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Grundlagen der Absturzprävention: DGUV Information 203-058 Schutz gegen Absturz bei Arbeiten an elektrischen Anlagen auf Dächern (Teil 1)

Laut einer Analyse der BG Bau gehören Abstürze von Leitern, Dächern und Dachstühlen zu den häufigsten tödlichen Unfällen. Der Anteil von Absturzunfällen bei den Frühverrentungsfällen lag dabei im Jahr 2018 bei fast 40 Prozent.  Abstürze sind damit einer der häufigsten Gründe für eine vorzeitige Verrentung. Eine entscheidende Ursache für solche Unfälle ist dabei die fehlende Gefährdungsbeurteilung sowie Unterweisung der beschäftigten Personen. Auch bei Arbeiten an elektrischen Anlagen auf Dächern kommt es immer wieder zu Unfällen. Zur Sensibilisierung für die Thematik hat die DGUV die Information 203-058 „Schutz gegen Absturz bei Arbeiten an elektrischen Anlagen auf Dächern“ herausgegeben.

Die Information richtet sich an Unternehmen, die im Bereich des Errichtens und Demontierens elektrischer Anlagen sowie der Konstruktion und Einrichtung auf Dächern und damit verbundenen Tätigkeiten beschäftigt sind. Im Fokus steht dabei der Schutz von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern, die Tätigkeiten an elektrischen Anlagen ausüben, bei denen die Möglichkeit eines Absturzes während der Arbeit besteht.

Allgemeine Anforderungen

Wie in anderen Bereichen muss für die Arbeit an elektrischen Anlagen und den damit verbundenen Tragkonstruktionen und Zusatzeinrichtungen auf Dächern die Gefährdungsbeurteilung im Sinne des § 5 ArbSchG und § 3 BetrSichV durchgeführt werden. Insbesondere witterungsbedingte Einflüsse spiele dabei eine große Rolle. Dazu zählen:

  • starker Wind
  • Regen,
  • Schneefall oder Vereisung

Die Reihenfolge der anzuwendenden Schutzmaßnahmen folgt dabei dem TOP-Prinzip (technische vor organisatorische vor persönliche Maßnahmen).

Zugänge zu Dächern

Steigleitern und Steigeisengänge

Ab einer Absturzhöhe von > 5 Metern haben Steigleitern und Steigeisengänge eine Rückenschutzeinrichtung, ab > 10 Metern werden Steigschutzeinrichtungen mit fester Führung empfohlen. Hier besteht der Vorteil, dass abstürzende Personen aufgefangen werden und die Rettung leichter erfolgen kann. Zudem ist diese Form der Bauweise unauffälliger.

Einsatz von Hubarbeitsbühnen

Mitunter werden auch Hubarbeitsbühnen zur Umsetzung von Arbeiten auf Dächern eingesetzt, wobei aus dem Arbeitskorb heraus gearbeitet wird. Muss aus dem Arbeitskorb ausgestiegen werden, sollen sich die Mitarbeiter zur Absicherung gegen Absturz mithilfe einer Teleskopstange und einem Sicherungsseil am Dachständer befestigen. Der Dachständer wird hierzu als Anschlagpunkt genutzt. Sind diese Schritte erfolgt, kann der Mitarbeiter die Arbeitsbühne verlassen. Verfügt die Hubarbeitsbühne über einen Anschlagpunkt nach DIN EN 75, kann hier noch eine zusätzliche Sicherung gegen Absturz angebracht werden.

Verwendung von Leitern

Leitern werden in den Fällen verwendet, wo bauliche Verkehrswege und fahrbare Hubarbeitsbühnen nicht einsatzfähig sind. An erster Stelle ist hier wichtig, dass Leitern standsicher aufgestellt werden und der Leiterkopf gegen eine Lageveränderung gesichert ist. Die Höhendifferenz zwischen der Standfläche der Leiter und der Traufe darf nicht höher als 7 Meter sein. Besondere Vorsicht ist an der Stelle zwischen Dach und Leiter bzw. beim Zurücksteigen vom Dach auf die Leiter geboten, da hier eine erhöhte Gefahr besteht. Im Zuge dessen muss auch sichergestellt werden, dass die Leiter mindestens 1 Meter über den Rand des Daches hinausragt und zusätzlich gegen seitliches Verrutschen gesichert ist. Hier helfen spezielle Haltevorrichtungen wie Quertraversen. Sie ermöglichen ein Auflegen der Leiter ohne Belastung der Regenrinne.

Abstürze bei der Benutzung von Leitern in Treppenhäusern

Für die Sicherung von Leitern in Treppenhäusern sind ggf. zusätzliche Maßnahmen erforderlich, wenn der Abstand zwischen der Aufstiegsebene und der darunterliegenden Fläche mehr als eine Geschosshöhe liegt. Möglichen Schutz vor Abstürzen kann hier ein seitliches Schutzgitter bieten.

Benutzung von Dachausstiegen

Laut der DGUV Information 203-058 gelten Dachausstiege dann als sicher, wenn z. B.

  • die Öffnung über ein Mindestmaß von 0,60 m x 0,80 m umfasst
  • Einhängevorrichtungen für Steig- und Anlegeleitern vorhanden sind
  • die Dachluke gegen unabsichtliches Zuschlagen gesichert ist
  • Möglichkeiten zum Festhalten vorhanden sind

Dachausstiege auf Dächern mit Neigungen von ≤ 20°

Bei Dachausstiegen auf Dächern mit Neigungen von ≤ 20° sind dann Sicherheitsmaßnahmen erforderlich, wenn sie sich im Abstand von < 2 Metern zur Absturzkante befinden. Es ist mindestens die Anwendung von persönlicher Schutzausrüstung gegen Absturz (PSAgA) vorgesehen. Gebotsschilder an den Dachausstiegen weisen auf die Verwendung der PSAgA hin und häufig gibt es an den entsprechenden Verkehrswegen eine feste Führung zum Einsatz eines mitlaufenden Auffanggeräts. Ebenso werden Umwehrungen an Dachausstiegen verwendet, sodass der Ausstieg nur am vorgesehenen Verkehrsweg möglich ist.

Dachausstiege auf Dächern mit Neigungen von > 20°

Bei stärker geneigten Dächern ab einer Neigung von > 20° muss persönliche Schutzausrüstung als Maßnahme zum Schutz vor Abstürzen eingesetzt werden. Viele Dachausstiege verfügen zu diesem Zweck über eine seitlich am Dachsparren angebrachte Anschlageinrichtung nach DIN EN 795, an welcher die PSA angebracht werden kann. Der Anschlagpunkt muss als solcher gekennzeichnet sein, u.a. mit Hinweis auf den Hersteller und die Beachtung der Bedienungsanleitung. Auf Dächern ab einer Neigung von > 20° sollten auch zusätzliche Sicherungsmöglichkeiten wie Sicherheitsdachhaken nach DIN EN 517 auf dem Dach in Reichweite des Dachausstieges angebracht sein. Anschlagrichtungen, die weiter als 0,80 Meter entfernt sind, können per Teleskopstange genutzt werden.

 

 Quellen: ls | publikationen.dguv.de | www.bgbau.de

 

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