Viel Lärm um Nichts – und die Folgen für die Mitarbeiter

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Viel Lärm um Nichts – und die Folgen für die Mitarbeiter | 29.05.2015

Vier bis fünf Millionen Arbeitnehmer in Deutschland sind bei ihrer Tätigkeit gehörgefährdendem Lärm ausgesetzt. Mit jährlich über 6.000 Fällen ist „Lärmschwerhörigkeit“ denn auch die häufigste anerkannte Berufskrankheit. Gehörschäden schränken die Lebensqualität der Betroffenen nicht nur am Arbeitsplatz ein, auch im Privatleben fühlen Schwerhörige sich häufig benachteiligt und ausgegrenzt.

Lärmbelastung schädigt nicht nur das Gehör

Auf Dauer beeinträchtigt Lärm nicht nur das Hörvermögen. Arbeitsmediziner unterscheiden sogenannte das Innenohr betreffende oder „aurale“ Lärmwirkungen und extra-aurale Lärmwirkungen, die den Gesamtorganismus betreffen. Alle Geräusche, denen wir ausgesetzt sind, werden im Innenohr in Nervenimpulse umgewandelt und an das Gehirn weitergeleitet. Dort werden die Geräusche interpretiert, das heißt, sie werden als gesprochene Sprache, Musik oder Misstöne interpretiert. Deshalb löst alles, was wir hören, physische und psychische Reaktionen aus, die auch zu Stress führen können. Die Folgen von Lärmbelastung sind vielfältig und gut dokumentiert. Einige Organsysteme reagieren erst bei Schallpegeln ab etwa 60 dB(A), während psychische Wirkungen schon deutlich unter dieser Schwelle, zum Teil auch schon in Bereichen ohne Lärmcharakter, auftreten. Vibrationswahrnehmungen bei energiereichen, tieffrequenten Geräuschen (z. B. in der Nähe eines Kompressors oder in der Nähe eines Bass- Lautsprechers) wirken ebenfalls belastend. Lärm kann Gesundheit, Leistung und Wohlbefinden vielfältig beeinträchtigen. Denkbar sind u. a. psychosoziale Wirkungen wie Konzentrationsstörungen, Nervosität, Reizbarkeit, Aggressivität, Resignation und eine generelle Verringerung der Lebensqualität.

Physiologische und vegetative Reaktionen auf Lärm

Bei langjährigem Dauerlärm über 85 dB(A) oder Einzelschallereignissen mit extrem hohem Schalldruckpegel von mehr als 140 dB (z. B. Knalle, Explosionen) drohen irreversible Gehörschäden.

Darüber hinaus drohen:

  • Verengung (Vasokonstriktion) peripherer Blutgefäße
  • Erhöhte Ausschüttung von Stresshormonen wie Adrenalin, Noradrenalin und Cortisol
  • Veränderung der Herzschlagfrequenz, Erhöhung des Blutdrucks, Risiko von Herz- Kreislauf-Erkrankungen
  • Anspannung der Muskulatur, Erhöhung des Muskeltonus
  • Reduzierung der Magen- und Darmaktivität, vermehrte Ausschüttung von Magensaft
  • Pupillenerweiterung, schlechte Tiefensehschärfe, Gesichtsfeldeinengung
  • Verzögerte Signalverarbeitung im Gehirn

Erhöhte Unfallgefahr durch Leistungsminderung

Stressreaktionen setzen Aufmerksamkeit und Konzentrationsvermögen herab. Dadurch kann es zu Kommunikationsbeeinträchtigungen und Missverständnissen kommen, die im schlimmsten Fall zu gefährlichen Fehlentscheidungen führen können.
Stress zieht auch eine erhöhte Fehlerquote, eine Verlangsamung von Denkprozessen und eine Veränderung des persönlichen Leistungsanspruchs nach sich. Unter Druck kann sich zudem die Risikobereitschaft bei Entscheidungen erhöhen – in Kombination mit verminderter Reaktionsleistung eine gefährliche Mixtur. Nicht zuletzt leidet oft die manuelle Geschicklichkeit, wenn man lärmbedingten Stress erlebt.

 

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