Warenlager – Regalanlagen müssen regelmäßig geprüft werden

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Warenlager – Regalanlagen müssen regelmäßig geprüft werden | 02.08.2017

Vor etwa 50 Jahren bestanden Regale noch aus 6-7mm dicken Walzstahl und haben sich aus den Archiven, in den versicherten Betrieben der Verwaltungsberufsgenossenschaft zum Bereich Großhandel und Lagerei, also vielen Betrieben, die bei der Berufsgenossenschaft für Handel und Warendistribution versichert sind, verschoben.

Regale bestehen heutzutage aus dünnerem, z. T. nur 2-3 mm dickem Metall und sind vornehmlich auf den Einfluss von Vertikalkräften ausgelegt. Horizontalkräfte durch das unsachgemäße Abladen von Lasten werden in Bezug auf Materialstärke und Standfestigkeit nicht berücksichtigt. Ebenfalls gibt es heutzutage eine Vielzahl von Staplertypen, die deutlich schwerer sind als noch vor 50 Jahren und durchaus 2-3 Tonnen wiegen können. Darüber hinaus ist die Artikelanzahl auf 60.000 Artikel (oftmals durch Folie eingeschrumpft) zuzüglich Aktionsware gestiegen, so dass Regalsysteme heutzutage einer höheren Belastung ausgesetzt sind.

Etwa 90 Prozent der Regalschäden werden durch das Anfahren von Staplern, einem plötzlich auftretenden Ereignis, im unteren Regalbereich verursacht. Diese können sich allerdings auf die gesamte Statik einer Regalanlage auswirken. Gabelzinkenkameras oder Höhenvorwahlgeräte, Wiegeeinrichtungen an Staplern, eine angemessene Beleuchtung sowie Ramm- und Stützenschutz an den Ecken und Kreuzungen von Regalgängen können sich mindernd auf die Schadenshäufigkeit und Schadensausmaß durch horizontale Kräfte auswirken.

Umso mehr müssen Betreiber von Regalanlagen auf gut ausgebildete Staplerfahrer/innen und auf die ausreichende Bemessung, Markierung und Freihaltung von Verkehrswegen achten. Mit einem halbtägigen Staplerkurs ist es in der Regel nicht getan!

Der DGUV Grundsatz 308-001 (ehem. BGG 925) beschreibt sehr gut, wie eine Staplerausbildung aussehen sollte. Darüber hinaus sind Betreiber gut beraten, die arbeitsmedizinische Vorsorge DGUV G 25 regelmäßig anzubieten bzw. im Arbeitsvertrag oder Betriebsvereinbarung festzuhalten.

Regalanlagen sind Arbeitsmittel. Deshalb muss vor Inbetriebnahme eine Gefährdungsbeurteilung nach Betriebssicherheitsverordnung i.V.m. der Betreibernorm DIN EN 15635 („Ortsfeste Regalsysteme aus Stahl“) unter Einbeziehung ProdSG (Herstellerinformationen), erfolgen, in der die Gefährdung für Beschäftigte und Dritte bewertet werden muss. Diese sollte regelmäßig (jährlich) aktualisiert werden. Auch kleine Regale aus Holz sind regelmäßig nach BetrSichV zu prüfen.

Dazu kann die Beantwortung folgender Fragen hilfreich sein:

  • Wofür wurde die Regalanlage konzipiert (u.a. Erdbebenklasse, Standort im Freien oder Tiefkühllager)?
  • Wurde das Regal nach Montageanleitung gebaut, überprüft und entsprechend Herstellervorgaben genutzt?
  • Womit wird kommissioniert (Wendekreis, Bedienung, Fahrerschutzdach)?
  • Wie häufig ist der Lastumschlag?
  • Ist das Personal angemessen ausgebildet?
  • Ist leicht erkennbar, welche Lasten eingelagert werden können?
  • Wurden bereits Reparaturen durchgeführt, Teile ausgewechselt? (ohne Genehmigung des Herstellers, ggf. Statikers)

Im Zuge dessen muss der Arbeitgeber die Arbeitsschutzpflichten rund um Regalanlagen auf einen Lagerverantwortlichen (Betriebsleiter) schriftlich übertragen. Diese Person muss die Bedienungsanleitung (Übergabezertifikat: Montage und Aufbau) jederzeit einsehen können. Bei gebrauchten Regalanlagen muss diese vom Hersteller ggf. angefordert werden.

Aus den Gefährdungen, die von dem jeweiligen Regalsystem ausgehen ist ein Prüfungs- und Wartungssystem abzuleiten und optimaler Weise ein Szenario durchzuführen, wie sich im Falle von Regalschäden, die eine Leerräumung und eine Sperrung von Regalabschnitten zur Folge haben, angemessen verhalten werden soll (Absperrband, Gitter, Lager-EDV).

Jegliche Manipulation an der Regalanlage muss im Vorwege mit dem Hersteller nachweislich abgestimmt worden sein.
Ebenfalls ist bei gesonderten Regalböden, z. B. aus Holz bestehen, die Tragfähigkeit und Geeignetheit für die Regalanlage in Rücksprache mit dem Hersteller, bescheinigen zu lassen.

Wird ein Regal von einer Fachfirma repariert, muss diese schriftlich bescheinigen, dass die Standfestigkeit entsprechend den Herstellervorgaben gewährleistet ist. Der Reparateur trägt die Verantwortung für die Reparatur.

Ein Regalsystem muss mindestens jährlich (in Abhängigkeit vom Warendurchsatz) durch eine befähigte Person (Regalprüfer) geprüft werden (TRBS 1203)
Dabei sollte ein detailliertes Prüfprotokoll(-bericht) an den Betreiber ausgehändigt und verformte Regalstützen sowie Aussteifungselemente, entsprechend DIN EN 15635, entsprechend Gefahrenstufe farblich markiert werden (grün/orange/rot)

Grün:Bauteil ist sicher, aber überwachungsbedürftig
(Grenzwerte Knickung/Biegung: < = 3mm (in der Ebene der Rahmenaussteifungselemente), < = 5mm (in Richtung Trägerspannweite) < = 10mm (Aussteifungselemente) auf eine Länge von 1m
Orange:gefährliche Beschädigungen, baldmöglichstes Handeln erforderlich. Sofortige Entlastung prüfen. Nach vier Wochen muss diese Schädigung in rot überführt werden.
(Grenzwerte Knickung/Biegung : < 6mm (in der Ebene der Rahmenaussteifungselemente), < 10mm (in Richtung Trägerspannweite),
Rot:sehr schwere Beschädigung umgehende Reparatur erforderlich.
(Grenzwerte Knickung/Biegung : > = 6mm (in der Ebene der Rahmenaussteifungselemente), > = 10mm (in Richtung Trägerspannweite), > = 20mm (Aussteifungselemente) auf eine Länge von 1m

Bei Regaltraversen und Fachböden ist das Ausmaß der Durchbiegung infolge von Überladung sowie dadurch bedingte dauerhafte Verformungen zu beachten (Grenzwert: H/200; H/100 bei Kragarmen).

Andere, nicht durch diese Norm abgedeckte Mängel, wie z. B. eine verdrehte Stütze, können z. B. farblich gelb markiert werden.
Das Prüfsiegel mit dem Datum der nächsten Prüfung sollte erst dann angebracht werden, wenn die entsprechenden Mängel abgestellt wurden (Mängelbeseitigungsbericht). Besser geeignet ist ein Eintrag in ein Prüfbuch.
Bei Unklarheiten sollte immer ein(e) geprüfte(r) Statiker(in) zu Rate gezogen werden.

Neben der regelmäßigen Prüfung durch eine befähigte Person, muss, entsprechend der DIN EN 15635 eine wöchentliche Sichtkontrolle unter Anfertigung eines Sichtprotokolls durch einen „Regal Checker“ erfolgen, welches dem Lagerverantwortlichen zu übermitteln ist, der die entsprechenden Maßnahmen veranlasst (u.a. Regal engt Notausgang ein, Anfahrschutz defekt, Palettenüberstand). Dieser so genannte „RegalChecker“ sollte durch einen Regalprüfer zuvor in einem Tageslehrgang ausgebildet worden sein.

Worauf sollte ein „RegalChecker“ u.a. achten?

  • Findet eine Wareneingangskontrolle statt? (u. a. beschädigte Paletten, Überstand Folie etc.)
  • Werden die Stapler/Arbeitskörbe (Man-up-Geräte) bestimmungsgemäß eingesetzt und geprüft (u. a. Fußgängerverkehr, Lastenaufnahme, Beschickungsabfolge)?
  • Sind die Verkehrswege in Regalgängen angemessen breit, markiert (Begrenzungslinien) und ausreichend beleuchtet/beheizt/rutschfest gestaltet (Palettenüberstand)?
  • Gibt es ausgewiesene Zugangsbeschränkungen für Kunden, Beschäftigte, Stapler?
  • Engen Regale einen Notausgang ein?
  • Engt Ware die Regalgänge ein?
  • Wurden die Mängel der letzten Prüfung durch eine befähigte Person (Regalprüfer) beseitigt (Mangelbeseitigungsbericht)?
  • Ist der Anfahrschutz (Ecken, Kreuzungen) sowie die dazugehörige Stütze inklusive Verankerung in Ordnung?
  • Sind die Fachlasten, Feldlasten, entsprechend den Herstellervorgaben, eingehalten (entsprechend großer Belastungswarnhinweis) und die Lasten gleichmäßig verteilt?
  • Wurden Regalfächer, -böden verändert (Höhe, Breite, Material, Auflagen)?
  • Existieren horizontale oder vertikale Verformungen/ Knickungen/ Lotabweichungen/ Verdrehungen/ Durchbiegungen/ lose Schrauben/ Muttern im Bereich der Regalstützen, Aussteifungselementen, Trägern, Palettenanschläge, Durchfallsicherung?
  • Gibt es fehlende Sicherungsteile (Ersatzsicherungsstifte, Aushebesicherungen, Distanzstücke, Trägeranschlusslaschen)?
  • Wie ist der Zustand des Gebäudebodens (ein Abrieb von wenigen mm kann zur Veränderungen von Fahrspuren bei Schubmaststaplern kommen)
  • Gibt es Risse an Schweißnähten oder im Grundmaterial?
  • Werden defekte Paletten aussortiert und Lasten auf Paletten stabil und symmetrisch verteilt formschlüssig im Regal eingelagert?
  • Sind Lastübergabestellen bei Lagerbühnen sicher ausgestaltet?
  • Kleinere Regale (ist die Befestigungswand geeignet und wurden die Regale befestigt?)

 

Autor: Stefan Johannsen, Diplom-Biologe

 

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