Wegeunfälle sind meldepflichtig – Ursachenermittlung sollte vorgenommen werden

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Wegeunfälle sind meldepflichtig – Ursachenermittlung sollte vorgenommen werden | 11.09.2017

Arbeitnehmer begeben sich in der Regel zweimal täglich auf den Weg zur Arbeit und wieder zurück, sofern sie nicht in Heimarbeit tätig sind. In Großstädten greifen sie hierzu entweder auf den Öffentlichen Personennahverkehr oder das eigene Gefährt (Auto, Motorrad, Fahrrad) zurück, um den zeitlichen Aufwand so gering wie möglich zu halten. Der Versicherungsschutz beginnt und endet an der Außentür des Wohngebäudes. Die Wahl des Verkehrsmittels steht der versicherten Person frei. Inline-Skaten ist genauso versichert wie Auto fahren, Bahn fahren oder zur Fuß gehen.

Arbeitsunfälle sind Unfälle, die Versicherte infolge ihrer versicherten Tätigkeit erleiden, insbesondere Unfälle von Beschäftigten bei der Arbeit. Unfallversichert sind Arbeitnehmer bei im Zusammenhang mit der Arbeitstätigkeit stehenden Handlungen. Das gilt auch für den direkten Weg zur Arbeit und von dort wieder nach Hause.

Wegeunfälle sind Unfälle, die Beschäftigte auf dem Weg zur oder von der Arbeit erleiden. Versichert sind auch Umwege, die z. B. nötig werden:

  • um Kinder während der Arbeitszeit in Tagesstätten oder bei anderen Betreuungspersonen
  • bei Fahrgemeinschaften sind Abweichungen vom direkten Weg zur Aufnahme oder zum Absetzen von mitfahrenden Personen in den Versicherungsschutz einbezogen,
  • bei Umleitungen, weil der Arbeitsplatz über einen längeren Weg schneller erreicht werden kann.

Nach Unterbrechungen des Weges lebt der Versicherungsschutz mit dem Erreichen des direkten Weges wieder auf. Es sei denn, die Unterbrechung hat länger als 2 Stunden gedauert. Beginnt oder endet der Weg nicht in der Wohnung, sondern an einem anderen Ort (sog. Dritter Ort), kommt es darauf an, ob dieser Weg in einem angemessenen Verhältnis zum üblichen Weg steht. Wenn ja, besteht Versicherungsschutz.

Nicht versichert sind Strecken außerhalb des direkten Weges, die für private Besorgungen oder Erledigungen benutzt werden. Das gilt auch für Erledigungen auf dem direkten Weg, wenn er wegen Einkäufen oder Betanken des Fahrzeuges unterbrochen wird. Der Wegeunfall gilt als Arbeitsunfall. Versichert sind Hin- und Rückweg, wenn der Weg in einem rechtlich wesentlichen Zusammenhang mit der versicherten Tätigkeit steht.

Ein Wegeunfall ist zu melden vom Arbeitgeber und dem behandelnden Arzt.

Die DGUV Vorschrift 1 „Grundsätze der Prävention" regelt in § 28 Absatz 2 die Meldepflicht der Versicherten bzw. Beschäftigten: „Versicherte haben unverzüglich jeden Unfall der zuständigen betrieblichen Stelle zu melden; sind sie hierzu nicht imstande, liegt die Meldepflicht bei dem Betriebsangehörigen, der von dem Unfall zuerst erfährt".

Der Arbeitgeber wiederum ist verpflichtet, meldepflichtige Wege- bzw. Arbeitsunfälle dem Unfallversicherungsträger und in Kopie der staatlichen Arbeitsschutzbehörde mitzuteilen. Entsprechende Vordrucke bieten die Unfallversicherungsträger auf ihren Internetseiten an.

Der Unternehmer hat auch bei nichtmeldepflichtigen Wege- oder Arbeitsunfällen dafür zu sorgen, dass jede Erste-Hilfe-Leistung dokumentiert und diese Dokumentation fünf Jahre lang verfügbar gehalten wird. Die Dokumente sind vertraulich zu behandeln (§ 24 Absatz 6 DGUV Vorschrift 1). Wird der Wegeunfall vom Träger der gesetzlichen Unfallversicherung anerkannt, kommt die Berufsgenossenschaft für die Rehabilitation auf.

Noch besser ist es natürlich, wenn sich ein Unfall gar nicht erst ereignet. Durch oft einfache Mittel können Wegeunfälle vermieden werden. Hier erhalten Sie Tipps und Hinweise, wie Sie gut an Ihrem Ziel ankommen:

  • Es muss nicht der selten genutzte Sportwagen sein mit dem man zur Arbeit fährt.
  • Tragen Sie feste geschlossene Schuhe beim Autofahren in denen Sie ausreichend Gefühlsempfinden für das Bedienen der Pedalen haben.
  • Beachten Sie auch Hinweise bei Medikamenteneinnahme, die die Fahrtüchtigkeit insbesondere bei Kfz, LKW nachteilig beeinflussen können. Hier kann es zur Nichtanerkennung als Versicherungsleistung kommen.
  • Vermeiden Sie das Fahren mit mangelhaften Fahrzeugen (u.a. Profiltiefe, Bremsfunktion, Licht)
  • Beachten Sie die Verkehrsregeln auch auf dem Verkehrsgelände ihres Betriebes.
  • Durch Alkoholeinfluss verursachte Unfälle können grundsätzlich nicht als Arbeitsunfälle anerkannt werden. Dies gilt auch bei Fahruntüchtigkeit wegen Drogeneinflusses.
  • Nehmen Sie angemessen Zeit für den Arbeitsweg und planen Sie einen Zeitpuffer für Verzögerungen ein. Wer montags einen langen Anfahrtsweg zur Arbeitsstätte hat, der sollte sich bereits am Sonntag über die Wetterlage und somit über die Straßenverhältnisse informieren.
  • Nehmen Sie betrieblich angebotene arbeitsmedizinische Vorsorge wahr (Bildschirmtauglichkeit, Fahr-,Steuer-, Überwachungstätigkeit)
  • Auf dem Rad gilt es besonders mit verkehrssicheren Fahrrädern vorausschauend zu fahren, die Geschwindigkeit anzupassen und auf ausreichend Abstand zu anderen Verkehrsteilnehmern, aber z. B. auch zu parkenden Autos zu halten.
  • Besonders bei Dunkelheit müssen Radfahrer darauf achten, dass sie gut und weit sichtbar sind (helle Kleidung, Kleidung mit Reflektoren, Bänder oder Warnwesten in Leuchtfarben und mit reflektierenden Streifen.
  • Als Arbeitgeber bieten Sie für berufliche Vielfahrer Fahrsicherheitstrainings an.
  • Achten Sie als Arbeitgeber darauf, die rechtliche vorgegebenen Arbeitszeitvorgaben einzuhalten (Tageshöchstarbeitszeit, Pausenzeiten, Ruhezeiten) und das Schichtsystem nach neusten gesicherten arbeitswissenschaftlichen Erkenntnissen ausrichten. Bei Unfalluntersuchungen wird u.U. auch ergründet, wieviel Stunden der Beschäftigte zuvor tätig war.
  • Nach Unfallereignissen sollte neben der medizinischen Versorgung eine psychologische Erstversorgung für Verunfallte, Unfallbeteiligte und -zeugen angeboten werden.

 

Quelle: www.risiko-check.info

 

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