Orts- und zeitflexibles Arbeiten: Gesundheitliche Chancen und Risiken

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Orts- und zeitflexibles Arbeiten: Gesundheitliche Chancen und Risiken | 13.02.2018

Die Wirkungszusammenhänge zwischen Arbeitsbedingungen in der modernen Wissensgesellschaft einerseits und der Gesundheit der Beschäftigten andererseits sind in den letzten Jahren verstärkt in den Fokus von Wissenschaft, Öffentlichkeit und Politik gerückt. Chancen und Risiken, Ressourcen und Beanspruchungen liegen nah beieinander. Der vorliegende Bericht fasst den wissenschaftlichen Erkenntnisstand zur gesundheitlichen Bedeutung orts- und zeitflexibler Arbeitsformen zusammen.

Auf der Basis der Ergebnisse wissenschaftlicher Studien kann generell davon ausgegangen werden, dass sowohl das ortsflexible als auch das zeitflexible Arbeiten als Belastungsfaktoren wirken und mit negativen Beanspruchungsfolgen einhergehen können. So erfordert Mobilität einen zusätzlichen Aufwand, der in der Regel sowohl mit Organisationsaufwand als auch mit zusätzlicher Bindung von Zeit und damit verbunden mit reduzierter Ruhezeit einhergeht. Die Ergebnisse zeigen, dass Mobilitätsanforderungen zusätzliche zur Arbeitstätigkeit bestehende Belastungsfaktoren darstellen. Um die Belastungen gering zu halten, sollten die Rahmenbedingungen der Mobilität möglichst positiv gestaltet und die Intensität möglichst gering gehalten werden.

Positive Rahmenbedingungen sind z. B. größtmögliche Vorhersehbarkeit, Beeinflussbarkeit und Kontrollierbarkeit durch Partizipation und die Gewährung von Entscheidungs- und Zeitspielräumen. Ungünstig wirkt sich dagegen hohe Arbeitsintensität bzw. hoher Leistungsdruck aus. Eine Ausdehnung der Arbeitszeit über 8 und insbesondere 10 Stunden hinaus geht mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen und sicherheitsbezogenen Risiken einher und kann, tätigkeitsabhängig und insbesondere bei intensiven Arbeitsbelastungen, die Leistungsfähigkeit einschränken. Die durch die Arbeitszeit bestimmte Dauer der Exposition muss demzufolge begrenzt sein. Was die Zeitflexibilität betrifft, so stellt Zeitautonomie durchaus eine positive Ressource dar. Wissenschaftliche Studien belegen allerdings auch, dass unabhängig von den Rahmenbedingungen und der Motivlage von Beschäftigten eine Belastungsgrenze existiert, deren Überschreitung zu gesundheitlichen und sicherheitsbezogenen Risiken führen kann.

Von der Arbeit abschalten zu können, wirkt sich sowohl positiv auf die Gesundheit als auch auf die Work-Life-Balance aus. Arbeitsbezogene Unterbrechungen der Ruhezeiten stören diesen Prozess. Dazu zählt auch die Erreichbarkeit für betriebliche Belange in der Freizeit. Arbeitszeiten sollten somit, um mögliche negative Auswirkungen auf die Gesundheit und das Befinden zu reduzieren, gut planbar und vorhersehbar sein und einen größtmöglichen Einfluss der Beschäftigten auf die Gestaltung erlauben. Ungeplante Flexibilität führt häufig zu konfligierenden Interessen mit dem Privatleben. Die arbeitsbezogene Inanspruchnahme während der Freizeit verhindert eine effiziente Erholung und sollte demzufolge reglementiert sein. Sowohl für die orts- als auch für die zeitflexible Arbeitsgestaltung gilt, dass neben der Vorhersehbarkeit und Planbarkeit die Einflussnahme auf die Gestaltung positive Wirkungen auf die Belastungsentstehung und -verarbeitung haben.

Bibliografische Angaben

B. Beermann, M. Amlinger-Chatterjee, F. Brenscheidt, S. Gerstenberg, M. Niehaus, A. M. Wöhrmann:
Orts- und zeitflexibles Arbeiten: Gesundheitliche Chancen und Risiken.
1. Auflage. Dortmund: Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin 2017. Seiten 46, Papier, PDF-Datei, DOI: 10.21934/baua:bericht20170905
www.baua.de/DE/Angebote/Publikationen/Berichte/Gd92.pdf?__blob=publicationFile&v=13

 

Quelle: www.baua.de

 

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