Betriebliche Notfallplanung

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Betriebliche Notfallplanung – unverzichtbar für jeden Betrieb (Teil 1) | 06.04.2016

Jedes Unternehmen kann durch einen Unfall, technisches Versagen z. B. von Aufzügen, Stofffreisetzungen in Luft, Boden und Wasser, durch Naturereignisse bzw. extreme Wetterlagen, einen Brand bzw. Explosion, eine Bombendrohung, Geiselnahme oder durch Ausfall wichtiger betrieblicher Infrastrukturen in eine Notfallsituation geraten.
Die Auswirkungen einer Notfallsituation können Mitarbeiter, Umwelt und Nachbarschaft gefährden und die Betriebsabläufe erheblich beeinträchtigen deshalb sind Unternehmen auf Grundlage verschiedener gesetzlicher und haftungsrechtlicher Vorschriften und Regeln sowie unternehmerischer Prinzipien aufgefordert, eine handlungs- und rechtssichere Notfallplanung zu erstellen und einzurichten.

Verantwortlich für die Erstellung einer Notfallplanung ist immer der Unternehmer. Er kann die Federführung für diese Aufgabe an einen dafür qualifizierten Mitarbeiter übertragen oder sich externen Sachverstandes bedienen.

Notfallplanung setzt eine systematische Analyse der Gefahren voraus, um Maßnahmen zur Verhinderung bzw. zur Begrenzung möglicher Auswirkungen ergreifen zu können. Dabei ist ein effektiver und effizienter Einsatz finanzieller Mittel besonders wichtig.

Elemente der Notfallplanung
Die Notfallplanung sollte in das unternehmerische Arbeitsschutzmanagement integriert werden. Sie besteht branchenunabhängig aus einem Regelkreis mit folgenden Elementen:

  • Prävention: vorbeugende Maßnahmen technischer, organisatorischer und personeller Art, um eine Notfallsituation zu vermeiden
  • Intervention: Maßnahmen zur Bewältigung des Notfalls, um Schäden von Mensch, Umwelt und Unternehmen abzuhalten
  • Postvention: Aufarbeitung der Notfallsituation mit dem Ziel der Verbesserung der Präventions- und Interventionsmaßnahmen.

Schutzziele
Die Notfallplanung umfasst im Allgemeinen branchenunabhängige Schutzziele:
Schutz von Mensch und Umwelt vor schädlichen Einwirkungen

  • Schutz der betrieblichen Funktionen und Infrastruktur
  • Vermeidung eines wirtschaftlichen Schadens für das Unternehmen
  • Vermeidung nachteiliger rechtlicher Konsequenzen für den Betrieb
  • Vermeidung eines Akzeptanzverlustes für den Standort

Art und Umfang der Notfallplanung und der damit verbundenen technischen, organisatorischen und personellen Maßnahmen und bereitzustellenden Mittel hängen u. a. von der Größe des Standortes, den Produktionsverfahren, dem Gefahrenpotenzial der gehandhabten Stoffe und möglichen äußeren Einflussfaktoren ab. Wichtig ist dabei die Einbeziehung der für den Standort zuständigen Behörden und Stellen in die Gefahrenbewertung und Auswahl der geeigneten Maßnahmen.

Notfallteam
Grundlage der Notfallplanung ist die Einrichtung eines fachlich qualifizierten Notfallteams. Dem Team gehören an:

  • Leiter des Notfallteams (Unternehmer, Standortleiter oder hierfür bestimmte Personen)
  • Leiter einzelner Betriebsteile oder Anlagen Betriebsbeauftragte für Immissionsschutz, Abfall, Gewässerschutz
  • Fachkraft für Arbeitssicherheit
  • Mitarbeiter zur Koordination des Informationsaustausches zwischen Notfallteam und Feuerwehr /Polizei und den zuständigen Behörden

Bei Bedarf kann das Notfallteam durch weitere Kompetenzen ergänzt werden:

  • Kommunikationsverantwortlicher (z. B. Pressesprecher), sofern der Unternehmer diese Aufgabe nicht selbst übernimmt
  • Betriebsrat, da Mitarbeiter betroffen sein können
  • interne / externe Fachberater (z. B. Rechtsberatung)

Dem Notfallteam als zuständigem Entscheidungsgremium obliegen folgende Aufgaben:

  • laufende Information der Unternehmensleitung, sofern der Unternehmer nicht dem Notfallteam angehört
  • Information der zuständigen Behörden über den Notfall
  • Unterstützung und Beratung der Behörden vor Ort
  • Umsetzung behördlicher Anweisungen im Betrieb und Überprüfung der Umsetzung
  • Information der Öffentlichkeit / Medien

Verfügbarkeit von Unterlagen
Das Notfallteam muss für seine Aufgaben Zugriff auf die aktuellen betriebsspezifischen Unterlagen haben. Hierzu zählen insbesondere

  • betriebsbezogene Unterlagen (z. B. Lagepläne, Maschinenaufstellungspläne, Rohrleitungspläne, Pläne von Versorgungs- und Entsorgungsleitungen, Hydranten, Trafostationen)
  • behördliche Dokumente (z. B. Genehmigungsbescheide, Sicherheitsberichte, arbeitsschutzrechtliche Unterlagen, Prüfberichte)
  • Vertragsunterlagen (z. B. Versicherungen, Lieferanten- und Kundenverträge)

Diese Unterlagen müssen an einem sicheren Ort aufbewahrt werden, so dass sie im Notfall (z. B. Brand) nicht beschädigt oder vernichtet werden können. Ist der Raum dafür geeignet, könnte er dem Notfallteam auch für Besprechungen zur Verfügung stehen. Zur Datensicherung empfiehlt sich eine digitale Speicherung.

 

Autor: Stefan Johannsen, Diplom Biologe

 

 

 

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