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Das richtige Klima am Arbeitsplatz: Hitze, Kälte und Lüftung | 15.02.2016

Da durch flasche Temperaturen und einer schlechten Lüftungsanlage die Unfallgefahr am Arbeitsplatz steigt, sollte man die klimatischen Bedingungen am Arbeitsplatz messen und beurteilen. Dadurch lässt sich herausfinden, welche Schutzmaßnamen berücksichtigt werden sollten.

Welche gesundheitlichen Beeinträchtigungen können durch Hitze, Kälte und Lüftung hervorgerufen werden?

Kälte kann durch Geräte, Verfahren oder Witterungsbedingungen verursacht werden. Bereits leichte Abweichungen vom Behaglichkeitsbereich mindern das Wohlbefinden. Die kältebedingte Minderdurchblutung von Haut und Extremitäten ruft Kälteempfindungen sowie Einschränkungen von Beweglichkeit, Sensibilität und Geschicklichkeit hervor und kann bei starker Abkühlung Erfrierungen des 1. bis 4. Grades verursachen. Durch die gleichzeitige Abnahme des Reaktionsvermögens, der Aufmerksamkeit und der Leistungsfähigkeit erhöht sich die Unfallgefahr. Besonders häufig treten lokale Unterkühlungen an Kopf, Gesicht (Nase, Kinn, Ohren), Händen (Finger) und Füßen (Zehen) auf.

Technologisch bedingte Wärmebelastungen durch hohe Temperaturen und hohe Wärmestrahlungsintensitäten können zu Konzentrationsmängeln, Leistungsabfall, Zunahme von Arbeitsfehlern, Erschöpfung, Ermüdung und Zunahme von Unfällen führen. Starke Wärmeeinwirkung kann auch das Herz-Kreislauf-System, die Atemwege oder den Wasser- und Elektrolyt-Haushalts negativ beeinflussen. Im extremen Fall können Hitzekrämpfe, ein Hitzekollaps und Hitzschlag ausgelöst werden. Durch direkten Kontakt mit heißen Oberflächen, Flüssigkeiten, Dämpfen oder durch Einwirkung intensiver Wärmestrahlung können lokale Gewebeschäden (Verbrennungen, Verbrühungen) entstehen.

Kommt es zu unzureichenden Lüftungsmaßnahmen ist die vom Arbeitgeber sicherzustellende gesundheitlich zuträgliche Atemluft nicht mehr gewährleistet; es kann dadurch vor allem zu Atemwegsbelastungen kommen. CO2-Konzentrationen können schnell auf Werte über 1.000 ppm ansteigen. Darüber hinaus können chemische Stoffe wie Formaldehyd, flüchtige organische Verbindungen, Holzschutzmittel oder Ozon das Wohlbefinden in Gebäuden beeinträchtigen und zu Beschwerden wie chronische Schleimhautreizungen (Augen, Nase, Rachen), Hautjucken, Kopfschmerzen, Müdigkeit, Erschöpfung usw. führen, welche über den Arbeitstag zunehmen und nach Feierabend bei Verlassen des Gebäudes wieder verschwinden. Zudem können biologische Belastungen, insbesondere Pilzsporen durch unzureichend gewartete Lüftungsanlagen das körperliche Wohlbefinden beeinträchtigen.

Wie können klimatische Faktoren am Arbeitsplatz beurteilt werden?

Folgende Einflussgrößen sind für thermische Belastungen an Kältearbeitsplätzen (entsprechend DIN-Fachbericht 128 und DIN 33403-5) maßgebend:

  • Lufttemperatur
  • Luftgeschwindigkeit
  • Wärmestrahlung
  • energetische Arbeitsbelastung
  • Wärmeisolation der Bekleidung
  • Expositionszeit

Bei Kälte sollten die Schutzmaßnahmen mindestens sicherstellen, dass an keiner dieser Körperstellen Kopf, Gesicht (Nase, Kinn, Ohren), Händen (Finger) und Füßen (Zehen) die Hauttemperatur unter + 12 °C absinkt.

Bei Hitze ist die Luftfeuchtigkeit eine weitere Einflussgröße. Als Beurteilungsmaßstab im Hitzeklima können die Klimasummenmaße nach DIN 33403-3 dienen. Die zur Ermittlung der Klimasummenmaße erforderlichen Klimagrößen werden in DIN-Fachbericht 128 sowie DIN EN ISO 7726 beschrieben.

Bei unzureichenden Lüftungsmaßnahmen ist die Zunahme der CO2-Konzentration eine wichtige Einflussgröße. Konzentrationen unter 1000 ppm Kohlendioxid in der Raumluft als unbedenklich eingestuft, Konzentrationen zwischen 1000 und 2000 ppm als auffällig und Konzentrationen über 2000 ppm als inakzeptabel. Allerdings belasten auch andere Stoffe die Luft. Dazu gehören:

  • Stickoxide,
  • Kohlenwasserstoffe,
  • Aldehyde, Lösungsmittel aus Materialien und Baustoffen,
  • Wasserdampf aus Atmung und Transpiration des Menschen,
  • Kochen, Duschen, Waschen,
  • Abbauprodukte organischer Materialien,
  • menschliche, tierische und pflanzliche Geruchsstoffe ,
  • Aerosole,
  • organische und anorganische Stäube wie Textilfasern und Pollen Viren, Bakterien, Pilze und Pilzsporen.

Welche Schutzmaßnahmen sollten Berücksichtigung finden?

Kälte

  • Warmluftgeräte/Wärmeplatten zur Wiedererwärmung der Hände und Füße werden erforderlichenfalls beschafft und bereitgestellt
  • Torschleierbögen/Windfang werden erforderlichenfalls beschafft
  • Wärmestrahler werden erforderlichenfalls beschafft
  • Trockenschränke zum Vorwärmen, Trocknen und Erwärmen der Kleidung, Stiefel und Handschuhe werden erforderlichenfalls beschafft und eingesetzt
  • Überbaute Rampen mit möglichst klimadichtem Abschluss an Lastkraftwagen werden vorgesehen
  • Beheizbare Fahrerkabinen ggf. anschaffen (Stapler)
  • Angemessene Umkleideräume und erforderlichenfalls Aufwärmräume werden eingerichtet (ASR A 4.1)
  • Raumtemperatur in Sozial- und Sanitärräumen beträgt mindestens 21 °C, Räume sind trocken und zugluftfrei (ASR A 3.5)
  • beheizte Einhausungen/Bauwagen von Außenarbeitsplätzen werden bereitgestellt
  • Mobile anschlussfreie Toilettenkabinen werden in der Zeit vom 15.10. – 30.04. beheizt zur Verfügung gestellt (ASR A 4.1)
  • Kältebelastungen werden durch Witterungsbedingungen, Geräte oder Verfahren weitestgehend verhindert (u. a. Arbeitsanweisungen)
  • Empfohlene Kälteexpositions- und Aufwärmzeiten nach DIN 33 403-5 werden eingehalten
  • Lufttemperatur ist nicht niedriger als technologisch unbedingt erforderlich
  • Zugluft wird weitgehend vermieden (z. B. durch Abdichten von Fenstern / Türen bzw. Windschutz); geringe Luftgeschwindigkeit <0,2 ± 0,1 m/s ( DIN 33403-5) bei sitzenden oder stehenden Tätigkeiten
  • Thermokleidung (ggf. beheizbare Kälteschutzkleidung) wird in ausreichendem Maß bereitgestellt
  • Arbeitsteilung ist zwischen den Klimabereichen vorgesehen
  • Es wird eine Möglichkeit geschaffen, Kälteschutzkleidung abzulegen und zu trocknen
  • Zwischenlagerräume werden ggf. eingerichtet
  • Bei Temperaturen unter -25 °C eine arbeitsmedizinische Vorsorge aktiv schriftlich anbieten
  • Individuell geeignete Persönliche Schutzausrüstung (PSA) zur Verfügung stellen
  • Kontaktkälte möglichst vermeiden

Hitze

  • Lüftungsanlagen werden beschafft und installiert (zum Beispiel Ventilatoren, Luftduschen)
  • Arbeitsbereiche werden klimatisiert (RLT Anlage)
  • Wärmestrahlung wird verringert (z. B. durch Anlagenkapselung, Schutzgläser, Kühlung von Antrieben, Drahtgewebe, Hitzeschutzschirm, Kettenvorhänge)
  • Sonneneinstrahlung wird abschirmt (z. B. durch bauliche Einrichtungen, Jalousien, Dachüberstände, Auskragungen, absorbierendes oder reflektierendes Fensterglas)
  • Eine ausreichende natürliche Lüftung wird ermöglicht
  • Arbeitsschwere wird reduziert oder in die frühen Morgenstunden verlagert
  • Flexible Arbeitszeiten, sowie ein früher Arbeitsbeginn wird ermöglicht.
  • Eine langsame Gewöhnung an Hitzearbeit (Akklimatisation) und eine ausreichende Getränkeaufnahme wird ermöglicht
  • Viele kurze Pausen (mindestens 10 Minuten) werden eingeplant
  • Wasser wird kostenlos zur Verfügung gestellt
  • Abschirmungsmaßnahmen gegen Sonneneinstrahlungen werden bestimmungsgemäß genutzt
  • Steuerständen oder Kabinen wird gekühlte Luft zugeführt. Die Temperaturdifferenz zwischen dem gekühlten Raum und der Umgebung sollte nicht mehr als 4 bis 6°C betragen.
  • Für Beschäftigte die Tätigkeiten mit extremer Hitzebelastung ausüben, ist regelmäßig arbeitsmedizinische Vorsorge nach ArbMedVV zu veranlassen
  • Bei schweren Arbeiten besondere Personengruppen (u. a. Herz-Kreislauf-Erkrankte) berücksichtigen
  • Erforderliche Individuell geeignete Persönliche Schutzausrüstung (PSA) zur Verfügung stellen
  • Beschäftigte, die Tätigkeiten mit extremer Hitzebelastung ausüben, sollten die arbeitsmedizinische Vorsorge nach ArbMedVV wahrnehmen.

Unzureichende Lüftung

  • Bei der Einrichtung wurden die Vorgaben der Technischen Regel für Arbeitsstätten ASR A 3.6 eingehalten
  • Lüftungsanlagen/Klimaanlagen werden regelmäßig gereinigt und gewartet; Mängel umgehend abgestellt
  • Die Eistellung der Lüftungsanlagen/Klimaanlagen ist optimal (Luftwechsel, Luftgeschwindigkeit)
  • Raumlüftungskonzept überarbeiten
  • Lüftungsanlagen/Klimaanlagen werden regelmäßig gereinigt und gewartet, Mängel umgehend abgestellt
  • Fenster, Türen können uneingeschränkt geöffnet werden
  • Mangel umgehend melden; nach Möglichkeit an die frische Luft gehen, ggf. Betriebsarzt kontaktieren

 

Autor: Stefan Johannsen, Diplom-Biologe

 

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