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Sicherheitsanforderungen an Büro-Arbeitstische, Büroschränke und aufrüstbare Raumgliederungselemente | 15.11.2021

Das Mobiliar an Büroarbeitsplätzen muss laut Produktsicherheitsgesetz (ProdSG) sicherheitstechnischen und ergonomischen Mindestanforderungen entsprechen, was auch bei der Prüfung von Büroarbeitstischen, Büroschränken und aufrüstbaren Raumgliederungselementen konkretisiert und nachvollziehbar dokumentiert werden muss.

Aufgrund rechtlicher Anpassungen hat die DVGU die Vorgaben aus dem DIN Fachbericht 47 „Anforderungen und Prüfungen von Büromöbeln – Leitfaden für die Sicherheitsanforderungen an Büro-Arbeitstische und Büroschränke in Deutschland“ vom Juni 2006 zurückgezogen und die darin enthaltenen Punkte im DGUV Grundsatz 315-410 übernommen und den neuen Anforderungen angepasst. Dadurch soll der Arbeits- und Gesundheitsschutz weiterhin auf dem etablierten Niveau erhalten bleiben.

In diesem Beitrag fassen wir die wichtigsten Inhalte des neuen Grundsatzes kurz zusammen.

 

Anforderungen – Allgemeines

Im Rahmen der europäischen Normenvergabe wird die Sicherheit, Festigkeit und Dauerhaltbarkeit von Büro-Arbeitstischen, Büroschränken und Raumgliederungselementen gemäß dieser DIN Normen klassifiziert:

  • DIN EN 527 „Büromöbel – Büro-Arbeitstische“
  • DIN EN 14073 „Büromöbel – Büroschränke“
  • DIN EN 14074 „Büromöbel – Büro-Arbeitstische und Büroschränke“
  • DIN EN 1023 „Raumgliederungselemente“

Der DGUV Grundsatz 315-410 konzentriert sich in erster Linie auf Aspekte der Nutzung, die in den DIN-Normen nicht abgedeckt werden. Dazu gehören beispielsweise ergonomische Grundregeln der sicheren Gestaltung, Aspekte langfristiger Nutzbarkeit sowie ungünstige Betriebszustände. Dabei stützt sich der Grundsatz auf weitere Normen, anhand deren die Bewertung erfolgt. Nachfolgend werden einige wichtige Aspekte kurz beschrieben.

 

Ecken und Kantengestaltung

Bei der Gestaltung von Ecken und Kanten gilt es, die Formgebung der Möbel so anzulegen, dass Verletzungen vermieden werden. Dazu ist es wichtig, dass diese Ecken und Kanten mit einem Radius von mind. 2,0 mm gerundet sein müssen und bei der Verwendung eines Anleimers/Kantenbandes an der Arbeitsfläche die Mindestdicke dieses Bandes mindestens 2,0 mm beträgt. Die Prüfung erfolgt mit einer Radiusschablone.

 

Außenflächen

Bei der Bewertung von Außenflächen gilt es, drei Grundkriterien im Blick zu behalten. Dazu gehören der Oberflächenglanz, Oberflächenhelligkeit und Oberflächenbeschaffenheit. Oberflächen im Blickfeld der Beschäftigten dürfen nicht

  • glänzen (die Oberfläche darf nicht höher als seidenmatt eingestuft werden),
  • zu hell oder zu dunkel sein (mittlerer Reflexionsgrad nicht geringer als 0,15 und nicht höher als 0,75)
  • und außerdem keine unzuträgliche Wärmeableitung zulassen (≤ 0,7 Watt/mK).

 

Verbindungen

Feste und lösbare Verbindungen zwischen Bauelementen und Bestandteilen von Möbeln müssen so funktionieren, dass sie sich beim Verschieben im Raum nicht lösen oder sonstige Schäden auftreten. Dieselben Kriterien gelten für unbelastete Schränke.

Verbindungen, die für den Austausch, die Montage und Demontage müssen bei mind. 5-maligem Umbau noch funktional sein. Schweiß- und Hartlot-Verbindungen müssen am fertigen Teil an zugänglichen Stellen geglättet sein und dürfen keine Rückstände enthalten.

 

Schwingungsprüfung

Die Konstruktion der Büromöbel muss sicherstellen, dass keine störenden Schwingungen auftreten können. Dazu gehört beispielsweise das Anstoßen von Tischplatten, die als störend und dadurch nicht als ergonomisch eingestuft werden. Die Bewertung erfolgt anhand der Auslenkung und Schwingungsdauer.

 

Standsicherheit

Die Standsicherheit muss in jedem Zustand, in welchen die Büromöbel gebracht werden können, gewährleistet sein. Dies gilt daher auch für den Zustand, in dem alle bestimmungsgemäßen Auszüge getätigt wurden. Grundsätzlich kann die Standsicherheit durch ein entsprechendes Eigengewicht oder auch eine Ausziehsperre erreicht werden. Unterkonstruktionen dürfen nicht über die Außenkontur hinausragen.

 

Ergänzend zur DIN 527-2 gelten folgende Anforderungen an Büro-Arbeitstische:

  • Tische dürfen nicht umkippen, wenn Sie an der ungünstigsten Stelle der Tischplattenkante mit 75 kg belastet werden.
  • Bei Ausrüstung mit Auszügen werden zusätzlich nur die gleichzeitig zu öffnenden Auszüge mit einer Prüflast nach DIN EN 527-2 so beladen, dass ein Umkippen am wahrscheinlichsten ist.
  • Es wird keine zusätzliche vertikale Kraft auf die Tischplatte oder geöffnete Elemente aufgebracht.

 

Für Büroschränke gilt ergänzend zur DIN EN 14073-3, dass Stauflächen und Stauräume in jede mögliche Stellung gebracht werden müssen, um den ungünstigsten Fall der Standsicherheit zu simulieren. Eine zusätzliche vertikale Kraft auf beladene und geöffnete Elemente wird nicht angebracht. Als standsicher gelten Schränke dann, wenn

  • Bei Schränken mit Flügeltüren die Höhe der obersten Ablage über der Standfläche nicht mehr als das Vierfache der Socken-/Gestelltiefe beträgt,
  • Schränke ohne Türen (Regale) wenn die Höhe der obersten Ablage über der Standfläche nicht mehr als das Fünffache der Sockel-/Gestelltiefe beträgt.

 

Es ist unbedingt zu beachten, dass abgesehen von der Nutzlast auch die auftretenden Kräfte beim Hineinlegen und Herausnehmen von Materialien berücksichtigt werden müssen. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn das erforderliche Tiefen-/Höhenverhältnis überschritten wird.

 

Quelle: ls | https://publikationen.dguv.de/

 

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