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Arbeitstättensicherheit | 19.08.2013

Das dichte Nebeneinander von Fußgängern, PKWs und Spezialfahrzeugen auf dem Betriebsgelände erfordert erhöhte Aufmerksamkeit und gegenseitige Rücksichtnahme von allen Beteiligten. Der Unternehmer ist seinerseits verpflichtet das Unfallrisiko durch verbindliche Regelungen zu minimieren und die Gefährdungen im Rahmen eines Verkehrswegekonzeptes, in der Gefährdungsbeurteilung zu erfassen. Doch wie sieht ein solches Konzept aus?

 

Sämtliche Gefährdungen, die im Rahmen der Verkehrswegenutzung im Innen- und Außenbereich einer Arbeitsstätte entstehen, müssen im Rahmen eines Verkehrswegekonzeptes, in der Gefährdungsbeurteilung nach §§5,6 Arbeitsschutzgesetz sowie § 3 Arbeitsstättenverordnung i.V.m. den Regelungen der ASR A 1.8 (Verkehrswege), ASR A 1.3 und 2.3 (Beschilderung/Fluchtwegbreiten etc.) und ASR A 2.3 (brandschutzrechtliche Vorgaben) schon bei Einrichtung der Arbeitsstätte erfasst und bewertet werden.

Bei mehreren auf dem Betriebsgelände tätigen Firmen ist die Abstimmung auf eine gemeinsame Gefährdungsbeurteilung für die Verkehrswege erforderlich.

Dazu sind alle betrieblichen Arbeitsschutzakteure, ggf. Facility Management sowie Beschäftigte im Vorwege einzubinden. Die daraus abgeleiteten, nach Risikopotenzial priorisierten Maßnahmen, müssen von dafür verantwortlichen Personen in den vorgesehenen Fristen umgesetzt und in regelmäßigen Abständen auf ihre Wirksamkeit im Rahmen einer Erfolgskontrolle überprüft, ggf. nachgesteuert werden.

Unfälle, z.B. durch fehlende Fahrbahnmarkierungen, nicht unterwiesene Staplerfahrer, neue Lieferanten, die vor Ort nicht eingewiesen wurden, das Nutzen von Parkverbotsflächen, fehlende Barrierefreiheit sowie das Überschreiten der Geschwindigkeitsbegrenzung auf dem Betriebsgelände sind keine Seltenheit und haben oftmals schwerwiegende bis tödliche Folgen für Fußgänger. Nicht immer wissen Betriebsverantwortliche zu welcher Zeit sich welche Firmen auf dem Betriebsgelände befinden bzw. sich angekündigt haben.

Dabei sind rechtliche Vorgaben für sichere Verkehrswege einzuhalten, unabhängig davon, ob es sich um öffentlichen oder privaten Grund handelt. Die Vorschriften der StVO auf dem Betriebsgelände sind durch eine entsprechende Beschilderung auszuweisen.

Nach Möglichkeit sollte eine beschilderte Einbahnstraßenregelung für das Bringen und Abholen der Beschäftigten bzw. für das An- und Ausliefern der Waren geschaffen werden. Park- sowie Be- und Entladeflächen, Fahrradabstellflächen, Raucherzonen, Freihalteflächen sollten farbig gekennzeichnet und entsprechend ASR A 3.4 beleuchtet sein. Poller und Schutzketten bieten Beschäftigten, die sich in Müllcontainerbereichen, Raucherzonen, vor Türen aufhalten, aber auch den Fahrern, wenn diese im Bereich von Zufahrten oder Toren aufgestellt wurden, zusätzlichen Schutz.

Es sollten geeignete und ausreichende Flächen für das Ein- und Aussteigen auf dem Gelände eingeplant sein. Erforderlichenfalls sollten Zebrastreifen sowie weitere Beschilderungen wie Parkverbot, Zugang für Fußgänger verboten, zu einer gerichteten Verkehrsführung vorgesehen werden.

Fuß- und Verkehrswege sollten, nach Möglichkeit, getrennt voneinander ausgewiesen werden, eine Geschwindigkeitsbegrenzung (z.B. 10 km/h) ggf. unterstützt durch Boden/Fahrbahnschwellen, das Tragen von Warnwesten, Schutzschuhen, ggf. Helm, Schutzbrille auf dem Betriebsgelände ausgeschildert sein.

Fahrzeuge (wie Stapler, Reachstacker, VanCarrier, LKW) sollten mit optischen und akustischen Warneinrichtungen sowie nach Möglichkeit mit einer Kamera für das Rückwärtsfahren ausgestattet sein bzw. andernfalls ein unterwiesener
Einweiser vorhanden sein, Anfahrschutz an Regalen, die G25-Angebotsvorsorge, schriftliche Beauftragungen, Erlaubnisscheine sowie ein Fahrsicherheitstraining den eigenen Beschäftigten im Bedarfsfall angeboten werden.

Eine Anmeldung im Zufahrtbereich, bei der sich jeder Fahrzeugführer anmelden muss, eine Sicherheitsbelehrung erhält und abmelden muss, bietet zusätzliche Sicherheit. Über das Verkehrswegekonzept sind regelmäßige Unterweisungen durchzuführen und zu dokumentieren.

Ereignet sich ein schwerer Unfall, prüfen Polizei, Gewerbeaufsichtsamt, Berufsgenossenschaft im Rahmen ihrer Ermittlungspflicht diese Dinge ab und leiten entsprechende Konsequenzen ein. Darum präventiv denken und handeln!

 

Muster einer Checkliste: Verkehrswegekonzept für die Arbeitsstätte

Nr.

Frage

ja

nein

Maßnahmen
Verantwortlich
Frist

Priorität
(I, II, III, IV)

1

Ist eine angemessene Gefährdungsbeurteilung zu Verkehrswegen im Innen- und Außenbereich vorhanden?
(ebenfalls Fremdfirmen berücksichtigt) 

 

 

Gefährdungs-beurteilung
ergänzen
Verantw.: Meier
Frist:
XX.XX.XXXX

 

 

I

2

Müssen sich Fahrer an- und auch abmelden, erhalten dabei einen zu quittierenden aktuellen Sicherheitseinweisungsbogen (mit Alarmplan, Flucht- und Rettungsplan, Erst-Helfer-Tafel, ggf. Arbeitserlaubnis-, -freigabeschein) und werden u.a. Fahrerbeauftragungen, Führerscheine stichprobenhaft kontrolliert

 

 

Sicherheits-
einweisungsbogen
muss aktualisiert und an die Dauerkunden vorab verschickt werden
Verantw.: Müller
Frist:
XX.XX.XXXX

 

 

 

I

3

Gibt es eindeutige Verkehrsregeln (z.B. Hinweisschilder zu Höchstgeschwindigkeit, Halteverbot oder „Hier gilt die StVO“, Rauchverbot (auch in Fahrzeugen), Einbahnstraßenregelung, freizuhaltende Bereiche, „Licht an“
Warn-, Gebots, Verbotsschilder?

 

 


Halteverbots-
schilder bestellen

Verantw.: Schulze

Frist: XX.XX.XXXX

 

 

II

4

Werden die Verkehrsregelungen beachtet bzw. eingehalten  u.a. Parkplatznutzung,
Geschwindigkeitsbegrenzung, Beleuchtung und sind Sanktionen bei Verstößen vorgesehen?

 

 


Wiederholte
Verstöße ahnden
Verantw.: Schulze

Frist:
XX.XX.XXXX

 

 

III

5

Sind die Personenverkehrswege von den Fahrzeugverkehrswegen getrennt?
(Markierungen, Poller etc.)

 

 


o.k.
ü

 

6

Werden die Verkehrswege für die Dauer der Benutzung ausreichend beleuchtet?
s. ASR A 3.4

 

 


o.k.
ü

 

7

Ist die Oberfläche der Verkehrswege frei von Stolperstellen, Schlaglöchern oder Wasserlachen?

 

 


o.k.
ü

 

8

Wird auf Gefahrstellen, u.a. die für längere Zeit wegen baulicher Maßnahmen bestehen, auch Laderampen durch eine gelb-schwarze Kennzeichnung aufmerksam gemacht?

 

 


o.k.
ü

 

9

Sind die Parkplätze für Beschäftigte und Besucher ohne Gefährdung zu erreichen?

 

 

?
Frist: XX.XX.XXXX

 

9

Werden die Verkehrswege im Winter frei von Schnee und Eis gehalten?

 

 

Winterdienst beauftragen
Verantw.: Biber
Frist:
XX.XX.XXXX

 

IV

10

Werden die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vor Arbeitsaufnahme und in regelmäßigen Abständen über mögliche Gefahren im Außenbereich von Betriebsgeländen unterwiesen?

 

 

 

 

 

o.k. ü

 

 

 

 

11

Stehen Mittel zur Verfügung, um Schäden, wie z.B. Austritt von Gefahrstoffen zu binden bzw., unsichere Bereiche abzusperren?

 

 

 

 


o.k. ü

 

 

12

Wird bei Rückwärtsfahrten ein Einweiser eingeplant und eingesetzt bzw. Rückwärtsfahrwarnanlage, Kamera

 

 

Arbeits-/Betriebs-anweisung ändern


II

13

Werden Sicherheitsschuhe und Warnwesten, ggf. Helm, Schutzbrille getragen

 

 

o.k. ü

 

14

Sind Müllcontainer- ggf. Raucherplätze durch Absperrungsketten, Poller geschützt

 

 

o.k. ü

 

15

Sind Schranken erforderlich, um z.B. ein Rückwärtsfahren zu verhindern?

 

 

Nein, nicht erforderlich

 

16

Sind Boden/Fahrbahnschwellen zur Geschwindigkeitsbegrenzung erforderlich

 

 

o.k. ü

 

Fazit:

Aktualisierung der Gefährdungsbeurteilung  □ erforderlich □ nicht erforderlich

________________________________________________________________

 

Nächster Überprüfungstermin: XX.XX.XXXX

Datum: ____________       Unterschrift

 

 

Autor: Stefan Johannsen, Dipl. -Biologe

 

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