Steharbeitsplatz - Gesundheitsgefährdung durch andauernde Steharbeit

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Steharbeitsplatz - Gesundheitsgefährdung durch andauernde Steharbeit | 12.09.2016

Andauernde Stehbelastung ohne zeitweilige Entlastung durch Gehen oder Sitzen bzw. ohne die Möglichkeit, sich wenige Zentimeter zur Seite, nach vorn, nach hinten zu bewegen findet in unterschiedlichem Ausmaß statt bei Arbeitsplätzen in den Wirtschaftszweigen Bereich Bau, Fertigung, Dienstleistung (z.B. Verkauf, Friseurhandwerk, Bäckereien, Floristen) Verwaltung, Technik.

Sie bedeutet eine erhöhte statische Muskelarbeit zur Aufrechterhaltung der Körperhaltung sowie eine stärkere Beanspruchung des Kreislaufsystems. Sie belastet vor allem

  • Das Muskel- und Skelettsystem des Rumpfes und der Beine (Blutzirkulation)
  • die Wirbelsäule inklusive Bandscheiben durch Haltungsschwäche und Fehlhaltung
  • Nacken und Schultermuskeln
  • Hüft-, Knie- und Fußgelenke (Besonders Fußgewölbe)

Zusätzlich wird das Herz-Kreislaufsystem (u.a. Beinvenen) stärker beansprucht und der Energieverbrauch ist höher als im Sitzen.

Steharbeitsplaetze

Die meisten dadurch bewirkten Veränderungen sind zunächst funktioneller Natur und reversibel, sie können jedoch als langzeitige Folge in chronische Zustände übergehen. Übergewicht, Tragen von ungeeignetem Schuhwerk und harte Fußböden können die Entstehung von Rückenschmerzen, Kreislauferkrankungen und Krampfadern begünstigen. Als Komplikation besteht die Gefahr von Thrombosen, Venenentzündungen und schlecht heilenden Geschwürbildungen („offenes Bein“)

Grundregeln bei Einrichtung eines Steharbeitsplatzes sind:

  • Körperhaltung aufrecht,
  • Oberarme senkrecht nach unten,
  • Zwischen Ober- und Unterarm ein rechter Winkel oder größer sowie Kopf- und Blickneigung zusammen ca. 30 bis 35°.

Andauernde Steharbeit kann die Gesundheit beeinträchtigen. Dieses muss der Arbeitgeber in seiner Gefährdungsbeurteilung erkennen und weitestgehend zu minimieren. Für jede einzelne Teiltätigkeit ist deshalb zu prüfen, ob die stehende Arbeitshaltung wirklich notwendig bzw. empfehlenswert ist.

  • An jedem Arbeitsplatz sind unverstellte Bewegungsfreiräume bzw. Bewegungsflächen erforderlich, die wechselnde Arbeitshaltungen und Ausgleichsbewegungen ermöglichen (ASR A 1.2),
  • Soweit sich andauernde Steharbeit über mehr als 4 Stunden nicht vermeiden lässt, müssen die Fußböden an den Steharbeitsplätzen ausreichend wärmegedämmt und mit elastischem Bodenbelag ausgestattet sein (z.B. Antiermüdungsmatten),
  • Zusätzlich können angepasste Kompressionssocken oder –strümpfe zu einer Entlastung beitragen (Betriebsarzt konsultieren),
  • Geeignetes Schuhwerk tragen (gut bewegliche Sohle, geringe Absatzhöhe, breiter Absatz),
  • Vom Arbeitgeber sind Arbeitsmittel bereitzustellen, die nach ergonomischen Gesichtspunkten ausgewählt sind und in geeigneter Arbeitshaltung benutzt werden können, z.B. Stehhilfen bei ausreichend großem Beinraum und eine Arbeitsaufgabe innerhalb Armreichweite (§ 3 Abs. 2 Nr.1 BetrSichV),
  • Die Arbeitsmittel sollten einen Wechsel zwischen Sitzen, Stehen und Gehen ermöglichen,
  • Einseitige Belastungen wie z. B. andauernde Steharbeit, die zu vorzeitiger Ermüdung führen können, sind zu vermeiden.

Das Ziel einer ergonomischen Arbeitsgestaltung ist es, einen gelegentlichen Wechsel zwischen Sitzen, Stehen und Gehen zu ermöglichen.

Für jede Arbeitshaltung sind geeignete Abstützmöglichkeiten vorzusehen und ausreichend Raum für Ausgleichsbewegungen zu schaffen, die die Belastung durch statische Haltearbeit mindern.

Die Maße am Arbeitsplatz müssen den Körpermaßen der Nutzer entsprechen. Die Gestaltung der Maschine, des Arbeitsplatzes, der Aufgabe und der Arbeitsmittel muss eine ausreichende Bewegungsfreiheit ermöglichen. Der Beschäftigte sollte frei zwischen der sitzenden und stehenden Arbeitshaltung wechseln können.

Was können Beschäftigte tun?

Beschäftigte, die andauernd im Stehen arbeiten, sollten das Muskel-Skelett-System wechselnd belasten. Dazu gehören:

  • Symmetrisches Belasten beider Beine,
  • Stehen im hüftweit gespreizten Stand,
  • Abwechselnde Belastung von Stand- und Spielbein,
  • Spielbein erhöht ablegen,
  • Anlehnen bzw. Abstützen des Oberkörpers,
  • Entlastungs- und Entspannungsübungen.

Hinweise für Arbeitgeber:

  • Ist andauernde Steharbeit ohne wirksame Bewegungsmöglichkeit über mehr als vier Stunden nicht mit technischen oder organisatorischen Mitteln zu vermeiden, muss der Arbeitgeber geeignetes Schuhwerk als persönliche Schutzmaßnahme (TOP-Prinzip) zur Verfügung stellen.
  • Andauernde Steharbeit soweit sie täglich vier Stunden überschreitet, ist für Schwangere nach Ablauf des 5. Schwangerschaftsmonats verboten. Stehen mit der Möglichkeit sich frei zu bewegen, fällt nicht unter andauernde Steharbeit.
  • Bei Jugendlichen kann die Herz-Kreislauf-Regulation anfälliger, das Muskel-Skelett-System noch nicht ausgereift sein.
  • Vermindert belastbar sind in diesem Zusammenhang sind Beschäftigte, die auf Grund individueller Faktoren wie z.B. vorbestehender Skoliosen oder Bindegewebsschwächen leistungsgemindert sind.
  • Binden Sie, bei Bedarf, das Thema bei ihrem nächsten Gesundheitstag mit ein.

Stefan Johannsen, Diplom Biologe

 

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