Arbeitsstättensicherheit | 30.04.2013

Wie gefährlich Fahrbahnmängel, überhöhte Geschwindigkeit oder Unachtsamkeit im Straßenverkehr sein können, weiß jeder Autofahrer. Wie wichtig diese und andere Faktoren jedoch auch für die betriebsinternen Verkehrsprozesse sind, ist den Wenigsten klar. Wir geben Ihnen einige Tipps zur Hand, mit denen Sie das Risiko von Verkehrsunfällen in Ihrem Betrieb minimieren können.

  

Fast jeder vierte meldepflichtige Arbeitsunfall im Betrieb geschieht beim Transportieren oder Fahren. Neben zahlreichen anderen sicherheitsrelevanten Faktoren, sind besonders die folgenden Bereiche wichtig für einen reibungslosen Verkehrsablauf.

 

Verkehrswege

Abmessungen

Generell werden innerbetriebliche Verkehrswege in drei Kategorien unterschieden: 1. Nur Fahrzeuge, 2. Nur Personenverkehr, 3. Fahrzeug- und Personenverkehr. Für alle drei Varianten gelten unterschiedliche Vorgaben hinsichtlich der Abmessungen. Dies soll verhindern, dass durch zu enge Wege gefährliche Situationen oder gar Unfälle entstehen können.

Der Sicherheitsabstand auf Lastwegen muss mindestens 0,5 Meter auf beiden Seiten des Fahrzeuges betragen (max. Höchstgeschw. 20 km/h). Wege mit beiderseitigem Verkehr müssen entsprechend doppelt so breit sein und zusätzlich noch 0,40 Meter Begenungs-abstand bieten.

Die Breite von Personenwegen orientiert sich an der Anzahl der Beschäftigten die im unmittelbaren Umkreis des Verkehrsweges arbeiten:

bis 5 Personen - 0,875 Meter
bis 20 Personen- 1,00 Meter
bis 100 Personen - 1,25 Meter

Wege die von Fußgängern und Fahrzeugen gleichzeitig genutzt werden, müssen am Rand zusätzlich über einen Sicherheitsabstand von 0,75 Metern verfügen.

Verkehrswege, Fluchtwege und Notausgänge müssen laut Arbeitsstättenverordnung ständig freigehalten werden und dürfen nicht durch abgestellte Gegenstände oder geparkte Flurförderzeuge verstellt sein. Weitere Anforderungen sind in der ASR A 2.3 geregelt.

 

Markierungen

Die Arbeitsstättenverordnung schreibt außerdem vor, dass Verkehrswege klar als solche gekennzeichnet sein müssen. Verwenden Sie gut sichtbare Farben um die Wege zu begrenzen und erneuern Sie abgebnutzte Markierungen in regelmäßigen Abständen. Neben der Festlegung der Verkehrswege sollten diese außerdem ausreichend beschildert werden, um z.B. auf Gefahrenstellen hinzuweisen. Spiegel dienen der Sicherheit an unübersichtlichen Stellen.

 

Fußböden

Belag

  • Der Bodenbelag sollte immer so gewählt sein, dass die Rutschhemmung zusammenhängender Flächen ungefähr gleich ist, d.h.: Vermeiden Sie harte Übergänge! Glatte Flächen sollten nicht unmittelbar in stark rutschhemmende Flächen übergehen.
  • Höhenunterschiede zwischen angrenzenden Fußbodenbelägen können durch Verwendung von Schrägrampen ausgeglichen werden.
  • Lose aufliegende Teppiche, Läufer oder Fußmatten dürfen nicht verrutschen oder sich aufrollen. Maßnahmen zur Sicherung loser Fußbodenauflagen können bereits Anschrauben oder einfaches Festkleben sein.
  • Metallroste, wie z. B. Gitter- und Blechprofilroste müssen so gesichert sein, dass diese sich nicht abheben oder verschieben können. Sie müssen zudem eine Mindestauflauflagerlänge von 30mm haben und ihre Durchbiegung unter Last muss innerhalb bestimmter Grenzen (< 1/200 Stützweite) bleiben. Um Stolper- oder Stoßstellen zu vermeiden, ist zu beachten, dass die Höhenunterschiede zum anliegenden Nachbarrost oder Bodenbelag nicht mehr als 4 mm betragen. Sind Gitterroste in stark frequentierten Bereichen, z. B. in öffentlichen Verkehrswegen verlegt, muss die Maschenweite der Gitterroste klein gehalten sein und darf 10 mm nicht überschreiten.
  • Unebene Fußböden stellen eine erhöhte Unfallgefahr dar. Für Fußböden, Flächen, Decken und Wände sind die für die Bauausführung zulässigen Abweichungen/Toleranzen in der DIN 18 202 „Toleranzen im Hochbau“ geregelt.

 

Reparaturen

Sind Böden oder Bodenbeläge beschädigt, müssen Sie zur Vermeidung von Sturz- und Stolperunfällen umgehend ausgebessert werden. Sind die Schäden größer, kann es sogar zu Unfällen mit Flurförderzeugen kommen. Im Idealfall werden bereits kleine Schäden oder Abnutzungen des Bodenbelags unverzüglich repariert. Das ist lästig, erspart aber oft größere Folgereparaturen.

Da die Außenbereiche des Werksgeländes den Witterungsbedingungen ausgesetzt sind, müssen sie dementsprechend regelmäßig auf Schlaglöcher oder Risse untersucht werden. Achten Sie bei der Ausbesserung darauf, dass die Schäden nicht nur notdürftig "geflickt" sondern professionell ausgebessert werden. Durch die ständige Belastung brechen die Ausbesserungen sonst schnell wieder auf.

Eine regelmäßige Begehung der Verkehrswege hilft Schäden frühzeitig zu erkennen!


Reinigung

Abfälle, Split und Materialreste verringern die Bodenhaftung von Gabelstaplern, Hubwagen etc. drastisch. Eine Reinigung der Verkehrswege sollte also mindestens einmal täglich durchgeführt werden. Bei Bodenreinigungen im Innenbereich sollten Sie außerdem darauf achten, keine Reinigungsmittel zu verwenden, die die Rutschhemmung von Fußböden heruntersetzen (z.B. wachshaltige Mittel). Bei Verschmutzungen durch Öle und Fette muss ein fettlösendes Reinigungsmittel eingesetzt werden.

 

Beleuchtung

Die Arbeitstättenverordnung schreibt vor, dass Arbeitsstätten ausreichend mit Tageslicht versorgt werden müssen. Die Beleuchtung kann durch künstliche Beleuchtung ergänzt werden. Die Beleuchtungselemente müssen so ausgewählt und angebracht werden, dass durch sie keineUnfall- oder Gesundheitsgefahr entsteht. Konkret bedeutet dies, dass Sie die Verkehrswege in Ihrem Unternehmen möglichst blendfrei und ausreichend hell beleuchten müssen. Wichtig ist auch, für eine gleichmäßig helle Beleuchtung zu sorgen.

 

Verkehrsregeln
Für die Organisation des innerbetrieblichen Verkehrs ist der Unternehmer grundsätzlich selbst verantwortlich. Es ist jedoch sinnvoll, folgende einfache Regeln vorzugeben:

  • Grundlage für den internen Verkehr ist die StVO.
  • Fahren nur mit Fahrerlaubnis/Ausbildung
  • Fahrerrückhalteeinrichtung nutzen
  • Keine Personen mitnehmen
  • Schutzkleidung tragen
  • Auf freie Sicht achten
  • Geschwindigkeitsbeschränkung einhalten

 

Zusätzliche Informationen & Materialien

In unseren Praxishilfen finden Sie die Betriebsanweisung zum richtigen Verhalten auf innerbetrieblichen Verkehrswegen gemäß Betriebssicherheitsverordnung. Für weiterführende Informationen zur Arbeitssicherheit im innerbetrieblichen Verkehr, empfiehlt sich ein Blick auf die Internetseite der Präventionskampagne "Risiko raus!" der gesetzlichen Unfallversicherungen. Der Themenbereich "innerbetrieblicher Transport" bietet neben zahlreichen weiterführenden Informationen auch sehr anschauliches Flyer- & Plakatmaterial, mit dem Sie in Ihrem Betrieb zusätzlich auf die Thematik aufmerksam machen können. 

Auch die DGUV hat die Thematik "Innerbetrieblicher Transport" im Videoclip: Napo in "Sicher unterwegs" sehr anschaulich zusammengefasst.

 

rd

 

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