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Arbeitsschutz in der Pflege | 14.09.2021

Mitarbeitende in Pflegeberufen sind ebenso von Arbeitsschutzvorschriften betroffen, wie andere Arbeitnehmer auch. Was den Schutz vor Stürzen oder Verletzungen durch Arbeitsgeräte angeht, unterscheiden sich diese auch nicht wesentlich von anderen Arbeitsstätten. Pflegepersonal unterliegt jedoch einem besonders hohen Risiko, sich im Zuge ihrer Berufsausübung mit Krankheiten zu infizieren, entsprechend gibt es hier besondere Vorschriften.

Arbeitskleidung – ein wichtiger Schutz

Die Arbeitskleidung wird in der Regel vom Pflegeanbieter gestellt. Es ist üblich, dass die Kleidung zentral gereinigt und bei Schäden auch repariert wird. Abteilungen mit besonderen gesundheitsgefährdenden Einflüssen, bekommen neben der normalen Arbeitskleidung noch spezielle Schutzkleidung gestellt, die dann anzulegen ist. Dies betrifft beispielsweise Mitarbeitende in der Radiologie, die sich vor den Strahlen schützen müssen.

Schuhe werden meist nicht vom Arbeitgeber gestellt. Allerdings gibt es Vorgaben, wie Schuhe sein sollten, damit der Arbeitsschutz gewährleistet ist. Hier heißt es, festes Schuhwerk, das geschlossen ist. Die Sohle sollte aus rutschfestem Material bestehen. Gerade die Pflege in stationären Einrichtungen ist sehr laufintensiv, so dass sich jeder bequemes und geeignetes Schuhwerk mitbringen kann. Tatsächlich empfiehlt es sich sogar, waschbare Schuhe zu tragen. Falls diese mit infektiösem Material konterminiert werden, können sie leicht gereinigt werden.

Rahmenlehrplan für die Generalistische Pflegeausbildung selbstverständlich enthalten und wird den Auszubildenden von Beginn an vermittelt.

Besondere Schutzkleidung

Die Nuklearmedizin, aber auch Arbeitsbereiche in denen infektiöse Patienten behandelt werden, erfordern spezielle Arbeitskleidung. Meist werden Schutzanzüge über die normalen Arbeitssachen gezogen und ggf. mit speziellen Helmen, Schutzbrillen, Handschuhen und Atemfiltern ergänzt.

Die Coronapandemie hat dafür gesorgt, dass FFP2 Masken zur normalen Arbeitsschutzausstattung gehörte. Inzwischen dürfen Pflegekräfte aber auch wieder zu normalen medizinischen Masken greifen bzw. die Wahl ihrer Masken vom Impfstatus abhängig machen. Für Corona gelten besondere Arbeitsschutzbedingungen in allen Unternehmen und die entsprechende Arbeitsschutzverordnung wurde auch kürzlich erst erneut verlängert.

Unterschiede zwischen Dienst- und Schutzkleidung

Dienstkleidung soll in erster Linie die private Kleidung der Mitarbeiter schützen und Besuchern, Patienten oder Geschäftspartnern aufzeigen, wer Mitarbeiter ist. Von weißen Kitteln sind Pflegeeinrichtungen inzwischen weit entfernt. Es gibt farbige Kasacks und T-Shirts in beliebigen Farben. So können Träger von Pflegeeinrichtungen auch ihr Corporate Identity über die Dienstkleidung stärken. Außerdem grenzen viele Einrichtungen die verschiedenen Abteilungen mit bestimmten Farben oder Kleidungsstücken voneinander ab.

Zudem ist Dienstkleidung zweckmäßig geschnitten. Sie engt nicht ein und erlaubt das Mitführen wichtiger Utensilien zur Pflege oder Dokumentation (Taschen für Schlüssel, Tablet etc.).

Schutzkleidung hingegen ist spezielle Kleidung, die aus Arbeitsschutzgründen zu tragen ist. Hierunter fallen Gehörschutz, Handschuhe, Gummi- oder Bleischürzen, Masken, Überschuhe usw.

Grundsätzlich gilt: Dienstkleidung muss private Kleidung komplett überdecken und Schutzkleidung muss Dienstkleidung komplett abdecken und vor Kontaminationen schützen.

Private Kleidung – was ist erlaubt?

Grundsätzlich gibt es keine klare rechtliche Lage zum Tragen von privater Kleidung. Zwar kann eine Pflegeeinrichtung das Tragen von Dienstkleidung anordnen, dann muss diese auch getragen werden. Fehlt diese Anordnung, so darf Privatkleidung getragen werden. Allerdings muss diese im Pflegeheim angelegt und auch wieder ausgezogen werden und darf nur in der Einrichtung getragen werden. Aus eigenem Interesse achten Pflegemitarbeiter hier auf robuste Materialien, die auch heiße Wäschen vertragen.

Wird private Kleidung kontaminiert, muss diese desinfiziert oder mit chemothermischen Waschverfahren gereinigt werden. Ist die Gefahr einer Kontamination offensichtlich, muss über der Privatkleidung zusätzlich Schutzkleidung getragen werden.

Arbeitsmittel und medizinische Geräte

In die Anwendung spezieller Arbeitsmittel und medizinischen Geräte werden Pflegemitarbeiter eingewiesen. Auch dies dient dem Arbeitsschutz. Kliniken achten darauf, dass jeder Mitarbeiter diese Einweisungen wahrnimmt und regelmäßig erneuert. Außerdem gibt es spezielle Arbeitsschutzbeauftragte, die für einen ordnungsgemäßen Zustand von Arbeitsschutzeinrichtungen sorgen und darauf achten, dass die Arbeitsplätze keine gesundheitsgefährdenden Komponenten enthalten.

Um Stolperfallen zu vermeiden, sind Kliniken so ausgestattet, dass Steckdosen für Infusionsgeräte bettnah angebracht sind und beispielsweise Sauerstoff direkt über ein Leitungssystem bezogen werden kann.

Betten sind höhenverstellbar und mobil und für schwere Tätigkeiten gibt es zahlreiche Hilfsmittel wie Hebegeräte, Transferhilfen etc.

Alle Geräte unterliegen einer Zertifizierungspflicht und dürfen nur genutzt werden, wenn die entsprechenden Label angebracht sind. Dies soll Stromschläge und Brände verhindern, ist aber natürlich auch für die Patienten wichtig, die mit den entsprechenden Geräten untersucht oder behandelt werden.

Hygienekonzepte als Arbeitsschutzmaßnahme

Pflegeeinrichtungen haben von Natur aus einen höheren Hygienestandard als andere Unternehmen. Schließlich muss die Ausbreitung von Infektionen verhindert und die Bildung von Keimen unterbunden werden. Hygienekonzepte haben eine Doppelfunktion, sie sollen Patienten schützen, aber auch das Personal.

Kennzeichnung von Zimmern in denen infektiöse Patienten liegen, Einrichtung von Schleusen, Bereitstellung von Schutzkleidung für Mitarbeiter und Besucher sind in Kliniken und Pflegeheimen nicht erst seit Corona an der Tagesordnung. Sie sind bereits bei Infektionen mit dem Norovirus eine wichtige Hilfe, um Mitarbeiter, Bewohner, Patienten und Besucher zu schützen.

Zum Schutz vor Infektionen gehört bei Pflegekräften auch der sachgemäße Umgang mit Wäsche, Geschirr, Müll, Spritzen und Ausscheidungen.

Für das Gesundheitswesen gelten zahlreiche Vorschriften, die Gefahren eindämmen sollen. Sie sind u.a. in folgenden Gesetzen und Vorschriften verankert (alphabetisch sortiert):

  • Arbeitsschutzgesetz
  • Auflagen der Berufsgenossenschaft
  • Infektionsschutzgesetz
  • Lebensmittel- und Bedarfsgegenständegesetz
  • Medizinproduktegesetz
  • Mutterschutzgesetz
  • Patientenrechtegesetz
  • Richtlinien des Robert-Koch-Instituts
  • Strahlenschutzverordnung
  • Unfallverhütungsvorschriften
  • Unterschiedliche Hygienevorschriften der Bundesländer

Gleichermaßen zur Hygiene, wie auch zum Arbeitsschutz gehören Sauberkeit am Arbeitsplatz, das Ablegen von Uhren und Schmuck und das Zusammenbinden oder Hochstecken von langen Haaren.

Bei Schmuck, Nagellack und Länge der Fingernägel scheiden sich regelmäßig die Geister an der Einsicht der Notwendigkeit, hierauf zu verzichten. Aus arbeitsmedizinischer Sicht, sind lange Nägel ideale Keimlager, ebenso Schmuck. Außerdem kann die Anwendung von Desinfektionsmitteln mit Nagellacken oder Metallen unerwünscht reagieren und Hautreizungen hervorrufen.

Hygienebeauftragte als Schnittstelle zwischen Arbeitsschutz und Patientensicherheit

In Pflegeeinrichtungen sind Hygienebeauftragte vorgeschrieben. Je größer die Einrichtung, desto mehr entsprechend geschulte Fachkräfte gibt es. Sie halten Ausschau nach Prozessen, die optimiert werden können, kontrollieren die Einhaltung der Vorschriften und veranlassen ggf. dass Dienstanweisungen angepasst werden, um die Sicherheit für Mitarbeiter, Patienten und Besucher zu verbessern.

Dabei haben sie alle Bereiche im Blick, von der Küche, über die Wäsche bis hin zur Pflege. Regelmäßige Weiterbildungen helfen ihnen auf besondere Vorkommnisse, wie beispielsweise die Coronapandemie schnell und angemessen zu reagieren und Risiken zu erkennen und richtig einschätzen zu können.

Interne und externe Kontrollen wiederum überprüfen die Arbeit der Hygienebeauftragten und zeigen Schwachstellen auf, die beseitigt werden sollten.

Fazit: Trotz vieler Kontrollen und Vorschriften sind die Mitarbeiter gefragt. Der beste Arbeitsschutz ist die eigene Umsicht und verantwortungsvolle Arbeit.

 

Autor:
Marvin Bauch, freier Autor