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BAuA veröffentlicht Neufassung des "Teil 1 Handbuch Gefährdungsbeurteilung: Grundlagen und Prozessschritte | 08.03.2021

Zum 03.03.2021 hat die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) eine Neufassung des Handbuchs „Gefährdungsbeurteilung – Teil 1 Grundlagen und Prozessschritte“ herausgegeben. Diese Version ersetzt den bisher von der BAuA publizierten „Ratgeber zur Gefährdungsbeurteilung“ und basiert auf dem aktuellen Stand gesicherter wissenschaftlicher Erkenntnisse. 

Das Handbuch soll zuständige Personen im Arbeitsschutz beim Planen und Durchführen einer Gefährdungsbeurteilung unterstützen. Dieser Beitrag konzentriert sich auf die Grundlagen der Gefährdungsbeurteilung sowie Tipps des Handbuchs zur Durchführung im Betrieb.

 

Grundlagen der Gefährdungsbeurteilung

Die Gefährdungsbeurteilung ist das wichtigste Instrument für zielgerichtete betriebliche Präventionsmaßnahmen im Arbeitsschutz. Die Grundlage der Beurteilung potentiellen Gefahrenrisikos am jeweiligen Arbeitsplatz und ist in § 3 Absatz 1 des Arbeitsschutzgesetzes (ArbSchG) rechtlich verankert. Es gilt, die Maßnahmen regelmäßig zu prüfen und bei Bedarf anzupassen, um den Sicherheits- und Gesundheitsschutz der Beschäftigten kontinuierlich zu verbessern. 

Abgesehen von dem bereits genannten § 3 des ArbSchG ist die Verpflichtung zur Gefährdungsbeurteilung auch in anderen rechtlichen Grundlagen verankert. Dazu gehören beispielsweise:

  • DGUV Vorschrift 1
  • ArbStättV und Technische Regel für Arbeitsstätten ASR V3
  • BetrSichV und Technische Regel für Betriebssicherheit TRBS 1111
  • GefStoffV und Technische Regel für Gefahrstoffe TRGS 400

 

Anlässe der Gefährdungsbeurteilung

Grundsätzlich muss bei jeder erstmaligen Inbetriebnahme eines Arbeitsplatzes eine Erstbeurteilung vorgenommen werden. Eine Überarbeitung der bestehenden Gefährdungsbeurteilung ist u. a. notwendig bei:

  • Betriebliche Veränderungen, welche die Sicherheit und den Gesundheitsschutz der Beschäftigten beeinflussen können
  • Nach Auftreten von Arbeitsunfällen, Berufskrankheiten oder Beinaheunfällen
  • Bei Auftreten von Pandemien
  • Bei Änderungen von Verordnungen, Technischen Regeln und relevanten DGUV Vorschriften und Regeln

 

Prozessschritte der Gefährdungsbeurteilung

Gefährdungsbeurteilungen sind immer bezogen auf die betrieblichen Bedingungen bzw. Erfordernisse festzulegen. Führen Sie die Schutzmaßnahmen dabei am besten anhand der folgenden Prozessschritte durch:

1. Vorbereiten

In diesem Schritt gilt es, die zu beurteilenden Arbeitsbereiche festzulegen (Produktion, Lager, Büro, etc.) und dabei die jeweiligen Arbeitsplätze und Arbeitstätigkeiten zu erfassen. Daran anschließend sollten alle gesetzlichen Verordnungen und Regeln zusammengestellt werden und vorliegende Unterlagen hinsichtlich relevanter Informationen für die Gefährdungsbeurteilung geprüft werden.

2. Gefährdungen ermitteln

In Schritt 2 geht es um die systematische Identifizierung möglicher Gefahren, z. B. der Prüfung der Gestaltung und Einrichtung der Arbeitsstätte, der Arbeitsmittel und der Arbeitsorganisation. Die Gefährdungsbeurteilung ist stets tätigkeitsbezogen durchzuführen.

3. Gefährdungen beurteilen

Nach der Erfassung ist eine systematische Beurteilung dahingehend durchzuführen, ob die bis dahin getroffenen Maßnahmen ausreichend sind bzw. ob weitere Maßnahmen erforderlich sind. Ziele sind z. B. die Minimierung oder Optimierung der Gefahren und deren Vermeidung. Als Hilfestellung zur Beurteilung bietet das Handbuch auf Seite 26 eine Risikomatrix an, die auf Grundlage der Wahrscheinlichkeit des Eintretens eines Schadens, deren Schwere bestimmt und prüft, ob dieses Risiko akzeptabel ist.

4. / 5. Maßnahmen festlegen und umsetzen

Der im ArbSchG festgelegte Grundsatz zur Vermeidung von Gefährdungen hilft bei der Auswahl geeigneter Maßnahmen. Ist die Vermeidung der Gefährdung nicht möglich, muss die Gefährdung im Raster zwischen „Gefährdung an der Quelle beseitigen oder reduzieren -> Gefährdung durch Qualifikation der Beschäftigten reduzieren“ eingestuft werden. Entsprechend der Priorisierung soll ein Maßnahmenplan erstellt werden.

6. Wirksamkeit der Maßnahmen überprüfen

In Schritt sechs soll geprüft werden, ob die Maßnahmen vollständig umgesetzt wurden und dazu beitragen, dass Gefährdungen beseitigt bzw. reduziert werden und ob dadurch ggf. neue Gefährdungen dazugekommen sind. Werden trotz der Maßnahmen die Schutzziele nicht erreicht, sind die vorherigen Prozessschritte zu wiederholen.

7. Ergebnisse dokumentieren

Gemäß § 6 Absatz 2 ArbSchG ist Folgendes zu dokumentieren: Ergebnis der Gefährdungsbeurteilung, festgelegte Maßnahmen des Arbeitsschutzes, Ergebnis der Überprüfung. Die Unterlagen sollten auch die Umsetzungstermine für die getroffenen Arbeitsschutzmaßnahmen und Verantwortlichen enthalten.

Schritt 8: Fortschreiben

Bei betrieblichen Veränderungen oder neuen Erkenntnissen muss die Gefährdungsbeurteilung entsprechend angepasst werden. Eine regelmäßige vollständige Wiederholung der Gefährdungsbeurteilung ist laut ArbSchG nicht vorgesehen, verschiedene gesetzlicher Vorgaben legen aber die Prüfung für bestimmte Prüfungen fest. Die Gefährdungsbeurteilung ist dann unverzüglich anzupassen.

 

Quelle: ls | www.baua.de

 

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