Arbeitszeitgesetz verliert an Bedeutung

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Ergebnisse des Projekts "Working hours, health, well-being and participation in working life" (WOW) | 20.07.2021

Die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit verschwimmen zunehmend und viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer führen auch in ihrer Freizeit beruflichen Aktivitäten aus. Besonders in Zeiten von Mobiler Arbeit, Homeoffice und Co. kommt es häufig vor, dass Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer bis in den späten Abend hinein geschäftliche Aufgaben erledigen.

Die Problematik liegt häufig darin, dass die tatsächlichen Arbeitszeiten nicht ausreichend erfasst und Überstunden nicht zentral dokumentiert werden. Dies führt dann in vielen Bereichen dazu, dass sich Überstunden zwar häufen, den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aber keine Kompensation angeboten wird.

Um dieser Problematik entgegenzutreten, wurde das sog. „Working hours, health, well-being and participation in working life“ (WOW-Projekt) ins Leben gerufen. Bei dieser von der NordForsk finanzierten wissenschaftlichen Kooperation handelt es sich um ein Projekt, das versucht, evidenzbasierte Modelle und Lösungen für die Arbeitszeitgestaltung zu erstellen und im Zuge dessen Empfehlungen für die gesunde Gestaltung von Arbeitszeit und die Gestaltung von Schichtplänen zu gestalten. Gemäß diesen Ergebnissen hat die DGUV nun einen Flyer mit dem Titel „Arbeitszeitgestaltung, Gesundheit und Wohlbefinden“ veröffentlicht, der die wichtigsten Ergebnisse des Projekts zusammenstellt.

 

Flexible Arbeitszeiten

Die Untersuchungen des WOW-Projekts ergaben, dass sich der aktive Einfluss der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer auf die Lage und Dauer der Arbeitszeiten sowie auch der Gestaltung und Dauer der Pausen positiv auf die physische und psychische Gesundheit auswirkt. Als Resultat nimmt dann auch die Häufung von Arbeitsunfällen ab. Bei Beschäftigungssituationen, wo keine Arbeitszeitkontrolle möglich ist, zeigte die Option, einzelne Stunden oder Zeitslots freizunehmen, einen positiven Effekt auf die allgemeine Gesundheit. Als Folge diesen Ergebnisse spricht das WOW-Projekt folgende Empfehlungen aus:

 

  • Den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern soll mehr Selbstbestimmung bei der Gestaltung ihrer Arbeitszeit ermöglicht werden (im Rahmen der betrieblichen Möglichkeiten).
  • Individuelle Faktoren sollen bei der Arbeitszeitgestaltung berücksichtigt werden, z. B. die Lebensphase und die Arbeitsfähigkeit, sowie der Art der Arbeit.
  • Die Grenze zwischen Arbeitszeit und Freizeit soll aufrechterhalten werden.
  • Es muss Unterstützungsangebote für Beschäftigte geben, die unter selbst auferlegten übermäßig langen Arbeitszeiten leiden.

 

Empfehlungen zur Beschäftigung in Schichtarbeit

Das Schicht- und Nachtarbeit besonders häufig zu gesundheitlichen Risiken führen kann, zeigen auch die Ergebnisse aus dem WOW-Projekt. Demnach besteht ein Zusammenhang zwischen Schichtarbeit, Schlafproblemen, Müdigkeit und verschiedenen Erkrankungen. Auch für diese Form der Arbeit gibt das WOW-Projekt Empfehlungen wie folgt heraus:

 

  • Nachtschichten sollten max. in drei aufeinanderfolgenden Nächten stattfinden.
  • Die Dauer der Nachtschichten sollten auf neun Stunden begrenzt werden.
  • Schichtsysteme sollten schnell rotierend sein und dies stets unter Einhaltung der arbeitsfreien Intervalle zwischen aufeinanderfolgenden Schichten (mind. 11 Stunden).
  • Im Zuge der Arbeitsmedizinischen Vorsorge soll eine frühzeitige Erkennung und Prävention von Schlafstörungen durch entsprechende Beratung erfolgen.

 

Werden die Mindestruhezeiten unterschritten, besteht stets die erhöhte Gefahr von Arbeitsunfällen und unkonzentriertem Arbeiten. Die Maximalarbeitszeiten und Mindestruhezeiten sind in Deutschland nicht ohne Grund gesetzlich vorgeschrieben.

 

Weitere Informationen zum WOW-Projekt sowie weitere Empfehlungen der DGUV finden sich in der von dem DGUV herausgegebenen Flyer.

 

Quelle: ls | www.publikationen.dguv.de

 

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