Lager einrichten – Allgemeine Anforderungen berücksichtigen

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Lager einrichten – Allgemeine Anforderungen berücksichtigen| 15.06.2015

Ein Lager ist fast in jeder Arbeitsstätte erforderlich. Wichtig ist, dass ausreichend Lager- und Rangierlatz eingeplant und bei gemeinsamer Nutzung gegenseitige Gefährdungen minimiert werden. Dazu sind die Zuständigkeiten mit Eigentümer bzw. Vermieter am besten vertraglich festzuhalten.

Typische Lagerrisiken sind zum Beispiel Brandgefährdungen, nicht markierte Stapler- und Fußgängerwege, schlecht beleuchtete Lagergänge, Lagerkreuzungen ohne Verkehrsspiegelsystem, zu hohe, ungerade Stapelhöhen, unzureichende Beleuchtung, nicht oder zu viel bzw. unübersichtlich verstautes Lagergut, nicht beseitigte Öl- oder Schmiermittelspuren, die für Rutschgefahr sorgen, nicht ordnungsgemäß befestigte, ungeprüfte oder mängelbehaftete Regale bzw. Anfahrschutz, wodurch es zum Umkippen, Herabfallen, Umfallen, Wegrollen von Lagergut, Austreten von Flüssigkeiten kommen kann.

Damit ein Lager ordnungsgemäß und effizient geführt werden kann, muss es bestimmte Anforderungen hinsichtlich Sauberkeit, Geräumigkeit, Übersichtlichkeit (z.B. Lagerzonen), Sicherheit, sach- und artgerechter Lagerung erfüllen. Dazu sind zunächst folgende allgemeine Anforderungen im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung (§ 3 ArbStättV, § 3 BetrSichV)

A bsturzgefährdungen
Arbeitsplätze und Verkehrswege, bei denen Absturzgefahren bestehen (u.a. Galerien), dazu gehören auch Treppenhäuser, Außengänge, Dachterrassen oder die an Gefahrenbereiche grenzen, müssen mit Einrichtungen (Umwehrungen) versehen sein, die verhindern, dass Arbeitnehmer abstürzen oder in die Gefahrenbereiche gelangen können. Die Umwehrungen müssen mindestens 1,00 m hoch sein. Evtl. erforderliche Persönliche Schutzkleidung gegen Absturz ist regelmäßig prüfen zu lassen (befähigte Person bzw. Hersteller)

A rbeitsmittel
müssen vor Inbetriebnahme und in regelmäßigen Abständen geprüft werden (§§14,15 BetrSichV)

A rbeitsplätze
Ständige Arbeitsplätze (> 2 Std./Tag bzw. 30 Tage/Jahr) können nur bei ausreichender Sichtverbindung nach Außen (Tageslicht) eingerichtet werden.

B eleuchtung
In Lagern sind Beleuchtungsstärken zwischen 50 und 200 lx vorgesehen (je nach Sehaufgabe; s. ASR A 3.4). Auf ausreichend Tageslicht achten (Fenster/Dachoberlichter).

B oden eben und tragfähig
In jedem Lagerraum und Lagerbereich muss die Tragfähigkeit des Bodens ermittelt werden. Der Boden muss ausreichend eben sein, um Bodenstapel bzw. Schränke/Regale sicher aufstellen zu können und es dürfen keine Stolperstellen die Beschäftigten gefährden. Wenn Flurförderzeuge eingesetzt werden sollen (z. B. Gabelstapler), müssen Boden und Bodenbelag den auftretenden Punktlasten gewachsen sein.

B randschutz
Brandschutzanforderungen für Läger ergeben sich oft aus den Bedingungen der Sachversicherer (Feuerversicherung). Wichtig ist, die vorliegenden Genehmigungen zu berücksichtigen bzw. bei Umnutzung von Räumen, Sonderbauten im Lager, die zuständigen Baubehörden zu kontaktieren, damit ein ordnungsgemäßer baulicher Brandschutz sichergestellt ist. Vorhandene Brandschutzeinrichtungen (Türen, Tore, Löschgeräte und –anlagen, Funktionsräume, Sprinkleranlage, RWA-Anlagen, Leuchtstoffröhren) müssen natürlich funktionsfähig, regelmäßig geprüft und frei zugänglich gehalten (Piktogramme) und ggf. an Veränderungen im Lagerbereich angepasst werden (z. B. Änderung der Regalaufstellung). Besondere Vorsicht gilt beim Betrieb von Ladestationen für Elektro-Stapler: Im Radius von 2,5 m muss die Umgebung von Brandlasten freigehalten werden. Ein Sammelpunkt, ggf. Raucherzonen im Außenbereich sind einzurichten.

E rste Hilfe
Erste-Hilfe Material, -Aushang mit Erst-, Brandschutzhelfern, D-Arzt sowie Verbandbuch, ggf. Augenspülvorrichtung sind an geeigneten, gut zugänglichen Stellen zu positionieren.

K ennzeichnung
Die Sicherheitskennzeichnung muss so ausgeführt sein, dass man sich von allen Arbeits- und Verkehrsbereichen aus gut und sicher orientieren kann. Wenn keine Notbeleuchtung existiert, sollte man prüfen, ob das Lager bei Ausfall der Allgemeinbeleuchtung sicher verlassen werden kann. Ggf. sollte eine nachleuchtende Kennzeichnung angebracht werden.

K lima
Lagergut sollte trocken und kühl (ohne direkte Sonneneinstrahlung) gelagert werden können, die Raumtemperatur sich an der ASR A 3.5 orientieren.

O rdnung und Sauberkeit
Die vorgesehenen Lagerflächen müssen eingehalten, Höchstlagermengen beachtet, erforderliche Persönliche Schutzkleidung getragen (u.a. Sicherheitsschuhe, Warnweste), Zusammenlagerungsgebote, -verbote eingehalten werden. Die Müllentsorgung (z. B. Verpackungsreste) muss so organisiert sein, dass solche Materialien nicht herumliegen (Stolpergefahr). Regelmäßige Aufräumaktionen ("Regalhüter" aussortieren, Staub absaugen) sind sinnvoll für zügiges und sicheres Arbeiten im Lager.

S tandsicherheit beachten
Bei Boden- bzw. Stapellagerung (z. B. Kartons) gilt folgende Faustregel: max. Stapelhöhe nicht mehr als das 4-Fache der Stapeltiefe. Entsprechende Aufdrucke auf Kartons beachten! Bei einer Neigung von mehr als 2 % muss der Stapel abgepackt werden. Beschädigte Paletten, Stapelbehälter usw. konsequent aussortieren und entsorgen bzw. vorschriftsmäßig reparieren lassen (detaillierte Ausmusterungskriterien enthält Anhang 2 DGUV Regel 108-007). Paletten dürfen nicht als Aufstiege genutzt werden. Stabile Regale verwenden, Tragfähigkeitsangaben beachten, Anfahrschutz vorsehen und mindestens wöchentlich durch einen RegalChecker inspizieren lassen.

V erkehr
Verkehrswege und Stellplätze müssen in ausreichender Breite vorhanden sein, ausreichend gekennzeichnet sein, frei von Brandlasten gehalten werden, keine Stolperstellen aufweisen, keine Rutschgefahren bergen (z.B. Feuchtigkeit nach Reinigungsarbeiten). Insbesondere Flucht- und Rettungswege, Notausgänge, Zugänge zu Sicherheitseinrichtungen usw. dürfen nicht zugestellt werden. Oft ist eine entsprechende Bodenmarkierung sinnvoll. Ein Flucht- und Rettungsplan ist an gut einsehbarer Stelle auszuhängen. Die Türen von Notausgangstüren müssen gekennzeichnet sein (ASR A 1.3) und in Fluchtrichtung aufschlagen. Flurförderfahrzeuge dürfen nur von unterwiesenen Personen mit Staplerschein und Beauftragung geführt, jährlich bzw. anlassbezogen geprüft werden. Geschwindigkeitsbegrenzung festlegen!, Rückwärtsfahren vermeiden.

Hinweis: Bei speziellen Lagerformen sind die einschlägigen, speziellen Vorschriften zusätzlich zu berücksichtigen.

Autor: Stefan Johannsen, Dipl.-Biologe

 

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