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News | 25.01.2021

Die ASR A3.6 konkretisiert die Anforderungen an die Lüftung in Arbeitsstätten gemäß § 3a Abs. 1 und § 4 Abs. 3 sowie Punkt 3.6 des Anhangs der Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV). Wir geben Ihnen einen Überblick über die wichtigsten Inhalte und informieren Sie über Spezifikationen durch die Vorabversion der abgeänderten SARS-CoV-2-Arbeitsschutzregel (Stand Dezember 2020). Diese ist bislang noch nicht im GMBL erschienen, tritt aber voraussichtlich in Kürze in Kraft.

 

Zum Inhalt der ASR A3.6

Laut der ASR A3.6 wird unter dem Begriff "Lüftung" die Anreicherung/der Austausch der Raumluft durch d Zufuhr von Außenluft verstanden. Hierfür kann entweder eine freie Lüftung oder eine Lüftung durch Raumlufttechnische Anlagen (RLT-Anlagen) eingesetzt werden. RLT-Anlagen sind Anlagen, die über eine maschinelle Förderung der Luft, der Luftreinigung (Filter) und einer thermodynamischen Luftbehandlungsfunktion wie Heizen, Kühlen, Befeuchten oder Entfeuchten verfügen. Zur freien Lüftung zählen z. B. die Fensterlüftung der Schachtlüftung, wobei ein Druckunterschied durch Wind oder Temperaturdifferenzen zwischen außen und innen genutzt wird. 

Mit der Begrifflichkeit "Luftqualität" kommen genaue Spezifizierungen zur Raumluftqualität hinzu. Der Ansatz ist klar: Hier werden Hilfestellungen zur Beurteilung und zum Definieren von Maßnahmen gegeben, die im Hinblick auf die allgemeinen Gefährdungsbeurteilungen von großem Nutzen sind. Es wird z. B. auch beschrieben, dass umschlossene Arbeitsräume stets über ausreichend gesundheitlich zuträgliche Atemluft verfügen müssen. Meist entspricht dies der Außenluftqualität. Sollte diese jedoch unzulässig belastet sein, müssen im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung besondere Maßnahmen zur Verbesserung der Luftqualität ergriffen werden.

Die ASR A3.6 geht außerdem auf verschiedene Arten von Belastungen der Raumluft ein, darunter u. a. die Stofflasten. Bei Personen als Verursacher der Stofflasten im Raum bietet sich ein Prüfen der CO2-Konzentration zur Bewertung der Luftqualität an. Ab einer Konzentration von 1000 ppm COsollten hier Maßnahmen getroffen und in der Gefährdungsbeurteilung dokumentiert werden. 

  

Stoßlüftung

Bei der sog. Stoßlüftung wird der kurzzeitige intensive Luftaustausch zur Beseitigung von Lasten aus Arbeitsräumen verstanden. Empfohlen wird, in regelmäßigen Abständen nach Bedarf die Stoßlüftung durchzuführen und sich an den folgenden Regeln zu orientieren:

  • Büroräume: nach 60 Minuten
  • Besprechungsräume: nach 20 Minuten

Wie lange eine Stoßlüftung mindestens zu erfolgen hat, ist von der Temperaturdifferenz zwischen innen und außen und dem Wind abhängig. Im Winter ist demnach eine kürzere Dauer notwendig als im Sommer. 

 

Welche Anpassungen sind laut SARS-CoV-2-Arbeitsschutzregel notwendig?

Die SARS-CoV-2-Arbeitsschutzregel greift unter Punkt 4.2.3 die grundlegenden Anforderungen aus der Arbeitsstättenregel ASR A3.6 auf und gibt weitere Empfehlungen zur Anpassung aufgrund der epidemischen Lage. 

 

Verstärktes Lüften

Die potentiell virenbelastete Raumluft soll durch die Zuführung von kontaminationsfreier Außenluft ersetzt werden. Dies erfolgt durch

  • die Erhöhung der Lüftungshäufigkeit,
  • die Ausdehnung der Lüftungszeiten und
  • die Erhöhung des Luftvolumenstroms

Luftqualität prüfen

Wer die Luftqualität prüfen möchte, kann dies durch eine CO2-Messung vornehmen. In der epidemischen Lage ist der Wert der ASR A3.6 von 1000 ppm zu unterschreiten. Einfache Messgeräte wie CO2-Ampeln sind ausreichend. Lüftungsintervalle können berechnet werden in Bezug auf Raumvolumen, Personenbelegung, körperlicher Aktivität und Luftwechsel. Lüftungsrechner oder auch Apps können bei der Berechnung der Lüftungsintervalle unterstützen. Weitere Informationen finden Sie u. a. hier:

- BGN-Lüftungsrechner: https://www.bgn.de/lueftungsrechner/

- CO2-App (Rechner und Timer): https://www.dguv.de/ifa/praxishilfen/innenraumarbeits-plaetze/raumluftqualitaet/co2-app/index.jsp

 

Fensterlüftung

Während der pandemischen Lage sollte die in der ASR A3.6 genannten Lüftungshäufigkeit grundsätzlich erhöht werden und durch Stoßlüften (Querlüften) über die gesamte Öffnungsfläche der Fenster erfolgen. Die SARS-CoV-2-Arbeitsschutzregel empfiehlt dabei eine Dauer von mind. 3 Minuten im Winter und mind. 10 Minuten im Sommer. In Besprechungsräumen soll zudem auch vor der Benutzung gelüftet werden. 

 

Lüftung über RLT-Anlagen

Sind RLT-Anlagen nicht dauerhaft in Betrieb, sind die Betriebszeiten dieser vor und nach der Benutzung der Räume zu verlängern. Für Büroräume bedeutet dies z. B. eine Verlängerung von circa zwei Stunden. Insgesamt wird das Übertragungsrisiko von SARS-CoV-2 durch RLT-Anlagen als gering eingestuft, wenn sichergestellt ist, dass die Anlagen sachgerecht eingerichtet, betrieben und instandgehalten werden. Die Virenkonzentration kann dabei durch geeignete Filter verringert werden:

Schwebestofffilter der Klasse H13 oder H14 (HEPA Filter) nach DIN EN 1822-1:2019 eigenen sich als Filter zur Abscheidung von Viren und virenbelasteten Aerosolen. Auch Feinstaubfilter der Gruppe ISO ePM1 >70 % oder ISO ePM1 >80 % reduzieren die Konzentration der virenbelasteten Aerosole.

 

Einsatz von Ventilatoren

Werden Sekundärluftgeräte wie Ventilatoren, Klimageräte oder Heizlüfter eingesetzt, dann muss ein ausreichender Austausch der Innenraumluft mit der Außenluft sichergestellt werden. Es sollte jedoch beachtet werden, dass solche Geräte nur nach einer erfolgten Gefährdungsbeurteilung in Räumen mit Mehrpersonenbelegung verwendet werden. Denn die luftstromlenkenden Geräte können die virenbelasteten Aerosole zu anderen Personen leiten.

 

Quelle: ls | www.baua.de

 

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