Strahlung: Schutz vor schädlichen Wirkungen radioaktiver Stoffe und ionisierender Strahlen

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Strahlung: Schutz vor schädlichen Wirkungen radioaktiver Stoffe und ionisierender Strahlen | 23.01.2015

Für den Umgang und die Einwirkung von Strahlen müssen aufgrund des erhöhten Gefährdungspotenzials besondere Schutzmaßnahmen ergriffen werden. Als wichtigste Verordnungen regeln hierzu die Strahlenschutzverordnung und die Röntgenverordnung die zu ergreifenden Maßnahmen in Bezug auf Gefahren durch Strahlung.

Der Strahlenschutz (Strahlenschutzverordnung - StrlSchV; Röntgenverordnung – RöV) hat als Ziel, Patienten, Umwelt, Ärzte und Beschäftigte, insbesondere in

  • Krankenhäusern (OP-Personal, Medizinisch-Technische/r Radiologieassistent/in, Nuklearmediziner, Radiologe),
  • Arzt, Zahn-/Tierarztpraxen,
  • Forschungslaboren (u.a. Radionukleotidlabore),
  • kerntechnischen Anlagen,
  • messtechnischen oder materialprüfenden Bereichen sowie
  • in der medizinischen Diagnostik und Forschung u.a. bei Röntgenuntersuchungen, Strahlentherapien
  • Gewerbe wie z.B. Schrottplätze, Personenkontrolle

vor Gesundheitsgefährdungen durch die Einwirkung von natürlichen (kosmisch, terrestrisch, Nahrung, Trinkwasser) überwiegend aber umgangsbedingten künstlichen Strahlenquellen, wie radioaktiver Alpha-, Beta-, Gamma-, Neutronen- und Röntgenstrahlung (ionisierende Strahlen) zu schützen.

Deshalb sind für den Umgang (Be-, Verarbeitung, Beseitigung, geschützte Lagerung) sowie Beförderung, Inbetriebnahme sowie Änderung von Röntgeneinrichtungen und Störstrahlern, beim Betrieb von Anlagen zur Erzeugung ionisierender Strahlen, Abhandenkommen künstlicher Strahlenquellen, behördliche Genehmigungs- und Anzeigepflichten zu beachten.

Zum Schutz Beschäftigter und Dritter muss das Minimierungsgebot (u.a. Abschirmungen, Kontaminationskontrollen) bei der Strahlenexposition berücksichtigt und Grenzwerte durch Dosisbegrenzungen, -reduzierungen eingehalten werden.

Die Grenzwerte der effektiven Ganzkörperdosis betragen nach § 46 Abs. 1 StrlSchV für den Schutz von Einzelpersonen der Bevölkerung 1 Millisievert pro Kalenderjahr und nach § 55 Abs. 1 Satz 1StrlSchV für den Schutz beruflich strahlenexponierter Personen bei deren Berufsausübung 20 Millisievert pro Kalenderjahr.

Der Gesetzgeber hat darüber hinaus auch Teilkörperdosen für die unterschiedlichen Organsysteme und Körperteile (§ 55 Abs. 2 Strahlenschutzverordnung) festgelegt. Der Grenzwert für die Teilkörperdosis an den Händen wurde auf 500 mSv pro Kalenderjahr festgelegt.

In diesem Zusammenhang ist die Beachtung der Aufenthaltsdauer, des Abstandes, der Abschirmung und sonstigen Anforderungen (u.a. aktuelle Fachkunde n. § 30 Abs. 1 StrlSchVsowie arbeitsmedizinische Vorsorge: Kat A oder Kat B), die auch als die 4 A des Strahlenschutzes bezeichnet werden, unbedingt sicherzustellen.

In welchen Bereichen ist der Strahlenschutz erforderlich?

  • bei der zielgerichteten Nutzung radioaktiver Stoffe und ionisierender Strahlung in manchen Arbeitsbereichen in der Forschung, Medizin und Industrie - z. B. beim Umgang mit Röntgengeräten - , (= genehmigungs- oder anzeigepflichtige Tätigkeiten),
  • in der Luftfahrt (kosmische Strahlung belastet Flugpersonal), Kontrollpersonal
  • gelegentlich im Bergbau oder
  • bei der Metallgewinnung und -verarbeitung
  • bei erhöhten Expositionen durch Radon 222 (u.a. Gebäudesanierung), Uran und Thorium

(Arbeiten unter Belastung durch natürliche Strahlung sind keine genehmigungspflichtigen Tätigkeiten).

Neben der behördlichen Umgangs- oder Beförderungsgenehmigungspflicht für den…

  • …Betrieb von Röntgeneinrichtungen, Ionisationsrauchmelder
  • …Umgang (Beförderung) und die Entsorgung sonstiger radioaktiver Stoffe
  • …Einsatz beruflich strahlenexponierter Personen

sowie Anzeigepflicht für die

  • …die Beendigung des Betriebes eines Röntgengerätes

sind die verantwortlichen Personen im Betrieb:

Der/die nachweislich schriftlich bestellte Strahlenschutzverantwortliche(SSV, § 31 Abs.1 StrlSchV) und der/die Strahlenschutzbeauftragte(SSB, §§ 13,14 RöV) für die innerbetrieblichen Überwachungs- und Kontrollaufgaben sowie sichere Lagerung (DIN 25422) zuständig.

Ausgenommen von der Genehmigungspflicht sind nur Tätigkeiten, die explizit in Anlage I, Teil A und B, der Strahlenschutzverordnung genannt sind. Dies sind die sogenannten genehmigungsfreien Tätigkeiten(§ 8 Strahlenschutzverordnung)

Was muss arbeitgeberseitig beachtet werden?

  • in der Gefährdungsbeurteilung muss die Gefährdung durch „Strahlung“ bewertet worden sein, dabei beim Mutterschutz und Jugendarbeitsschutz (Dosisgrenzwerte beachten!)
  • die Strahlenexposition am Arbeitsplatz muss vom Arbeitgeber ermittelt worden sein,
  • die Anlagen/Geräte müssen vor Inbetriebnahme geprüft und abgenommen worden sein (u.a. TÜV-Abnahmeprotokoll),
  • die behördliche Anzeige/Genehmigungspflicht (Strahlenschutzabteilungen der zuständigen Behörden) muss erfüllt sein,
  • Kennzeichnung der Strahlenschutzbereiche, Rö-Einrichtungen nur in allseitig umschlossenen Räumen,
  • Es müssen regelmäßige Prüfungen, jährliche Unterweisungen und eine Koordination mit Fremdarbeitern (Strahlenpass! zur Dosiserfassung für externe Arbeitskräfte) durchgeführt werden (Arbeiten genehmigungsbedürftig bei einer effektiven Dosis von mehr als 1 Millisievert pro Kalenderjahr, § 15 Strahlenschutzverordnung),
  • Strahlenschutzanweisungen (z. B. Betriebshandbuch) müssen vorliegen,
  • Die erforderliche arbeitsmedizinische Vorsorge für beruflich strahlenexponiertes Personal durch behördlich besonders ermächtigte Ärzte und Ärztinnen nach Strahlenschutz- bzw. Röntgenverordnung muss vorgenommen worden sein,
  • Aktuelle, behördlich ausgestellte, Fachkundebescheinigungen (Aktualisierung alle 5 Jahre) und
  • Behördliche Anerkennungen von Strahlenschutzkursen müssen vorliegen,
  • geeignete Ganzkörper-/Teilkörper/Fingerringdosimeter, Schutzhandschuhe, geeignete Abschirmungen, Schutzkleidung, -materialien gegen Strahlung, ggf. Messanlage beschafft werden,
  • Ggf. Erfordernis von Dichtheitsprüfungen bei umschlossenen radioaktiven Stoffen in bauartzugelassenen Vorrichtungen muss geprüft sein,

Patienten sollten sog. Röntgenpässe führen und vor jeder Röntgenuntersuchung vorlegen, um unnötige Wiederholungsuntersuchungen zu vermeiden. Nach §28 Abs. 2 Röntgenverordnung sind ärztliche Praxen oder Institutionen, in denen Röntgenuntersuchungen durchgeführt werden, verpflichtet, Röntgenpässe bereit zu halten und den Patientinnen und Patienten anzubieten. Sie können aber auch beim Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) angefordert werden.

Quelle: Stefan Johannsen, Dipl.- Biologe

 

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