Arbeitsmedizinische Prävention – Beteiligung des Betriebsarztes an der Gefährdungsbeurteilung und Durchführung von arbeitsmedizinischer Beratung im Rahmen der Unterweisung

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Arbeitsmedizinische Prävention – Beteiligung des Betriebsarztes an der Gefährdungsbeurteilung und Durchführung von arbeitsmedizinischer Beratung im Rahmen der Unterweisung | 30.05.2017

Gemäß § 9 Absatz 4 der Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge Arbeitsmedizinische Prävention hat das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) die vom Ausschuss für Arbeitsmedizin (AfAMed) beschlossene Arbeitsmedizinische Regel AMR 3.2 „Arbeitsmedizinische Prävention“ im GMBl Nr. 7, 15 im März 2017 bekannt gemacht.

Diese AMR konkretisiert im Rahmen ihres Anwendungsbereichs die Anforderungen des § 3 Absatz 1 Satz 1 der Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge (ArbMedVV).

Die AMR 3.2 „Arbeitsmedizinische Prävention“ regelt die Einbindung des arbeitsmedizinischen Sachverstandes des Betriebsarztes bezogen auf die Gefährdungsbeurteilung und die arbeitsmedizinische Beratung im Rahmen der Unterweisung der Beschäftigten.

  • Der Arbeitgeber hat die Erforderlichkeit der Beteiligung eines Arztes, vorrangig des Betriebsarztes, an der Gefährdungsbeurteilung zu prüfen, beispielsweise zu schädigenden Eigenschaften eines Gefahr- bzw. Biostoffes oder zu Belastungen durch das Tragen von persönlicher Schutzausrüstung
  • Zu den Beratungsinhalten gehören insbesondere, soweit relevant:
    • Substitutionsprüfung,
    • krebserzeugende Eigenschaften, toxische Eigenschaften, sensibilisierende Eigenschaften,
    • Wechsel- und Kombinationswirkung von Gefahr- oder Biostoffen,
    • chronisch schädigende Eigenschaften,
    • Aufnahmewege, Infektionswege, Aufnahmerate,
    • Hautbelastung durch Feuchtarbeit
    • Hautschutz (zum Beispiel Hautschutzpläne),
    • physikalische Einwirkungen,
    • Arbeitsumgebungsbedingungen (zum Beispiel Klima, Beleuchtung),
    • Einsatz persönlicher Schutzausrüstung einschließlich der Notwendigkeit,
    • Die Geeignetheit und die Tragebedingungen von persönlicher Schutzausrüstung
    • Organisation spezifischer Erste-Hilfe-Maßnahmen (zum Beispiel Dekontamination, Antidote) und der Postexpositionsprophylaxe,
    • Arbeitsorganisation einschließlich Arbeitszeit, Arbeitsschwere,
    • Ergonomie,
    • Arbeitspsychologie und psychische Belastungen,
    • arbeitsmedizinische Vorsorge einschließlich Impfangebot und Biomonitoring,
    • Besonderheiten für besondere Personengruppen (u.a. Mutterschutz, Jugendliche)

Nach Maßgabe der Arbeitsschutzverordnungen (derzeit BioStoffV, GefStoffV, LärmVibrationsArbSchV, OStrV) und der hierzu veröffentlichten Technischen Regeln hat der Arbeitgeber sicherzustellen, dass die Beschäftigten eine allgemeine arbeitsmedizinische bzw. eine allgemeine arbeitsmedizinisch-toxikologische Beratung erhalten. Diese erfolgt auf der Grundlage der Gefährdungsbeurteilung.

Zu dieser gehören, soweit relevant:

  • Informationen über Aufnahmewege,
  • Übertragungs- und Infektionswege,
  • Informationen über Wirkungen,
  • Erläuterungen zu möglichen Kombinationswirkungen,
  • medizinische Faktoren, die zu einer Erhöhung der Gefährdung führen können, z. B. bestimmte Vorerkrankungen oder Dispositionen,
  • mögliche Wechselwirkungen mit Medikamenten,
  • Krankheitsbild/Symptome einschließlich Beschreibung des Wirkortes
  • zeitliche Zusammenhänge der Beschwerden mit der entsprechenden Tätigkeit,
  • Möglichkeiten der Chemo- bzw. Impfprophylaxe,
  • medizinische Aspekte des Gebrauchs von persönlicher Schutzausrüstung, einschließlich Handhabung, maximale Tragzeiten und Wechselturnus und mögliche Belastungen,
  • Verhaltensregeln zur Arbeitsgestaltung, zum Beispiel Wechsel der Arbeitsweise, eingeschobene Expositionspausen,
  • die Problematik der Feuchtarbeit einschließlich der Hautschutz- und Hautpflegemaßnahmen,
  • konsequente Umsetzung von Hygienemaßnahmen,
  • weitere Maßnahmen zur Verhältnis- und Verhaltensprävention, etwa zu Essen, Trinken und Rauchen am Arbeitsplatz,
  • Information über Inhalt und Ziel der arbeitsmedizinischen Vorsorge einschließlich Biomonitoring und Impfangebot,
  • Sofortmaßnahmen (besondere Maßnahmen der Ersten Hilfe) und Maßnahmen der postexpositionellen Prophylaxe sowie das weitere Vorgehen,
  • Information zu Verhaltensweisen bei Erkrankungsverdacht mit Hinweis auf arbeitsmedizinische Beratungsmöglichkeit,
  • Information über das Recht auf Wunschvorsorge.

 

Autor: Stefan Johannsen, Diplom-Biologe

 

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