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Grundlagen der Absturzprävention: DGUV Information 203-058 Schutz gegen Absturz bei Arbeiten an elektrischen Anlagen auf Dächern (Teil 3)

Bei der Arbeit auf Dächern und insbesondere bei der Montage von elektrischen Anlagen und damit verbundenen Tätigkeiten, gibt es ein erhöhtes Unfallrisiko durch Abstürze aus großer Höhe. In unseren letzten beiden Beiträgen haben wir bereits die Sicherung während der Nutzung von Steigleitern, Hubarbeitsbühnen und Leitern angesprochen sowie die Gestaltung von Verkehrswegen auf Dächern beleuchtet.

Zur Sensibilisierung für die Thematik hat die DGUV die Information 203-058 „Schutz gegen Absturz bei Arbeiten an elektrischen Anlagen auf Dächern“ herausgegeben. In diesem letzten Beitrag unserer Reihe soll nun der Schwerpunkt auf der Verwendung von Persönlicher Schutzausrüstungen gegen Absturz (PSAgA) liegen.

Die DGUV Information 203-058 definiert PSAgA als „Auffangsysteme zur Sicherung von Personen an einem Anschlagpunkt, und zwar in der Weise, dass ein Absturz entweder ganz verhindert oder die Person sicher aufgefangen wird“ (DGUV Information 203-058, 2010: 37). Durch diese Auffangsysteme sollen die Krafteinwirkungen auf den Körper beim Fall reduziert und der Fallweg auf ein Minimum beschränkt werden.

Grundlage beim Einsatz von PSAgA ist immer die Gefährdungsbeurteilung des Unternehmens. Zulässig sind nur EG-Baumuster-geprüfte oder mit CE-Zeichen gekennzeichnete Ausrüstungen. Arbeitgeber haben dabei immer die Einsatzorte, Arbeitsbedingungen sowie die Art der Tätigkeit zu berücksichtigen. Werden z. B. Arbeiten an Stellen mit scharfen Kanten ausgeführt, die Verbindungsmittel beschädigen können, so ist dies bei der Auswahl der PSAgA zu berücksichtigen. Folgende Auffangsysteme werden häufig genannt:

  • Auffanggurt mit Falldämpfer und Verbindungsmittel, wobei sich der Anschlagpunkt oberhalb der zu sichernden Person befindet.
  • Auffanggurt mit Höhensicherungsgerät (mit integrierter Energieabsorbierung). Das Verbindungsmittel ist dabei ein- und ausziehbar.
  • Auffanggurt mit Falldämpfer und mitlaufendem Auffanggerät und dabei bewegliche Führung, die zum selben System gehören. Bei dieser Sicherungsform gibt es einen Anschlagpunkt und eine Endsicherung, wobei der mitlaufende Auffanggerät zwischen diesen beiden Endpunkten bewegt.
  • Auffanggurt mit Steigschutzöse und mitlaufendem Auffanggerät in einer festen Führung. Die feste Führung kann beispielsweise eine Schiene oder Drahtseil sein. Dabei gibt es am Anfangspunkt der Installation eine Einführstelle an der Endsicherung am unteren Ende.

PSAgA muss in praktischen Übungen unterwiesen und von geeigneten Personen verwendet werden. Daran anschließend ist die Unterweisung mindestens einmal jährlich durchzuführen. Außerdem sollte die PSAgA mindestens einmal pro Jahr geprüft und durch Sachkundige nach Bedarf geprüft werden. Die DGUV Information geht davon aus, dass Gurte unter normalen Einsatzbedingungen circa sechs bis acht Jahre verwendet werden können, Verbindungsmittel wie Seile oder Bänder ungefähr vier bis sechs Jahre.

Verbindungsmittel 

Gemäß EN 354 dienen Verbindungsmittel dazu, den Auffanggurt mit einem Anschlagpunkt oder der beweglichen Führung zu verbinden. Sie dürfen ausschließlich mit einem dämpfenden Element genutzt werden und müssen über eine geeignete Endverbindung verfügen. Dabei darf eine Gesamtlänge von 2 m nicht überschritten werden. Außerdem untersagt ist das Verknoten der Verbindungsmittel, da dies die Tragfähigkeit erheblich verringert. Wichtig bei Verbindungsmitteln ist außerdem, dass sie selbstschließend und höchstens in zwei aufeinanderfolgenden unabhängigen Handhabungen zu öffnen sind.

Arbeiten auf Dächern mit Neigung ≤ 20°

An Dachkanten auf Dächern, die eine Neigung von 20° oder weniger aufweisen, muss die Schutzausrüstung unbedingt vor dem Betreten des Absturz-gefährdeten Bereichs angelegt werden. Der Absturz-gefährdete Bereich umfasst einen Abstand von zwei Metern oder weniger zur Dachkante. Die Verbindungsmittel können an festen oder temporären Anschlagpunkten angebracht werden. Wichtig ist in beiden Fällen jedoch, dass die Verbindungsmittel – also auch Seilkürzer und Falldämpfer – so eingestellt werden, dass Stürze über die Kante vermieden werden. Beschäftigte stellen vor Benutzung der Anschlagpunkte immer sicher, dass diese frei von Korrosion, Rissbildung und Verformung sind und dabei vollständig befestigt sind. Lockere Anschlagpunkte dürfen nicht benutzt werden.

Arbeiten auf Dächern mit Neigung > 20°

Bei Arbeiten auf Dächern mit einem Neigungswinkel über 20° ist immer die Gefahr des Wegrutschens und damit verbundenem Absturz über die Dachkante gegeben. Die PSAgA muss daher unbedingt vor dem Betreten der Dachfläche angelegt und auch vorher am Anschlagpunkt befestigt werden. Sofern auf diesen stark geneigten Dächern keine Anschlagpunkte zur Verfügung stehen, muss auf andere geeignete technische Lösungen zurückgegriffen werden. Die DGUV Information 203-058 empfiehlt dazu über den Dachfirst gespannte Sicherungsseile. Dazu wird das Vorseil zunächst über den Dachfirst geworfen oder geschossen. Dann wird die Wurfleine mit dem Sicherungsseil verbunden. Dieses Sicherungsseil wird daran anschließend an einem Anschlagpunkt (bspw. an der Abschleppöse eines Fahrzeugs) auf der gegenüberliegenden Hausseite befestigt. Zum Schluss sichert sich die oder der Beschäftigte mit einem mitlaufenden Auffanggerät an dem über das Dach geführte Sicherungsseil. Dies erfolgt stets vor Benutzung der Leiter zum Aufstieg auf das Dach. 

 

Quellen: ls | publikationen.dguv.de 

 

Praxishilfen

Dokumentation der Erstunterweisung

Checkliste: PSAgA

Nachweis über den Erhalt der PSA

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