Lärmminderungsprogramm – wann ist es erforderlich, was beinhaltet es

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Lärmminderungsprogramm – wann ist es erforderlich, was beinhaltet es | 02.07.2015

Bei der fachkundigen Beurteilung der Arbeitsbedingungen nach §§ 5,6 des Arbeitsschutzgesetztes i.V.m. §3 LärmVibrationsArbSchV hat der Arbeitgeber zunächst festzustellen, ob die Beschäftigten i.R. der Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen - Arbeitsumgebungsfaktoren, Lärmbelastungen ausgesetzt sind oder ausgesetzt sein können.

Ist dies der Fall, hat er hat die Expositionen am Arbeitsplatz (Art, Ausmaß, Dauer) zu ermitteln (Tages-Lärmexpositionspegel (A8)) und Lärmminderungsmaßnahmen nach dem Stand der Technik (§ 2 Abs. 7) durchzuführen (§ 3 LärmVibrationsArbSchV). Dabei ist grundsätzlich zu berücksichtigen, dass Lärmemissionen am Entstehungsort verhindert oder so weit wie möglich verringert werden müssen, um die Gefährdungen der Beschäftigten auszuschließen oder so weit wie möglich zu minimieren (§ 7 Abs. 1 LärmVibrationsArbSchV).

Werden bei der Lärmbeurteilung in vorhandenen Arbeitsstätten kennzeichnungspflichtige Lärmbereiche festgestellt beziehungsweise wird einer der oberen Auslösewerte überschritten, so ist für diese Bereiche ein Lärmminderungsprogramm (§ 7 (5) der LärmVibrationsArbSchV) mit technischen und/oder organisatorischen Maßnahmen zu erstellen, schriftlich zu fixieren und durchzuführen (DIN EN ISO 11690-1).

Die ausreichende Erkennung akustischer Signale, von Warnrufen und Gefahr ankündigenden Geräuschen ist durch Lärmminderungsmaßnahmen jedoch sicherzustellen; ist ausreichende Lärmminderung nicht möglich, ist die Signalgebung zu verbessern (DIN EN ISO 7731).

Ein Lärmminderungsprogramm sollte folgende Aufgaben und Arbeitsschritte enthalten:

  • Ermittlung der Lärmimmission an den Arbeitsplätzen durch Ermittlung des Tageslärmexpositionspegels LEX,8h, wobei angenommen wird, dass sich dort Arbeitnehmer über eine nominale 8-stündige Arbeitsschicht aufhalten (Lärmkataster).
  • Ermittlung der Lärmschwerpunkte, das heißt feststellen,
    • an welchen Immissionsorten die höchsten Pegel vorliegen (zum Beispiel anhand einer Schallpegeltopografie),
    • wie viele Beschäftigte dort exponiert sind (Arbeitsplatzkataster),
    • welche Schallquellen am jeweils betrachteten Ort für die Lärmbelastung ausschlaggebend sind (Hauptlärmquellen).
  • Beschaffung (Herstellerangaben, Messung unter anderem) der Emissionswerte der Hauptlärmquellen (Arbeitsmittel, Arbeitsverfahren) und Prüfung in Bezug auf den Stand der Technik oder die Einhaltung von Emissionsgrenzwerten (siehe "Einsatz lärmarmer Arbeitsmittel und Arbeitsverfahren"; DIN EN ISO 11690 2)
  • Analyse der Geräuschursachen bei den Hauptlärmquellen, die nicht dem Stand der Technik entsprechen (vorrangig zu behandelnde Hauptlärmquellen)
  • Prüfung der Schallausbreitungsbedingungen im Arbeitsraum in Bezug auf den Stand der Technik (siehe Schalltechnische Gestaltung von Arbeitsräumen)
  • Festlegung von technischen und verfahrenstechnischen Maßnahmen für die vorrangig zu behandelnden Hauptlärmquellen anhand technischer Regeln und ähnliches (DIN EN ISO 11690-2, VDI-Richtlinien, Arbeitswissenschaftliche Erkenntnisse der BAuA, BG-Lärmschutz-Arbeitsblätter) und der Fachliteratur sowie von technischen Maßnahmen auf dem Schallausbreitungsweg
  • Durchführung einer Immissionsprognose zur Einschätzung der Wirkung der vorgesehenen Maßnahmen, gegebenenfalls Variation der Maßnahmen
  • Aufstellung eines Zeitplans mit Prioritätenstufung zur Durchführung und Realisierung der Maßnahmen
  • Festlegung zur zeitlich begrenzten Anwendung von Gehörschutz
  • Nachprüfung des Erfolges des realisierten Lärmminderungsprogramms (vorzugsweise durch Messungen)

Aktualisierung des Lärmminderungsprogramms bei Weiterentwicklung des Standes der Technik oder bei wesentlicher Änderung der zugrunde liegenden Lärmsituation.

Autor: Stefan Johannsen, Dipl.-Biologe

 

 

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