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Barrierefreie Arbeitsstätten richtig gestalten | 28.11.2014

Immer mehr rückt in das Bewusstsein, was an sich selbstverständlich ist – Menschen mit Behinderung können und sollten an allen Lebensbereichen teilhaben, genauso wie andere Menschen. Viele Unternehmen erkennen die Einsatzmöglichkeiten behinderter Mitarbeiter und haben bereits (teils) barrierefreie Arbeitsplätze eingerichtet. Welche Anforderunge n Sie erfüllen müssen, lesen Sie hier.

Immer mehr rückt in das Bewusstsein, was an sich selbstverständlich ist – Menschen mit Behinderung können und sollten an allen Lebensbereichen teilhaben, genauso wie andere Menschen. So ist auch der Begriff „Inklusion“ immer häufiger zu hören, oftmals bezogen auf den pädagogischen Bereich, in Inklusionsklassen lernen Schüler mit und ohne Handikap gemeinsam. Aber es gibt etwa auch Inklusionshotels, in denen eine Behinderung keine Einschränkung bedeutet. Ein ähnliches Umdenken vollzieht sich auch in der Arbeitswelt. Viele Unternehmen erkennen die Einsatzmöglichkeiten behinderter Mitarbeiter und haben bereits (teils) barrierefreie Arbeitsplätze eingerichtet.

 

Ausschlaggebend ist die Qualifikation

Wenn beispielsweise ein Informatiker aufgrund eines Motorradunfalls im Rollstuhl sitzt, kann er seine EDV-Kompetenzen nach wie vor uneingeschränkt einbringen, vorausgesetzt, es ist ihm möglich sich im Betrieb zu bewegen. Es sollte also nach wie vor die Qualifikation ausschlaggebend für die Beschäftigung sein und nicht die gesundheitliche Einschränkung im Vordergrund stehen. Darauf bezieht sich zum Beispiel das Neuntes Buch Sozialgesetzbuch „Rehabilitation und Teilhabe behinderter Menschen“. Natürlich gibt es Grenzen, abhängig von der Art und dem Grad der Behinderung sowie dem Beruf und Arbeitsumfeld. Oft aber werden die Möglichkeiten noch nicht ausgeschöpft.

 

Was bedeutet „Behinderung“ konkret?

Auf das Berufsleben bezogen, liegt eine Behinderung vor, wenn „die körperliche Funktion, die geistige Fähigkeit oder die psychische Gesundheit eines Menschen mit hoher Wahrscheinlichkeit länger als sechs Monate von dem für das Lebensalter typischen Zustand abweicht und dadurch Einschränkungen am Arbeitsplatz bestehen.“ So definiert es die Arbeitsstättenrichtlinie„Barrierefreie Gestaltung von Arbeitsstätten“ (ASR V3a.2). Dazu gehören also Einschränkungen wie Gehbehinderung, Lähmung und Schwerhörigkeit, aber auch Kleinwüchsigkeit und erhebliche Krafteinbußen durch Muskelerkrankungen sowie eine Seheinschränkung, die so stark ist, dass sie sich mit üblichen Sehhilfen wie Brillen bzw. Kontaktlinsen nicht oder nur unzureichend kompensieren lässt. Von einer Schwerbehinderung spricht man, wenn der Grad der Behinderung mindestens 50 beträgt.

 

Barrierefreie Gestaltung des Arbeitsplatzes

Der Begriff besagt es bereits: Barrierefrei gestaltete Arbeitsplätze sind frei von Hindernissen. Im konkreten Einzelfall aber kann dies höchst unterschiedlich aussehen. Zu berücksichtigen ist neben ergonomischen Aspekten auch die Arbeitssicherheit und dabei insbesondere die Tatsache, dass Menschen mit Behinderungen in bestimmten Situationen stärker gefährdet sein können als nicht behinderte Mitarbeiter. Dies betrifft unter anderem auch die Gestaltung von Flucht- und Rettungswegen. All diese Aspekte gilt es zu berücksichtigen, verpflichtet doch das Arbeitsschutzgesetz jeden Unternehmer dazu, eine sichere Umgebung für seine Beschäftigten zu schaffen.

 

Wesentliche Grundlage: Die ASR V3a.2

Arbeitsstätten sind demnach so einzurichten und zu betreiben, dass auch die besonderen Belange der dort beschäftigten Menschen mit Behinderungen im Hinblick auf die Sicherheit und den Gesundheitsschutz berücksichtigt werden. Eines wesentliche Grundlage dafür bildet die ASR V3a.2. Diese Arbeitsstättenrichtlinie konkretisiert die Vorgaben der Arbeitsstättenverordnung wird angewendet, wenn eine barrierefreie Gestaltung von Arbeitsstätten erforderlich ist. Dies trifft zu, sobald Menschen mit Behinderungen im Betrieb beschäftigt werden, deren Sicherheit und Gesundheit unter den vorhandenen Voraussetzungen gefährdet wären. Alle Bereiche der Arbeitsstätte, zu denen sie Zugang haben müssen, sind barrierefrei zu gestalten. Der Geltungsbereich dieser ASR umfasst nicht nur schwerbehinderte Beschäftigte im Betrieb, sondern alle Beschäftigten mit einer Behinderung.

 

Alle Vorgaben beachten

Mitte 2011 hat die Projektgruppe Barrierefreie Gestaltung von Arbeitsstätten einstimmig beschlossen, dass alle Arbeitsstättenrichtlinien auf die besonderen Belange der beschäftigten Menschen mit Behinderungen zu überprüfen sind. Nach uns nach wird die ASR V3.2 daher um Anhänge erweitert, die sich auf die davon betroffenen ASR beziehen. U. a. sind dies

Weitere Anhänge sind in Arbeit.

 

Was gehört zur barrierefreien Gestaltung?

Auch das Gesetz zur Gleichstellung behinderter Menschen (BGG) enthält in § 4 Vorgaben zur barrierefreien Gestaltung der Arbeitsstätte. Sie ist gegeben, wenn folgende Orte für Beschäftigte mit Behinderungen in der üblichen Weise sowie ohne besondere Erschwernisse und ohne fremde Hilfe zugänglich und nutzbar sind:

 

Arbeitsumgebung nach dem „Zwei-Sinne-Prinzip“

Ein zentrales Thema der ASR V3.2 – und damit der barrierefreien Gestaltung von Arbeitsplätzen – ist das Zwei-Sinne-Prinzip. Es gründet sich auf der Tatsache, dass der Mensch alle Informationen aus der Umwelt über die Sinne aufnimmt. Fällt ein Sinn aus, muss ein anderer Sinn für ihn einspringen, indem er die Informationen verarbeitet. Deshalb müssen Informationen mindestens für zwei der drei Sinne (Hören, Sehen, Tasten) zugänglich sein. Ein Beispiel wäre eine gleichzeitige optische und akustische Alarmierung im Falle einer Notsituation.

Aus diesem Prinzip ergeben sich verschiedene Möglichkeiten einer Kennzeichnung bei barrierefreien Arbeitsstätten durch visuelle, akustische und taktile (fühl- oder tastbare) Zeichen. Letztere sind beispielsweise auch für die Kennzeichnung von Gefahrstoffen erhältlich.

 

Motorische Einschränkungen ausgleichen

Auch um nicht ausreichend vorhandene motorische Fähigkeiten auszugleichen, sind barrierefrei gestaltete Maßnahmen zu ergreifen. Um etwa das mechanische Öffnen einer Tür mit Türgriffen zu ersetzen, wäre ein elektromechanisches Öffnen mit Tastern oder durch Näherungsschalter denkbar. Bei Treppenstufen ist eine Rampe oder ein Aufzug als Alternative für Rollstuhlfahrer erforderlich usw.

 

Die Gefährdungsbeurteilung anpassen

Ausschlaggebend für derlei Maßnahmen sind die individuellen Erfordernisse der Beschäftigten mit Behinderungen. Technische Maßnahmen haben dabei oberste Priorität. Auch bei der Gefährdungsbeurteilung sind die Auswirkung der Behinderung und daraus resultierenden individuelle Erfordernisse für die barrierefreie Gestaltung der Arbeitsstätte zu berücksichtigen. Sobald sich die Verfassung eines behinderten Mitarbeiters ändert – etwa weil inzwischen eine Gehhilfe erforderlich wurde – oder weitere Beschäftigte mit Behinderungen eingestellt werden, kann eine Anpassung der Gegebenheiten erforderlich sein.

Beispiele für eine erforderliche barrierefreie Gestaltung:

 

Rat und Tat

Falls Unklarheiten über zu berücksichtigende Behinderungen von Beschäftigten und ihre Auswirkungen auf die Arbeitssicherheit bestehen, kann sich der Arbeitgeber an mit dem Thema vertraute Institutionen und Personen wenden, zum Beispiel

Quelle: FORUM VERLAG HERKERT GMBH

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