Flucht- und Rettungswege – Personensicherheit für den Gefahrfall gewährleisten

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Flucht- und Rettungswege – Personensicherheit für den Gefahrfall gewährleisten | 22.05.2015

In Betrieben wie Gastronomien, Kindertagesstätten, Lebensmittelherstellung, -verkauf, Schulen, Gesundheitseinrichtungen, Küchen, Büros, ist die Einhaltung hygienischer Grundsätze besonders wichtig. Die Vermeidung von Erkrankungen spart Ressourcen und Kosten, die durch die Behandlung erkrankter Personen anfallen, sowie Kosten, die durch krankheitsbedingten Arbeitsausfall entstehen.

Ein Fluchtweg ist ein besonders gekennzeichneter Weg, meist innerhalb eines Gebäudes, der im Falle einer notwendigen Flucht auf kurzen Weg schnell und sicher ins Freie oder einen gesicherten Bereich führt.

In der Praxis zeigt sich leider häufig, dass Notausgangstüren durch Ware, Aufsteller, Leitern ganz oder teilweise zugestellt oder durch Regale eingeengt wurden und das auch für einen längeren Zeitraum oder dauerhaft. Zudem sind Fluchtwege oftmals nur unzureichend, u.a. nicht innerhalb der Erkennungsweite, gekennzeichnet, zu wenige oder schlecht sichtbare Hinweisschilder angebracht, keine Ersatzbatterien griffbereit. Notausgangstüren wurden z.T. zugeschweißt oder die Türen lassen sich nur schwer öffnen. Kunden weisen die Gewerbeaufsicht oftmals zu Recht telefonisch auf derartige Mängel hin, die sich in einem betrieblichen Notfall verheerend auswirken können.


Folgende Punkte sind bei der Planung sowie durch Begehungen sicherzustellen

  • Flucht- und Rettungswege müssen hinsichtlich der bauordnungsrechtlichen Anforderungen an Feuerwiderstandsdauer (Wände, Decken) Tragfähigkeit, und Umwehrungen im Falle einer bestehenden Absturzgefahr geeignet und zugelassen sein.
  • Wurden die Notausgangstüren als solche gekennzeichnet, (auch Rauch-/Feuerschutztüren) vor Inbetriebnahme und wiederholend geprüft.
  • Ist ein aktueller, rechtskonformer und gut lesbarer und Flucht- und Rettungsplan vorhanden, der an gut einsehbarer Stelle aushängt (etagenweise bei mehreren Stockwerken, ASR A 1.3)
  • Ist ein zweiter Flucht- und Rettungsweg erforderlich, z.B. Produktions-, Lagerräume (Landesbauordnung und ASR A 2.3, Punkt 4 Absatz 5)
  • Sind die Flucht- und Rettungswege /-türen ausreichend breit (ASR A 1.8)
  • Führen, auf möglichst kurzem Weg, Fluchtwege ins Freie oder in einen gesicherten Bereich
  • Sind Fluchtwege ausreichend vorhanden und gut erkennbar gekennzeichnet (ASR A 1.3)
  • Ist sichergestellt, dass Fluchtwege und Notausgangstüren /-stiege ständig freigehalten werden.
  • Lassen sich die Türen von Notausgängen in Fluchtrichtung und leicht, ohne besondere Hilfsmittel aufschlagen (die Fläche der Türbreite dahinter sollte am Boden farblich markiert sein) .
  • Fluchtwege sind mit einer Sicherheitsbeleuchtung auszurüsten, wenn bei Ausfall der allgemeinen Beleuchtung das gefahrlose Verlassen der Arbeitsstätte nicht gewährleistet ist. (ASR A 1.3)
  • Notausstiege müssen im Lichten mindestens 0,90 m in der Breite und mindestens 1,20 m in der Höhe aufweisen.
  • Werden Beschäftigte in Gefangenen Räumen durch eine automatische Alarmierung auf einen Notfall hingewiesen.
  • Notausgänge und Notausstiege sind, sofern diese von der Außenseite zugänglich sind, auf der Außenseite mit dem Verbotszeichen „P023 Abstellen oder Lagern verboten" zu kennzeichnen.
  • Fahrsteige, Fahrtreppen, Wendel-und Spindeltreppen sowie Steigleitern und Steigeisengänge sind im Verlauf eines ersten Fluchtweges nicht zulässig.
  • Die lichte Höhe über Fluchtwegen muss mindestens 2,00 m betragen.
  • Sperreinrichtungen im Verlauf von Fluchtwegen müssen sich mit maximal 150 N in Fluchtrichtung öffnen lassen.
  • Fluchtwege dürfen keine Ausgleichsstufen enthalten. Geringe Höhenunterschiede sind durch Schrägrampen mit einer maximalen Neigung von 6 % auszugleichen.
  • Dachflächen, über die zweite Fluchtwege führen, müssen den bauordnungsrechtlichen Anforderungen an Rettungswege entsprechen.
  • Rolltore sind in Fluchtwegen nur zugelassen, wenn
  • sie das Schutzziel für Türen in Fluchtwegen erfüllen.

An Abzweigungen notwendiger Flure, an den Zugängen zu notwendigen Treppenräumen, an Kreuzungen sowie an Ausgängen der Rettungswege müssen dauerhaft und gut sichtbar Sicherheitszeichen nach ASR A 1.3 i.V.m. DIN EN ISO 7010 angebracht werden. Die Sicherheitszeichen müssen lang nachleuchtend oder be- bzw. hinterleuchtet sein.

Rauch- und Feuerschutztüren können die an sie gestellten Anforderungen nur erfüllen, wenn sie rauchdicht und selbstschließend sind. Sollen die Türen aus betrieblichen Gründen während der Betriebszeit offen gehalten werden, sind sie mit bauaufsichtlich zugelassenen Feststellanlagen oder Freilaufselbstschließern auszurüsten, die bei Auftritt von Rauch ein automatisches Schließen der Türen bewirken.

Es ist wichtig, dass alle Beschäftigten (inkl. Zeitarbeitnehmer, Werkvertragspartner, Fremdfirmen etc.) die Fluchtwege bzw. Abweichungen/Änderungen kennen. Am besten bei Neuanfängern eine praktische Einweisung durchführen und regelmäßige, protokollierte Räumungsübungen vorsehen.

Bei der Gefährdungsbeurteilung sind u. a. betrieblichen Gefährdungen, die Höchstzahl der Personen und der Anteil an ortsunkundigen Personen zu berücksichtigen.

Die Fluchtweglänge muss möglichst kurz sein und darf für

betragen. Die tatsächliche Laufweglänge darf jedoch nicht mehr als das 1,5fache der Fluchtweglänge aufweisen.

Die Mindestbreite der Fluchtwege bemisst sich nach der Höchstzahl der Personen, die im Bedarfsfall den Fluchtweg benutzen

Die Mindestbreite des Fluchtweges darf durch Einbauten oder Einrichtungen sowie in Richtung des Fluchtweges zu öffnende Türen nicht eingeengt werden. Eine Einschränkung der Mindestbreite der Flure von maximal 0,15 m an Türen kann vernachlässigt werden. Für Einzugsgebiete bis 5 Personen darf die lichte Breite jedoch an keiner Stelle weniger als 0,80 m betragen.

Am Ende eines Fluchtweges muss der Bereich im Freien bzw. der gesicherte Bereich so gestaltet und bemessen sein, dass sich kein Rückstau bilden kann und alle über den Fluchtweg flüchtenden Personen ohne Gefahren, wie z. B. durch Verkehrswege oder öffentliche Straßen, aufgenommen werden können. Ist dies nicht der Fall, muss darauf eindeutig hingewiesen und unverzüglich gehandelt werden

Für Arbeitsstätten, in denen gemäß der Gefährdungsbeurteilung besondere Gefährdungen auftreten können oder aufgrund der örtlichen Gegebenheiten sowie der Nutzungsart mit komplizierten Bedingungen im Gefahrenfall zu rechnen ist, ist unter Berücksichtigung der Anforderungen aus anderen Rechtsgebieten zu prüfen, ob zusätzliche Anforderungen nach § 10 Arbeitsschutzgesetz erforderlich sind, wie z. B. die Aufstellung betrieblicher Alarm-und Gefahrenabwehrpläne oder die Erstellung von Brandschutzordnungen oder Evakuierungsplänen. Landesbezogene Gesetze, wie Versammlungsstätten- und/oder Verkaufsstättenverordnung sind gesondert zu berücksichtigen.

Ebenfalls sollte die für das Bauordnungsrecht zuständige Behörde sowie auch die örtlich ansässige Feuerwehr im Rahmen des Brandschutzkonzeptes zu Rate gezogen werden. Flucht- und Rettungswegpläne sind stets aktuell zu halten (z.B. bei neuem Anbau, Korrektur von Planungsfehlern)
Ausnahmen sind nur dann zulässig, wenn einem Ausnahmeantrag bei den entsprechenden Behörden zugestimmt wird.

Quelle: Stefan Johannsen, Diplom Biologe

 

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