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DGUV veröffentlicht neue Information 211-019 | 05.10.2021

Ein Arbeitsschutzmanagementsystem im Unternehmen bietet eine Vielzahl von Vorteilen, denn häufig führt es zu direkten Effekten wie der Reduktion von Fehlzeiten, der Gewährung von Prämien bei geringem Aufkommen von Unfällen sowie einer Erhöhung der Rechtssicherheit und eine Zunahme der Zufriedenheit unter den Beschäftigten.

Trotz der Vorteile, die die Einführung eines Arbeitsmanagementsystems mit sich bringt, gibt es noch einige ungeklärte Fragen, auf die bislang noch keine Antwort gefunden wurde. Die DGUV hat nun im Rahmen eines Forschungsprojekts Unternehmen und Beschäftigte zur Wirksamkeit von solchen Systemen befragt und dabei über 300 Unternehmen unter die Lupe genommen. In der neuen DGUV Information 211-019 werden die Ergebnisse dieser Befragung analysiert. Die wichtigsten Aspekte sollen in diesem Beitrag kurz erläutert werden.

 

Ein Arbeitsschutzmanagementsystem (AMS) ist immer dann sinnvoll, wenn die Themen Sicherheit und Gesundheit nicht in einer Vielzahl von einzelnen Maßnahmen umgesetzt werden sollen, sondern systematisch in die betrieblichen Abläufe integriert werden. Laut der Untersuchung der DGUV gibt es fünf Einzelmotive, die aus Sicht der befragten Unternehmen zentral waren:

 

1. Erhöhung der Rechtssicherheit für das Unternehmen und seine Führungskräfte

2. Optimierung der Organisation und der Prozessabläufe

3. Erhöhung der Arbeitsschutzkompetenz der Führungskräfte

4. Erhöhung der Arbeitszufriedenheit der Beschäftigten

5. Verbesserung des Unternehmensimages sowie Vertrauenszunahme bei Kunden und Partnern

 

1. Erhöhung der Rechtssicherheit

Bei diesem Punkt standen in der Befragung in erster Linie die Rechtssicherheit in Bezug auf die Durchführung der Gefährdungsbeurteilung im Unternehmen sowie die Umsetzung der erforderlichen Arbeitsschutzmaßnahmen durch Führungskräfte im Mittelpunkt. Nach der Einführung eines AMS zeigte sich in den Unternehmen, dass vorhandene Abläufe durch das neue System stabiler in das betriebliche Geschehen integriert werden konnten und besser laufen. Dazu gehört beispielsweise auch die Regelmäßigkeit von Unterweisungen und die Kontrolle von Sicherheitsvorschriften durch Führungskräfte. Auch für die Beschäftigten haben AMS in diesem Zusammenhang positive Ergebnisse hervorgerufen, denn sie fühlten sich direkter angesprochen und besser in Entscheidungen eingebunden.

 

2. Optimierung der Organisation und der Prozessabläufe

Gemäß der Studie konnten auch im Bereich der Organisation und der Prozessabläufe Verbesserungen durch das AMS festgestellt werden. Untersuchte Aspekte waren hierbei die Nachvollziehbarkeit und Systematik der notwendigen Dokumentation. AMS können den störungsfreien Betriebsablauf unterstützen und haben gleichzeitig einen positiven Effekt auf die Beschaffung und Prüfung von Arbeitsmitteln und Dienstleistungen.

 

3. Erhöhung der Arbeitsschutzkompetenz der Führungskräfte

Ein AMS kann dabei helfen, Verantwortlichkeiten eindeutiger festzuschreiben und dadurch für mehr Klarheit und Kompetenz im Bereich Sicherheit und Gesundheit im Unternehmen sorgen. Führungskräfte werden außerdem für ihre Fürsorgepflicht gegenüber Beschäftigten sensibilisiert und ergreifen eher die Initiative, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu Feedback bezüglich des Arbeitsschutzes zu motivieren. Häufig erfahren sie auch mehr Wertschätzung.

 

4. Erhöhung der Arbeitszufriedenheit der Beschäftigten

Folgende Aspekte wurden in diesem Zusammenhang untersucht:

  • Arbeitszufriedenheit der Beschäftigten (allgemein)
  • Teilnahme der Beschäftigten an Schulungen
  • Einhaltung von Sicherheitsregeln

Durch die Einführung eines AMS haben sich die Ergebnisse in allen drei Bereichen deutlich verbessert. Laut der Studie hat sich die Anzahl der Verbesserungsvorschläge durch die Beschäftigten ebenfalls erhöht und sie fühlen sich insgesamt viel mehr ernstgenommen.

 

5. Verbesserung des Unternehmensimages sowie Vertrauenszunahme bei Kunden und Partnern

In diesem Bereich sind die Ergebnisse der Studie nicht ganz so eindeutig wie in den vorherigen Bereichen. Laut der DGUV haben sich die Beanstandungen durch Überwachungsbehörden und Geschäftspartner insgesamt geringgehalten, was u. U. auf das AMS zurückgeführt werden kann.

Alle genannten Aspekte sprechen eindeutig für die Einführung eines AMS im Unternehmen. Sowohl die Beschäftigten als auch die Führungskräfte haben sich gleichermaßen positiv darüber geäußert. Darüber hinaus sollte auch nicht außer Acht gelassen werden, dass die Optimierung der Arbeitsbedingungen hin zu menschengerechter und gesundheitsförderlicher Arbeit auch zur Gesunderhaltung der Beschäftigten beiträgt und langfristig ein wirtschaftlicher Vorteil sein kann.

 

Fazit

Ein Arbeitsschutzmanagementsystem kann sowohl in betriebswirtschaftlicher als auch gesundheits- und sicherheitstechnischer Hinsicht Vorteile für Unternehmen bieten. Dies zeigt sich durch die Auswirkungen auf Kostenreduktion und Produktivität mit einer gleichzeitigen Steigerung von Motivation und Arbeitszufriedenheit unter den Beschäftigten. Unternehmen, die ein AMS in ihrer Firma einführen wollen, erhalten Hilfe bei ihren jeweiligen Unfallversicherungsträgern und können sich hier beraten und unterstützen lassen.

 

Quelle: ls | https://publikationen.dguv.de

 

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