Erfolgsweg zur betrieblichen Arbeitsschutzorganisation

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15 Schritte auf dem Erfolgsweg zur betrieblichen Arbeitsschutzorganisation | 13.06.2018

Viele Wege führen nach Rom … und so auch die Umsetzung des Arbeitsschutzes? Zahlreiche Gesetze, Verordnungen und Vorschriften machen zwingende Vorgaben zur Organisation des Sicherheit und des Gesundheitsschutzes bei der Arbeit. Und letzten Endes sind es die beteiligten Akteure, die darüber entscheiden, ob die Arbeitsschutzorganisation im Unternehmen gelebt oder als gescheitert angesehen wird. Eine Systematik bei der Umsetzung kann zum gewünschten und vorgeschriebenen Erfolg führen.

Eine Arbeitsschutzorganisation umfasst alle rechtsverbindlichen organisatorischen Maßnahmen des Arbeitsschutzes. Grundsätzlich ist es erforderlich, dass alle Arbeitsschutzakteure sowie Beschäftigte aktive Mitwirkungsmöglichleiten bei allen arbeitsschutzrelevanten Fragestellungen haben und, soweit erforderlich, vorausschauend und ergebnistransparent einbezogen werden. Das fängt bei der Einrichtung einer Arbeitsstätte und der Arbeitsplätze im Einzelnen an, geht mit Veränderungen wie Umzüge, Verlagerung von Arbeitsplätzen, Anschaffung neuer Maschinen und Mobiliar weiter und schließt dabei in einem systematischen und kontinuierlich fortlaufenden Prozess ergonomische, gesundheitsförderliche und wirtschaftliche Aspekte entsprechend dem Stand der Technik, Arbeitsmedizin und Hygiene ein.

 

15 Elemente der systematischen Umsetzung

1. Verantwortung und Aufgabenübertragung
Die Verantwortungs- und Aufgabenbereiche der Führungskräfte und Funktionsträger im Arbeitsschutz sowie die erforderlichen Kompetenzen wurden i. d. R. konkret und unmissverständlich festgelegt. Sofern Arbeitgeberpflichten übertragen wurden, erfolgte dieses schriftlich i. S. d. § 13 Abs. 2 ArbSchG.

2. Überwachung der Einhaltung der übertragenen Pflichten und Kontrolle der Aufgabenerledigung
Arbeitgeber und Führungskräfte überwachen systematisch und regelmäßig die Einhaltung der Arbeitsschutzpflichten in ihrem Verantwortungsbereich.

3. Erfüllung der Organisationspflichten aus dem Arbeitssicherheitsgesetz
Eine angemessene sicherheitstechnische und betriebsärztliche Betreuung ist sichergestellt. Die regelmäßig stattfindende Arbeit des Arbeitsschutzausschusses (ggf. mehrere) funktioniert. Die Zusammenarbeit aller Akteure ist geregelt. Das Beauftragtenwesen ist angemessen (u. a. Sicherheitsbeauftragte, Erst-Helfer, Brandschutzhelfer, Gefahrgutbeauftragte sowie ggf. Gefahrstoffbeauftragte, Ergonomiebeauftragte, Brandschutzbeauftragte, Gesundheitskoordinatorin, Drogen- und Suchtbeauftragte etc.). Experten werden im Bedarfsfall für fachkundige Bewertungen regelhaft einbezogen (z. B. Erstellung von Sicherheitsdatenblättern, Messungen etc.).

4. Sicherstellung notwendiger Qualifikationen für den Arbeitsschutz
Der Fortbildungsbedarf zum Erhalt der Qualifikation im Arbeitsschutz sowie Weiterentwicklung von Schlüsselqualifikationen werden regelmäßig für alle mit Arbeitsschutzaufgaben betrauten Mitarbeiter im Betrieb ermittelt und gedeckt.

5. Organisation der Durchführung der Gefährdungsbeurteilung
Es werden Gefährdungsbeurteilungen auf der Basis von verbindlichen betrieblichen Vorgaben durchgeführt. Zuständigkeiten und Vorgehensweisen für die Durchführung und Auswertung der Gefährdungsbeurteilungen, die Ableitung von Schutzmaßnahmen, die Wirksamkeitskontrolle und die Weitergabe der relevanten Informationen aus Gefährdungsbeurteilungen an betroffene Funktionsträger sind klar geregelt.

6. Regelungen zur Durchführung und Dokumentation von Unterweisungen
Arbeitsplatz- oder aufgabenbezogene Unterweisungen werden gezielt und durchgängig mit einer systematischen Vorgehensweise durchgeführt. Gleiches gilt für die Unterrichtung der Beschäftigten über allgemeine Gefahren. Dieses wird dokumentiert.

7. Umgang mit behördlichen Auflagen
Die Erfassung von Auflagen sowie die Auswertung und Kontrolle der Umsetzung erfolgen auf der Grundlage von umfassenden betrieblichen Vorgaben. Die Zuständigkeiten hierfür sind klar geregelt.

8. Handhabung des Vorschriften und Regelwerks, insbesondere bei Änderungen
Für die systematische Erfassung und Auswertung von Arbeitsschutzvorschriften gibt es verbindliche, umfassende Vorgaben. Zuständigkeiten hierfür sind klar festgelegt. Die Information betroffener Funktionsträger über jeweils zu beachtende Vorschriften und Regelwerke ist sichergestellt.

9. Einbeziehung der besonderen Funktionsträger
Die Funktionsträger im Arbeitsschutz sind benannt, und entsprechende Regelungen zur Zusammenarbeit mit den Arbeitsschutzexperten sind getroffen.

10. Kommunikation des Arbeitsschutzes
Unternehmensleitung und Führungskräfte informieren sich aktiv über die Situation des Arbeitsschutzes im Betrieb. Den Beschäftigten und ihrer Vertretung wird ermöglicht, ihren Mitwirkungsrechten und –pflichten nachzukommen.

11. Organisation der arbeitsmedizinischen Vorsorge
Die arbeitsmedizinische Vorsorge wird nach verbindlichen Vorgaben durchgeführt. Hierzu gehören die Ermittlung der Vorsorgeart (Pflicht- und Angebotsvorsorge, ggf. nachgehende Vorsorge) und die Ermöglichung der Wunschvorsorge. Terminkontrollen, der organisatorische Ablauf und/oder die Durchführung der arbeitsmedizinischen Vorsorge werden entsprechend den jeweiligen Anlässen sichergestellt. Die Zuständigkeiten hierfür sind eindeutig geregelt.

12. Regelungen zur Planung und Beschaffung
Bei Neuplanungs- oder Änderungsprozessen werden die ergonomischen und sicherheitstechnischen Anforderungen an Planung, Gestaltung und Beschaffung durch verbindliche schriftliche Vorgaben zu Zuständigkeiten und Vorgehensweisen durchgängig einbezogen. Die betroffenen Beschäftigten werden durchgängig mit einbezogen.

13. Information und Einbindung von Fremdfirmen
Es existieren betriebliche Vorgaben, die die Auswahl, Einsatzplanung, Vertragsgestaltung und den Einsatz von Fremdfirmen unter Arbeitsschutzgesichtspunkten durchgängig sicherstellen. Dies gilt gleichermaßen für den Einsatz von Leiharbeitnehmern.

14. Integration von zeitlich befristet Beschäftigten
Personen mit besonderen Beschäftigungsverhältnissen werden aufgrund umfassender betrieblicher Regelungen durchgängig bei der Planung und Durchführung von Arbeitsschutzmaßnahmen berücksichtigt.

15. Organisation von Notfallmaßnahmen/Erste Hilfe
Es existieren umfassende Regelungen zur Planung der Ersten Hilfe und sonstiger Notfallmaßnahmen (z. B. Evakuierung, Havarie) im Betrieb. Die Zuständigkeiten sind klar geregelt.

Autor: Stefan Johannsen, Diplom-Biologe

 

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