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News | 26.08.2020

Die ASR A3.6 konkretisiert die Anforderungen an die Lüftung in Arbeitsstätten gemäß § 3a Abs. 1 und § 4 Abs. 3 sowie Punkt 3.6 des Anhangs der Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV). Wir geben Ihnen einen Überblick über die wichtigsten Inhalte und und informieren Sie über aktuelle Spezifikationen durch die neue SARS-CoV-2-Arbeitsschutzregel. 

Welchen Anwendungsbereich hat die bestehende ASR A3.6?

Zunächst ein Überblick zu den wichtigsten Regelungen, die die bestehende ASR A3.6 vorsieht:

Die ASR A3.6 ist, wie die weiteren, bereits veröffentlichten Technischen Regeln, mit der Vermutungswirkung belegt. Das bedeutet: Treffen Unternehmer und Arbeitgeber andere Maßnahmen als die in der Regel beschriebenen, so müssen sie deren Gleichwertigkeit für das Erreichen der Schutzziele der ArbStättV beweisen können.

Zum Inhalt:

Laut der ASR A3.6 wird unter dem Begriff "Lüftung" die Anreicherung bzw. der Austausch der Raumluft durch eine Zufuhr von Außenluft verstanden. Hierfür kann entweder eine freie Lüftung oder eine Lüftung durch Raumlufttechnische Anlagen eingesetzt werden. Zur freien Lüftung zählen dabei zum Beispiel die Fensterlüftung, Schachtlüftung oder Dachaufsatzlüftung, wobei ein Druckunterschied durch Wind oder Temperaturdifferenzen zwischen außen und innen genutzt wird. Raumlufttechnische Anlagen (RLT-Anlagen) sind hingegen Anlagen, die über eine maschinelle Förderung der Luft, der Luftreinigung (Filter) und einer thermodynamischen Luftbehandlungsfunktion wie Heizen, Kühlen, Befeuchten oder Entfeuchten verfügen.

 

Mit der Begrifflichkeit "Luftqualität" kommen Grundsätze und genaue Spezifizierungen zur Raumluftqualität hinzu. Der Ansatz ist klar: Hier werden Hilfestellungen zur Beurteilung und zum Definieren von Maßnahmen gegeben, die im Hinblick auf die allgemeinen Gefährdungsbeurteilungen von großem Nutzen sind. Hier wird bspw. auch beschrieben, dass umschlossene Arbeitsräume stets über ausreichend gesundheitlich zuträgliche Atemluft verfügen müssen. Meist entspricht dies der Außenluftqualität. Sollte diese jedoch unzulässig belastet sein, müssen im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung besondere Maßnahmen zur Verbesserung der Luftqualität ergriffen werden.

 

Die ASR A3.6 geht außerdem auf verschiedene Arten von Belastungen der Raumluft ein, darunter unter anderem die Stofflasten, welche durch die Anwesenheit von Personen entstehen können. Bei Personen als Verursacher der Stofflasten im Raum bietet sich ein Prüfen der CO2-Konzentration zur Bewertung der Luftqualität an. Ab einer Konzentration von 1000 ppm COsolten hier Maßnahmen getroffen und in der Gefährdungsbeurteilung dokumentiert werden. 

 

Feuchtelast

 Feuchtelasten entstehen bspw. durch Wasserdampfabgabe aus Prozessen oder durch anwesende Personen. Je nach Temperatur dürfen bestimmte Werte nicht überschritten werden (bei +26 °C bspw. nicht mehr als 55%), wobei dies nicht für Räumlichkeiten gilt, die naturgemäß eine höhere Luftfeuchte erfordern wie in der Lebensmittelherstellung oder in Schwimmbädern.

Wärmelast

Die Wärmelast ist eine weitere Form der stofflichen Belastung. Sie entsteht durch Geräte und Maschinen, Sonneneinstrahlung, künstliche Beleuchtung oder ebenfalls durch die Anwesenheit von Personen.

 

Freie Lüftung

Unter Abschnitt 5 wird die sog. Freie Lüftung behandelt.

Die Fensterlüftung ist die einfachste Form der freien Lüftung. Sie kann nach der ASR A3.6 als Stoßlüftung oder kontinuierliche Lüftung erfolgen.

Stoßlüftung

Bei der sog. Stoßlüftung wird der kurzzeitige (ca. 3 bis 10 Minuten), intensive Luftaustausch zur Beseitigung von Lasten aus Arbeitsräumen verstanden. Empfohlen wird, in regelmäßigen Abständen nach Bedarf die Stoßlüftung durchzuführen und sich an den folgenden Regeln zu orientieren:

  • Büroräume: nach 60 Minuten
  • Besprechungsräume: nach 20 Minuten

Wie lange eine Stoßlüftung mindestens zu erfolgen hat, ist von der Temperaturdifferenz zwischen innen und außen und dem Wind abhängig. Im Winter ist demnach eine kürzere Dauer notwendig als im Sommer. 

 

Welche Anpassungen sind laut SARS-CoV-2-Arbeitsschutzregel notwendig?

Die SARS-CoV-2-Arbeitsschutzregel greift unter 4.2.3 Lüftung die grundlegenden Anforderungen aus der Arbeitsstättenregel ASR A3.6 auf und gibt weitere Empfehlungen zur Anpassung aufgrund der epidemischen Lage. 

 

Verstärktes Lüften

Die Konzentration von in der Raumluft möglicherweise vorhandenen virenbelasteten Aerosolen soll reduziert werden durch:

  • Die Erhöhung der Frequenz
  • Die Ausdehnung der Lüftungszeiten
  • Die Erhöhung des Luftvolumenstroms

 

 Luftqualität prüfen

Wer die Luftqualität prüfen möchte, kann dies durch eine CO2-Messung vornehmen. In der epidemischen Lage ist der Wert der ASR A3.6 von 1000 ppm soweit möglich zu unterschreiten.

 

Fensterlüftung

Während der pandemischen Lage sollte die in der ASR A3.6 genannten Frequenz grundsätzlich erhöht werden und durch Stoßlüften über die gesamte Öffnungsfläche der Fenster erfolgen. Die SARS-CoV-2-Arbeitsschutzregel empfiehlt dabei eine Dauer von 3 bis 10 Minuten. In Besprechungsräumen soll zudem auch vor der Benutzung gelüftet werden. 

 

Lüftung über RLT-Anlagen

Bei Verwendung geeigneter Filter oder bei der Zuführung eines ausreichend hohen Außenluftanteils ist die Gefährdung durch Viren laut der SARS-CoV-2-Arbeitsschutzregel als gering einzustufen. Werden RLT-Anlagen verwendet, sollten diese durchgehend laufen, damit sich die Konzentration an Viren durch eine Abschaltung zwischenzeitlich nicht erhöht. Geeignete Filter sind bspw. Schwebstofffilter (High Efficiency Particulate Air/HEPA-Filter). Im Betrieb mit Außenluftanteil ist dieser zu erhöhen, um die Konzentration von virenbelasteten Aerosolen im Raum möglichst zu reduzieren. In Sanitärräumen sollten RLT-Anlagen während den Betriebszeiten dauerhaft betrieben werden.

 

Einsatz von Ventilatoren

Ventilatoren als Anlagen zur persönlichen Kühlung oder Geräte zur Erwärmung (Heizlüfter) sind laut SARS-CoV-2-Arbeitsschutzregel nur in Räumen mit Einzelbelegung zulässig. Sie nutzen keine Außenluft oder Luftaustausch zur Absenkung von Aerosolkonzentrationen, sondern verteilen diese tendenziell eher im Raum.

 

Quelle: ls | www.baua.de

 

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