Drucken

Raumabmessung

© tostphoto/stock.adobe.com

Arbeitsstättensicherheit | 24.08.2020

Die ASR A1.2 ist eine wichtige Regelung zur Konkretisierung der Anforderungen an Raumabmessungen von Arbeitsräumen und Bewegungsflächen gemäß der Arbeitsstättenverordnung. In Zeiten der Pandemie reicht diese Regelung jedoch nicht mehr aus, um die geforderten Mindestabstände zum Schutz vor einer Infektion mit SARS-CoV-2 einhalten zu können. Aus diesem Grund werden in der neuen SARS-CoV-2-Arbeitsschutzregel, die seit August in Kraft ist, einige Anpassungen bei der Arbeitsplatzgestaltung genannt.

Welchen Anwendungsbereich hat die bestehende ASR A1.2?

Zunächst ein Überblick zu den wichtigsten Regelungen, die die bestehende ASR A1.2 vorsieht: 

Die ASR A 1.2 gilt für das Einrichten und Betreiben von Arbeitsräumen und stellt dabei die Mindestanforderungen dar. Bei Anwendung gilt die sog. „Vermutungswirkung“, folglich wird Rechtssicherheit für Planer und Architekten erreicht.
Räume müssen eine ausreichende Grundfläche und Höhe sowie einen ausreichenden Luftraum (ggf. Luftqualität, Akustik) und ausreichend Bewegungsfreiraum aufweisen. Neben der Anzahl der Arbeitsplätze und Tätigkeiten sind bei den erforderlichen Grundflächen folgende Werte einzuhalten:


Bewegungsflächen  
-mindestens 1,50 m Tiefe und Breite  direkt am oder neben dem Arbeitsplatz,
-mindestens  1,00 m  Tiefe und Breite bei stehender oder sitzender Tätigkeit,
-mindestens 1,20 m Tiefe mit stehender nicht aufrechter Körperhaltung
-mindestens 1,20 m Breite bei mehreren nebeneinander gelegenen Arbeitsplätzen

Bei einer möglichen Überlagerung von Bewegungsflächen darf es zu keiner Beeinträchtigung der Sicherheit, der Gesundheit oder des Wohlbefindens der Beschäftigten kommen.

Flächen für Verkehrswege einschließlich der Fluchtwege und Gänge zu den Arbeitsplätzen und zu gelegentlich benutzten Betriebseinrichtungen (ASR A 1.8),
Stellflächen für Arbeitsmittel, Einbauten und Einrichtungen,
Funktionsflächen für alle Betriebs- bzw. Benutzungszustände von Arbeitsmitteln, Einbauten und Einrichtungen und
Flächen für Sicherheitsabstände, mind. 50 cm soweit sie nicht bereits in den Stell- oder Funktionsflächen berücksichtigt sind in der Gefährdungsbeurteilung festzulegen.

Grundsätzlich dürfen für Tätigkeiten als Arbeitsräume nur Räume genutzt werden, deren Grundflächen

- mindestens 8 mfür einen Arbeitsplatz
- zuzüglich mindestens 6m2 für jeden weiteren Arbeitsplatz

betragen.

►    Für Büro- und Bildschirmarbeitsplätze von 8 bis 10 m2 je Arbeitsplatz einschließlich Möblierung und anteiliger Verkehrsflächen im Raum.
►    Für Großraumbüros ist wegen des höheren Verkehrsflächenbedarfs und ggf. größerer Störwirkungen (z. B. akustisch, visuell) von 12 bis 15 m2 je Arbeitsplatz auszugehen.

Die lichte Höhe von Arbeitsräumen soll grundsätzlich in Abhängigkeit von der Grundfläche betragen:

bei bis zu 50m2 min. 2,50 m (nicht unterschreiten/ggf. Landesbaurecht) 
bei mehr als 50 mmin. 2,75 m
bei mehr als 100 mmin. 3,00 m
bei mehr als 2000 m2 min. 3,25 m

Arbeitsräume sind so einzurichten, dass der freie, durch das Volumen von Einbauten nicht verringerte Luftraum für jeden ständig anwesenden Beschäftigten mindestens

12  m3 bei überwiegend sitzender Tätigkeit
15 m3 bei überwiegend nichtsitzender Tätigkeit und 
18 m3 bei schwerer körperlicher Arbeit

beträgt.


Wenn sich in Arbeitsräumen neben den ständig anwesenden Beschäftigten auch andere Personen nicht nur vorübergehend aufhalten, ist grundsätzlich für jede zusätzliche Person ein Mindestluftraum von 10 m3 vorzusehen.

 

Welche Anpassungen sind laut SARS-CoV-2-Arbeitsschutzregel notwendig?

Um die Übertragung des SARS-CoV-2-Virus möglichst effektiv zu unterbinden, hat der Arbeitgeber die Verpflichtung, technische, organisatorische oder personenbezogene Maßnahmen umzusetzen, wobei technische Maßnahmen immer an erster Stelle stehen sollen (TOP-Prinzip).

 

Bewegungsflächen

Zur Einhaltung der Abstandsregel sollen Arbeitsplätze in Arbeitsstätten so angeordnet werden, dass zwischen den Beschäftigten ein Abstand von mind. 1,5 m eingehalten werden kann. Die SARS-CoV-2-Arbeitsschutzregel nennt folgende Maßnahmen:

Kann die Abstandsregel nicht eingehalten werden, sind Abtrennungen zu installieren. Dadurch darf es jedoch nicht zu zusätzlichen Gefährdungen (Verletzung an Kanten/Ecken) kommen.

Die Abtrennung soll grundsätzlich eine Vermischung der Atembereiche verhindern. Das gilt für Atembereiche zwischen den Beschäftigten aber auch zwischen Beschäftigten und Kunden. Der obere Rand der Abtrennung muss bei Sitzarbeitsplätzen dabei mindestens 1,5 m über dem Fußboden enden, bei Steharbeitsplätzen bzw. Sitzarbeitsplätzen mit Kontakt zu stehenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern/Kunden muss sie mindestens 2 m über dem Boden enden. Falls benötigt, kann die Abtrennung Öffnungen außerhalb des Atembereichs enthalten, bspw. zum Bezahlen oder Bedienen eines Kartenlesegeräts oder zur Warenausgabe. Die Abtrennungen müssen dabei arbeitstäglich gereinigt werden.

 

Quellen: ls | Stefan Johannsen, Dipl. Biologe | www.baua.de

 

Produktempfehlung

sicherheitshandbuch auf cd-romSicherheitshandbuch auf CD-ROM

Das Praxishandbuch mit CD-ROM liefert praxisnahe Handlungsempfehlungen, Umsetzungshilfen und Arbeitshilfen, um die gesetzlichen Anforderungen an einen sicheren Arbeitsschutz einfach zu erfüllen und dies lückenlos nachzuweisen.

>> mehr Informationen

 

Praxishilfen zum Thema

Diese Praxishilfen zum Thema können Sie als Einzeldownload erwerben:

Für PREMIUM-User ist der Zugriff auf alle Praxishilfen frei. Sie sind noch kein PREMIUM-User? Mehr Informationen hier.

Mehr zum Thema

Die neue SARS-CoV-2-Arbeitsschutzregel – Ziele und Anforderungen

"Jetzt wird's eng!" Gibt es eine Mindestfläche für Büroarbeitsplätze?

Ein Verkehrswegekonzept für die Arbeitsstätte verhindert Unfälle