Arbeitsschutzorganisation | 27.05.2013

Leiharbeit ist gerade für Unternehmen aus den Branchen Metallverarbeitung, Logistik und Bau ein beliebtes Modell um Auftragsspitzen abzufangen oder Know-how zu „mieten“. Doch leider zeigen die Unfallstatistiken immer wieder, dass Zeitarbeiter auch ein enormes Sicherheitsrisiko für den Betrieb darstellen. Die Gründe dafür liegen allerdings nicht immer nur bei den Leiharbeitern, sondern häufig bei den entleihenden Betrieben selbst. Wissen Sie worauf es bei der Beschäftigung von Zeitarbeitskräften ankommt?

 

In Phasen in denen externe Zeitarbeitskräfte im Betrieb beschäftigt werden, ist meist gerade die Personaldecke besonders dünn, die Auftragslage sehr gut und die Zeit dementsprechend knapp. Damit die Zeitarbeitnehmer für das Unternehmen jedoch auch wirklich zur Unterstützung werden, müssen sie, wie neue Beschäftigte auch, angelernt und in den Betrieb integriert werden. Das betrifft besonders das Thema Arbeits- und Gesundheitsschutz.

 

Mögliche Gründe für die hohen Unfallzahlen in der Leiharbeit

Fehlt den Zeitarbeitnehmern die Sicherheit, kann sich das schnell in der Zahl der Unfälle oder Erkrankungen widerspiegeln. Auslöser sind dabei oft psychische Faktoren wie z.B. Nervosität, Hektik und Überforderung. Auch mangelnde Eignung, unzureichende Einarbeitung oder mangelhafte Kommunikation/Kooperation mit Kollegen, sind oft ursächlich für Unfälle. Wie häufig entsprechende Unfälle sind, zeigt ein Blick auf die Unfallstatistiken. So stehen in der Zeitarbeitsbranche für das Jahr 2010 ca. 47.000 meldepflichtige Arbeitsunfälle, 10.500 Wegeunfälle und viele Krankheitstage zu Buche.

 

Wer trägt die Verantwortung für Leiharbeiter?

Bezüglich der Verantwortlichkeit für den Zeitarbeitnehmer gilt grundsätzlich: Der Zeitarbeiter ist und bleibt der Angestellte der Zeitarbeitsfirma und hat mit dieser einen gültigen Arbeitsvertrag mit sämtlichen gesetzlichen Rechten und Pflichten abgeschlossen. Die entleihende Firma hingegen schließt mit der Zeitarbeitsfirma einen Arbeitnehmerüberlassungsvertrag ab. Dieser Vertrag stattet den Entleiher mit einer Weisungsbefugnis gegenüber dem Leiharbeiter für die Ausführung der Arbeit aus.

Die Zeitarbeitsfirma und der Entleiher teilen sich somit auch die Verantwortlichkeiten, sollte es z.B. zu einem Unfall oder gesundheitlichen Problemen kommen. Der Entleiher ist daher im Bereich Unfallprävention dazu verpflichtet, den Zeitarbeiter sowohl mit allgemeinen Sicherheitshinweisen als auch mit Informationen über spezielle Gefährdungen der jeweiligen Tätigkeit zu versorgen. Ebenso wird die Ausstattung mit der Persönlichen Schutzausrüstung zwischen den beiden Parteien aufgeteilt. So erhält der Leiharbeiter von der Zeitarbeitsfirma eine gewisse PSA-Grundausstattung. Der Entleiher hingegen versorgt ihn mit speziell für die Tätigkeit benötigter PSA, wie z.B. Atemschutz, Gehörschutz, Schutzbrille usw.

Idealerweise sollte für das Entleihen der Zeitarbeiter im Arbeitsnehmerüberlassungsvertrag genau geregelt werden, wer welche Aufgaben und Verantwortlichkeiten im Arbeitsschutz innehat. Wichtige Punkte die dementsprechend im Vorfeld vertraglich zu klären sind, können also u.a. sein:

  • Welche arbeitsmedizinischen Vorsorgeuntersuchungen sind ggf. erforderlich?
  • Bestehen besondere gesundheitliche Anforderungen an die Tätigkeit?
  • Welche PSA-Ausstattung ist erforderlich? Wer trägt die Kosten und beschafft diese?
  • Ist der Leiharbeiter in Erste-Hilfe-Maßnahmen unterwiesen? Muss dies ggf. nachgeholt werden? Wenn ja, von wem?


Investieren Sie Zeit

Zeitarbeiter müssen sich oft wöchentlich auf ein neues Arbeitsumfeld einstellen. Neue Kollegen, neue Vorgesetzte, neue Arbeitsaufgaben. All das kann zu Unsicherheiten führen, die wiederum Auswirkungen auf die Arbeit haben. Für Sie als entleihendes Unternehmen sollte es das Ziel sein, ihnen diese Unsicherheit zu nehmen. Am einfachsten gelingt das, indem Sie die Leiharbeiter mit Respekt behandeln und ihnen das Gefühl geben, ein vollwertiges Mitglied des Unternehmens zu sein. Vorgesetzte sollten sich die Zeit nehmen, den Leiharbeitskräften den Betrieb, die direkten Mitarbeiter und die Strukturen in Ruhe vorzustellen, bevor es an die Arbeit geht.


Aber: Die Verantwortung liegt nicht nur bei den Unternehmen

Auch der Zeitarbeiter selbst muss alle Maßnahmen ergreifen, um die Erhaltung seiner Sicherheit und Gesundheit zu gewährleisten. In der Regel werden Entleiher den Zeitarbeitern eine Unterweisung über allgemeine Sicherheitshinweise geben, sie über Gefahren bei der jeweiligen Tätigkeit informieren und ihnen zusätzliche PSA zur Verfügung stellen. Ist dies nicht der Fall sein, sollten Leiharbeiter deshalb auch selbst aktiv werden und bei fehlender Unterweisung nachfragen. Das ist nicht nur für die Ausführung der Tätigkeit selbst wichtig, sondern vor allem auch dann, wenn es darum geht, zu wissen wo sich Feuerlöscher, Verbandkästen oder Fluchtwege befinden.

 

Wichtig: Die Auswahl des richtigen Personaldienstleisters

Achten Sie bei der Auswahl des Personaldienstleisters unbedingt darauf, dass dieser über eine offizielle und gültige Erlaubnis zur Arbeitnehmer-Überlassung der Bundesagentur für Arbeit verfügt! Schlimmstenfalls entsteht nämlich sonst ein fiktives Arbeitsverhältnis zwischen Ihrem Unternehmen und dem vermeintlichen Leiharbeitnehmer und alle Arbeitgeberpflichten gehen auf Sie über.

 

Empfehlung zum Weiterlesen

Abb. Mag 05 2013

_____

sifa-news Magazin Ausgabe 05/2013

 

Leiharbeit und Arbeitsschutz – das müssen Sie beachten (Seite 6)

 

>>> Jetzt lesen

 

rd

 

Praxishilfen zum Thema

Diese Praxishilfen zum Thema können Sie als Einzeldownload erwerben:

Für PREMIUM-User ist der Zugriff auf alle Praxishilfen frei.
Kostenlos_fuer_Premium_Kunden
Sie sind noch kein PREMIUM-User?
>> Mehr Informationen

Mehr zum Thema

Kostenlose Handlungshilfe zur Zeitarbeit