Biomonitoring – Gefahrstoffe lassen sich nachweisen

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Biomonitoring – Gefahrstoffe lassen sich nachweisen | 02.03.2015

Unter Biomonitoring versteht man in der Arbeitsmedizin die Untersuchung biologischen Materials (Blut, Urin) von Beschäftigten zur quantitativen Bestimmung von Gefahrstoffen, deren Zwischen- und Abbauprodukte oder biochemischen bzw. biologischen Parametern. Die Verfahren stellen eine wichtige, zum Teil die einzige Möglichkeit dar, den einzelnen Menschen vor den Auswirkungen gesundheitsschädlicher Arbeitsstoffe zu schützen (Sekundärprävention). Sie gehören damit nach ArbMedVV und AMR 6.2Biomonitoring“ zur arbeitsmedizinischen Vorsorge.

Voraussetzung für das Biomonitoring ist, dass anerkannte Analyseverfahren und Werte zur Beurteilung der Messergebnisse zur Verfügung stehen. Durch die Untersuchung will man ermitteln, ob biologische Grenzwerte überschritten sind oder ob bzw. in welchem Maße chemische Schadstoffe sich im Körper befinden. Je nach Wert spricht man dann von einer Beanspruchung oder von einer Belastung. Aus arbeitsmedizinischen Erkenntnissen heraus kann nach der Analyse entschieden werden, ob bzw. welche Maßnahmen ergriffen werden müssen, damit die Beschäftigten sicher und gesund arbeiten können.

Gefahrstoffe können, insbesondere bei nicht bestimmungsgemäßem Umgang und Vernachlässigung geeigneter PSA-Tragepflicht durch Einatmen, über die Haut oder durch Verschlucken in den Körper gelangen und dort Schäden verursachen, wie z.B. Unwohlsein, Kopfschmerzen, Atemprobleme oder schwerwiegendere Folgen haben. In erster Linie sind hier Chemiker, Biologen, Facharbeiter in der Chemiebranche, Chemielaboranten angesprochen, aber auch Beschäftigte in kontaminierten Bereichen, in der Farben- und Lackindustrie, Sanierungs- oder Metallbranche können betroffen sein. Biomonitoring ist auch sinnvoll nach unfallartigen Expositionen, insbesondere wenn repräsentative Luftmessungen nicht vorliegen bzw. auf Wunsch von Beschäftigten.

Um welche Schadstoffe handelt es sich und wie gelangen sie in den Körper?

Schadstoffe finden sich mittlerweile überall, nicht nur am Arbeitsplatz, aber dort oft konzentriert. Sie sind jedoch oft nicht sichtbar und auch nicht anders wahrnehmbar. Belastend können beispielsweise Flammschutzmittel, Inhaltsstoffe von Lacken und Farben (u.a. Chrom-VI, Blei) oder Abfallstoffe im Recyclinghof (u.a. Quecksilber) sein. Sie gelangen ins Blut oder Urin, können sich nach längerem Verbleib im Körper auch in Organen ablagern und Schäden verursachen (u.a. Nervensystem)

Eine fachkundige aktuelle und umfassende Schad-/Gefahrstoffermittlungspflicht, exposititionsgeminderte Arbeitsverfahren, eine verständliche arbeitsplatzbezogene Unterweisung vor Tätigkeitsbeginn, ein achtsamer Umgang mit Schad-/Gefahrstoffen, sowie ein diszipliniertes Trageverhalten geeigneter persönlicher Schutzausrüstung sind oberstes Gebot!

Biomonitoring ist den Beschäftigten anzubieten, wenn

  • arbeitsmedizinische Vorsorge bei Tätigkeiten mit Gefahrstoffen durchgeführt werden oder eine eventuelle Vorbelastung vorliegen könnte,
  • arbeitsmedizinisch anerkannte Analyseverfahren und
  • Beurteilungswerte vorliegen.

 

Biomonitoring ist insbesondere wichtig bei Tätigkeiten:

  • bei denen unmittelbarer Hautkontakt mit Gefahrstoffen besteht, die in toxikologisch relevanter Menge über die Haut aufgenommen werden (Stoffe mit der Bemerkung „H“ in der TRGS 900),
  • bei denen der orale Aufnahmeweg von Gefahrstoffen von Bedeutung sein kann,
  • bei denen eine Exposition gegenüber Gefahrstoffen mit langen biologischen Halbwertszeiten vorliegt (Kennzeichnung im Sicherheitsdatenblatt),
  • mit Exposition gegenüber krebserzeugenden, erbgutverändernden oder fruchtbarkeitsgefährdenden Stoffen (cmr Kat. 1b),
  • bei denen die Gefahrstoffe luftmesstechnisch schwer erfassbar sind (Reparaturarbeiten, Stördienste, Arbeiten im Freien, stark schwankende Raumluftkonzentrationen, häufig wechselnde Stoffe im Chargenbetrieb),
  • bei denen die innere Gefahrstoffbelastung durch körperliche Arbeit mit erhöhtem Atem-Minuten-Volumen modifiziert sein kann,
  • unter (Arbeits-)Bedingungen, die die Hautresorption fördern (beispielsweise Temperatur, Stoffgemische, Hautkrankheiten),
  • mit alternativen Arbeitszeitmodellen (mehr als acht Stunden pro Tag, mehr als fünf Tage pro Woche).

In den genannten Fällen ist eine Gefährdungsbeurteilung (§§ 5,6 ArbSchG, i.V.m. §3 BetrSichV, § 6 GefStoffV, §4 BiostoffV) und die Wirksamkeit von Schutzmaßnahmen ausschließlich auf der Grundlage von Luftmessungen in der Regel nicht ausreichend. Ziel des Biomonitoring ist es, die Belastung und die Gesundheitsgefährdung von Beschäftigten zu erfassen, die erhaltenen Analysewerte mit entsprechenden Werten zur Beurteilung zu vergleichen und geeignete Maßnahmen vorzuschlagen, um die Belastung und die Gesundheitsgefährdung zu reduzieren.

Wichtig zu wissen für den Arbeitgeber

  • Über Indikation und Art des Biomonitorings entscheidet der nach § 7 ArbMedVV beauftragte Arzt oder die beauftragte Ärztin,
  • Biomonitoring darf nur von einem Arzt durchgeführt werden,
  • Vor der Durchführung eines Biomonitorings muss sich der Arzt die notwendigen Kenntnisse über die Arbeitsplatzverhältnisse verschaffen,
  • Der Beschäftigte muss der Untersuchung zustimmen, nachdem er ausführlich über die Art und den Grund aufgeklärt wurde (Art. 2 GG, Satz 2 i.V.m. §6 Abs.1
  • Satz 2 ArbMedVV),
  • Der Arzt oder die Ärztin hat die Erkenntnisse aus dem Biomonitoring auszuwerten,
  • Die Erkenntnisse können unter Wahrung der ärztlichen Schweigepflicht (in anonymisierter Form) in die Gefährdungsbeurteilung des Arbeitgebers einfließen,
  • Die Kosten für das Biomonitoring trägt der Arbeitgeber oder auch der Unfallversicherungsträger.


Das Biomonitoring-Auskunftssystem der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) erleichtert die gefahrstoffbezogene Recherche von Werten zur Beurteilung von Messergebnissen, anerkannten Analyseverfahren und externen Qualitätssicherungsangeboten für Biomonitoring-Analysen. Über die Eingabe von Substanzname oder CAS-Nummer kann nach Biomonitoring-Informationen zu mehr als 1000 Gefahrstoffen und Gefahrstoffgruppen gesucht werden.

 

Autor: Stefan Johannsen, Dipl.- Biologe

 

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