Mit positiver Fehlerkultur im Betrieb - soziale Beziehungen verbessern, psychische Belastungen reduzieren

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Mit positiver Fehlerkultur im Betrieb - soziale Beziehungen verbessern, psychische Belastungen reduzieren | 24.01.2018

Es ist einfach, nach sicherheitsrelevanten Fehlhandlungen mit Schuldzuweisungen gegenüber Beschäftigten zu reagieren. Dieses führt in der Regel aber zu Verunsicherungen, Unterlassen von sicherheitsgerechten Tätigkeiten und hemmt die Innovationsfähigkeit von Betrieben. Dabei sollten gerade Fehler, die immer wieder passieren werden, als Chancen begriffen werden, Abläufe und Verfahren zu verbessern  und sich weiterzuentwickeln, zeigen sie doch Schwachstellen des Betriebes auf. Niemand macht mit Absicht Fehler. Daher ist es wichtig, das Problem von der Person zu trennen, sich gemeinsam auf die Suche nach der Ursache zu machen und an dieser zu arbeiten.

Die Fehlerkultur eines Betriebes beschreibt, in welcher Form mit Fehlern, Fehlerrisiken und Fehlerfolgen umgegangen wird und welcher Stellenwert dem Fehler in Arbeits- und Lernprozessen beigemessen wird.

Für die Sicherheit und Gesundheit ist es wichtig, dass eine offene Fehlerkultur im Betrieb gelebt wird. Das bedeutet, dass Beschäftigte nicht denunziert, Fehler transparent besprochen und nicht verschwiegen werden. Dabei sollte Platz für eine abgestufte Fehlertoleranz bleiben.

Typische sicherheitsrelevante Fehler können beispielsweise sein:

  • Unklare oder fehlende Aufgabenübertragung
  • Nicht die erforderliche PSA bereitgestellt/getragen
  • Erforderliches Arbeitsmittel defekt/abgeändert/nicht verwendet
  • Unzureichende Qualifikation/Unterweisung
  • Missachtung betrieblicher/rechtlicher Vorgaben
  • Unzureichende Kommunikation von Mängeln
  • Fehlende/nicht angemessene Gefährdungsbeurteilung
  • Inkonsequente Fehleranalyse/-beseitigung

Aus Fehlern lernt bekanntermaßen jeder, sie sind Grundlage für die Weiterentwicklung der Menschen und bieten Lernchancen. Fehler sollten konstruktiv betrachtet und für die Entwicklung von Maßnahmen und für Verbesserungen genutzt werden.

Es ist ein Betriebsklima, eine Arbeitsatmosphäre anzustreben und zu etablieren, in der Beschäftigte keine Angst haben, Fehler und Beinahe-Unfälle zu berichten und zu diskutieren, um daraus zu lernen.

Wenn Führungskräfte selbst ihre Fehler offen eingestehen, ist dies bereits ein wesentlicher Bestandteil für eine angstfreie, transparente Arbeitsatmosphäre und damit für eine offene Fehlerkultur.

Das Thema Fehlerkultur ist daher mit dem Thema Führung eng verknüpft. Die Fehlerkultur fördert aber auch die Beziehungen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter untereinander, weil sie angstfreier und kooperativer arbeiten können. Über diesen Weg können somit auch psychische Belastungen reduziert werden.

Eine offene Fehlerkultur fördert Sicherheit und Gesundheit und sollte daher Teil eines Managementsystems zur Sicherheit und Gesundheit im Betrieb sein. Dazu gehören folgende Punkte:

  • Keine Angst vor Fehlern
  • Keine Schuldzuweisungs-Kultur aufrechterhalten
  • Mangelnde Fehler-Kommunikationswege identifizieren und verbessern

Entscheidend für eine positive Fehlerkultur ist, dass Sie die Beschäftigten hinzuholen, die von dem Problem betroffen sind und die zur Lösung beitragen können.

Mit der Einführung eines Fehlermeldesystems, bei dem jeder Beschäftigte wissen sollte, an wen, wann, was in welcher Form gemeldet werden muss, schafft man gute Voraussetzungen, um Fehler auszuwerten und auszuarbeiten. Wichtig ist, dass Fehler bzw. Beihnahezwischenfälle überhaupt zeitnah und angemessen gemeldet werden, und die Beschäftigten an Lösungen gemeinsam mit den betrieblichen Arbeitsschutzakteuren mitwirken können. Ein entsprechendes Formular könnte z. B. im Intranet hinterlegt sein.

Grundsätzlich bietet es sich an, nicht erst zu warten, bis Fehler entstehen, sondern proaktiv und systematisch, insbesondere durch ein plausibles und transparentes Verbesserungsvorschlagsystem, nach möglichen Fehlerquellen sowie Verbesserungen zu suchen, um Fehlerquellen vor allem für folgenschwere Fehler künftig auszuschließen.

Eine offene Fehlerkommunikation auf Augenhöhe zeichnet sich durch folgende vier Schritte aus:

  1. Mitteilen, was passiert ist.
  2. Verantwortung übernehmen.
  3. Entschuldigen.
  4. Folgemaßnahmen diskutieren, vorschlagen, ggf. einleiten.

Vorgesetzte müssen dies unterstützen und vorleben.

Schätzen Sie die Fehlerkultur in ihrem Betrieb durch folgende Fragen ein:

  • In meinem Betrieb ermutigen die Führungskräfte zur Übernahme von Verantwortung und akzeptieren Fehler als natürlichen Begleiter bei der Ausübung von Tätigkeiten?
  • Wir haben festgelegte und effiziente Kommunikationsstrukturen für die angstfreie Mitteilung und Analyse von Fehlern?
  • Wir haben uns gemeinsam darauf verständigt, Fehler offen und zeitnah mitzuteilen, weil wir ihnen grundsätzlich ohne Sanktionsbefürchtungen begegnen können?
  • Wir bemühen uns aktiv darum Fehler nicht zu wiederholen, weil wir gemeinsam daraus lernen?
  • Wir pflegen ein offenes und transparentes Verbesserungsvorschlagsystem bei dem Beschäftigte aktiv miteingebunden werden?
  • Wir prangern keine Personen an, die Fehler begehen, sondern wertschätzen, wenn wir Fehler zum Wohle der Beschäftigten und Dritter beseitigen und unsere Fehlerkultur sukzessiv vorausschauend kollegial ausrichten können?

 

Autor: Stefan Johannsen, Diplom-Biologe

 

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