Sicherheitsbeauftragte – Aufgaben und Anzahl nach DGUV Vorschrift 1 festlegen

©  DOC RABE Media - fotolia.com

Sicherheitsbeauftragte – Aufgaben und Anzahl nach DGUV Vorschrift 1 festlegen | 10.12.2014

Der Unternehmer ist nach der kürzlich in Kraft getretenen DGUV Vorschrift 1 (sowie DGUV Regel 100-001) rechtlich verpflichtet ab 21 Beschäftigten mindestens eine(n) Sicherheitsbeauftragte(n) schriftlich zu bestellen. Diese Person muss ein Grundseminar bei der in Frage bei der Berufsgenossenschaft erfolgreich absolvieren (später Aufbauseminar). Was Sie dabei beachten müssen, erfahren Sie hier.

Die Anzahl der zu bestellenden Sicherheitsbeauftragten hängt von der Beschäftigtenzahl ab. Anhand von fünf verbindlichen Kriterien können Unternehmer die Anzahl der Sicherheitsbeauftragten für ihren Betrieb individuell festlegen:

  1. Im Unternehmen bestehende Unfall- und Gesundheitsgefahren (u. a. bei größeren Gefährdungen mehrere Sicherheitsbeauftragte bestellen)
  2. Räumliche Nähe der zuständigen Sicherheitsbeauftragten zu den Beschäftigten (u. a. Sicherheitsbeauftragte(r) sollte als Ansprechpartner vor Ort erreichbar)
  3. Zeitliche Nähe der zuständigen Sicherheitsbeauftragten zu den Beschäftigten (insbesondere für Schichtbetriebe oder bei vielen Abteilungen wichtig)
  4. Fachliche Nähe der zuständigen Sicherheitsbeauftragten zu den Beschäftigten (u. a. Kennen der Mitarbeiterstruktur, Gefährdungen vor Ort, sprachliche, kulturelle Besonderheiten, Ausübung gleicher oder ähnlicher Tätigkeiten wie Beschäftigte)
  5. Anzahl der Beschäftigten (Es hat sich bewährt, auch in Betrieben mit weniger als 21 Mitarbeitern Sicherheitsbeauftragte zu bestellen bzw. mehr Sicherheitsbeauftragte als gesetzlich gefordert. Dieses ist u.a. bei Baubetrieben mit regelhaft mehreren Baustellen oder Filialbetrieben, Warenhäusern mit mehreren Etagen sinnvoll.)

Somit kann sich individueller Handlungsbedarf für ihr Unternehmen ergeben.

Worauf sollte der Arbeitgeber achten?

  • Beschäftigte, die besonders erfahren, fach- und sachkundig, akzeptiert, engagiert und sozialkompetent sind, die arbeitsstättenbezogene Mitarbeiterstruktur und Gefährdungen kennen, eignen sich am ehesten für das Amt eines/einer Sicherheitsbeauftragten.
  • Es sollten keine Mitarbeiter zu Sicherheitsbeauftragten berufen werden, die eine eigenständige Verantwortung besitzen, beispielsweise Meister oder andere betriebliche Vorgesetzte.
  • Sicherheitsbeauftragte sollten die Gefährdungsbeurteilung kennen.
  • Sicherheitsbeauftragte sollten, soweit erforderlich, an Aus- und Fortbildungsmaßnahmen der Berufsgenossenschaft ohne eigene Kosten teilnehmen können bzw. sich ggf. auch zu Beauftragten weiterbilden (Leiterbeauftragter, RegalChecker, Gefahrstoffbeauftragter…).
  • Sicherheitsbeauftragte sollten sich im Organigramm der jeweiligen Arbeitsstätte ausgewiesen sein.

Zu den Aufgaben der/des Sicherheitsbeauftragten

Sicherheitsbeauftragter zu werden, ist ein Ehrenamt, es spricht aber nicht dagegen, diese Funktion bei guter Arbeit auch entsprechend wertzuschätzen.

Es handelt sind um interne Beschäftigte, die in den normalen Arbeitsablauf integriert sind und auf sicheres Verhalten ihrer Kollegen direkt am Arbeitsplatz einwirken sollen.

Sie haben aber keine Weisungsbefugnis, sondern lediglich beratende Funktion dem Unternehmer oder Vorgesetzten gegenüber und können deshalb zivil- und strafrechtlich nicht haftbar gemacht bzw. wegen der Erfüllung der ihnen übertragenen Aufgaben nicht benachteiligt werden. Die rechtliche Verantwortung für die Arbeitssicherheit und den Gesundheitsschutz liegt beim Unternehmer.

Sicherheitsbeauftragte sind dafür vorgesehen, in erster Linie den Unternehmer, gemeinsam mit der Fachkraft für Arbeitssicherheit (FaSi) und dem Betriebsarzt/ärztin, bei der Verhütung von Arbeitsunfällen, Berufskrankheiten und arbeitsbedingten Gesundheitsgefahren zu unterstützen, z. B. im Rahmen der regelmäßig stattfindenden Arbeitsschutzausschusssitzungen (§ 11 ASiG), Begehungen, Unfalluntersuchungen.

Sicherheitsbeauftragte können u. a. folgende Aufgaben wahrnehmen:

  • auf den Zustand der technischen Schutzeinrichtungen und der persönlichen Schutzausrüstungen achten, ggf. Bestellungen veranlassen oder vornehmen,
  • auf die ordnungsgemäße Nutzung von persönlicher Schutzausrüstung und Schutzeinrichtungen achten(z. B. Tragen von PSA, Erste-Hilfe Kästen kontrollieren, Brandschutz),
  • sicherheitstechnische Mängel und Unfallgefahren zeitnah an Vorgesetzte melden, Verbesserungsvorschläge machen,
  • Mitarbeiter über den sicheren Umgang mit Maschinen, Arbeitsstoffen und Arbeitshygiene informieren und aufmerksam machen,
  • an Betriebsbegehungen und Unfalluntersuchungen teilnehmen,
  • sich besonders um neue Mitarbeiter, Jugendliche und Fremdfirmen, kümmern,
  • Mängel, soweit möglich, selbst beseitigen (z.B. Solperstellen),
  • Führen des Arbeitsmittelverzeichnisses (Beachtung der Prüffristenintervalle),
  • Pflegen eines Arbeitsschutzmanagementsystems.

Sie sind von den anderen Beschäftigten zu unterstützen (§ 16 ArbSchG). Die Aufgaben des Sicherheitsbeauftragten sollten überschaubar bleiben, in der schriftlichen Bestellung festgehalten werden und in gegenseitigem Einvernehmen sowohl vom Arbeitgeber als auch von dem/der Sicherheitsbeauftragten gegengezeichnet werden.

Die Ernennung bzw. Beauftragung erfolgt in Absprache mit der gewählten Mitarbeitervertretung, dem Betriebs- und Personalrat und sollte umgehend allen Beschäftigten bekanntgegeben und im Firmenorganigramm ausgewiesen werden.

Dieses Amt muss kein Amt für das verbleibende Arbeitsleben sein, sondern kann auch niedergelegt oder auf andere Personen übertragen werden.

 

Quelle: Stefan Johannsen, Dipl.- Biologe

 

Produktempfehlung

Aushangpflichtige Unfallverhütungsvorschriften - Aktualisierte Neuauflage der DGUV-AusgabeAushangpflichtige Unfallverhütungsvorschriften - Aktualisierte Neuauflage der DGUV-Ausgabe

Unfallverhütungsvorschriften müssen vom Arbeitgeber in der aktuellsten Fassung an der Arbeitsstelle ausgehängt, ausgelegt oder anderweitig zugänglich gemacht werden. Bei Verstößen gegen die Aushangpflicht drohen Ordnungsgelder und Schadensersatzansprüche. Aber Achtung: Die neugefasste DGUV Vorschrift 1 „Grundsätze der Prävention“, setzt die bisherige BGV A1 und GUV-V A1 außer Kraft. Bei den meisten Berufsgenossenschaften tritt die Novelle am 01.10.2014 in Kraft.

>> mehr Informationen 

Praxishilfen zum Thema

 Diese Praxishilfen zum Thema können Sie als Einzeldownload erwerben:

Rechtsvorschriften

Kostenlos_fuer_Premium_Kunden Sie sind noch kein PREMIUM-User?

>> Mehr Informationen

Mehr zum Thema

Gesetzlich vorgeschrieben: Die Unterweisungspflicht

DGUV Vorschrift 1 „Grundsätze der Prävention“ tritt in diesem Jahr in Kraft

Infobroschüre der BGW zur DGUV Vorschrift 2 neu überarbeitet