischen Hinweise des Auftraggeber-Beauftragten an ihre Mitarbeiter im Wege der Unterweisung weiter gegeben?

 

 

 

7

Halten Vorgesetzte des Auftragnehmers vor der Arbeitsaufnahme und während der Ausführung des Werkvertrages ständigen Kontakt mit dem Beauftragten des Auftraggebers?         

 

 

 

8

Wissen die Mitarbeiter des Auftragnehmers, dass für sie ausschließlich ihre Vorgesetzten verantwortlich sind und sie Anweisungen über die Art und Weise ihrer Tätigkeit bei der Durchführung des Auftrags nur von ihren Vorgesetzten entgegen zu nehmen haben?
Ausnahme: Sicherheitsanweisungen durch Führungskräfte des Auftraggebers zur Gefahrenabwehr oder bei Sicherheitsverstößen.          

 

 

 

9

Verfügt Ihr Auftragnehmer über Regelungen zur Gefahrenabwehr oder bei Sicherheitsverstößen?   

 

 

 

10

Hält sich die Fremdfirma an die Anweisungen Ihres Fremdfirmenkoordinators?

 

 

 

 

Autor: Stefan Johannsen

 

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