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Grundlagen der Absturzprävention: DGUV Information 203-058 Schutz gegen Absturz bei Arbeiten an elektrischen Anlagen auf Dächern (Teil 2)

Bei der Arbeit auf Dächern und insbesondere bei der Montage von elektrischen Anlagen und damit verbundenen Tätigkeiten gibt es ein erhöhtes Unfallrisiko durch Abstürze aus großer Höhe. In unserem letzten Beitrag haben wir bereits die Sicherung von Personen während der Nutzung von Steigleitern, Hubarbeitsbühnen und Leitern angesprochen (Teil 1). Abgesehen von der sicheren Gestaltung von Zugängen zu Dächern, ist das Anlegen von Wegen auf Dächern (Teil 2) ein weiterer wichtiger Aspekt. 

Zur Sensibilisierung für die Thematik hat die DGUV im Jahr 2010 die Information 203-058 „Schutz gegen Absturz bei Arbeiten an elektrischen Anlagen auf Dächern“ herausgegeben. Das Unfallrisiko durch Abstürze bei der Arbeit auf Dächern ist nach wie vor hoch und daher soll in diesem zweiten Teil der Grundlagenreihe der Schwerpunkt auch auf dem zweiten Teil der DGUV Information liegen, der sich mit den Anforderungen an Verkehrswege auf Dächern beschäftigt.

Bei der Arbeit auf Dächern gibt es drei Hauptaspekte, die in Bezug auf Verkehrswege beachtet werden müssen. Dies sind die Bewertung der Tragfähigkeit des Daches für die geplanten Arbeiten, die Trittsicherheit durch die Gestaltung und Oberflächenbeschaffenheit der Dächer sowie die Bewertung der eingesetzten Hilfsmittel.

Wichtig ist insbesondere, dass die Verkehrswege so angelegt sind, dass diese immer mindestens mit einem Abstand von > 2 m von der Absturzkante entfernt verlaufen. Trifft dies zu und ist die Neigung des Daches gleichzeitig ≤ 20°, ist kein Absturzschutz notwendig.

Tragfähigkeit und Trittsicherheit von Dachflächen

Abgesehen von der Dachneigung und der Oberflächenbeschaffenheit durch Witterungseinflüsse sind folgende Eindeckungen und Einbauten als nicht ausreichend tragfähig anzusehen:

  • Faserzementplatten
  • Bitumenwellplatten
  • Lichtkuppeln
  • Glasdächer

Auf diesen Oberflächen kann bereits bei geringer Neigung eine erhöhte Rutschgefahr bestehen. Zum Schutz der Beschäftigten kann diese Gefahr durch den Einsatz von Metallrosten oder das Anbringen von Antirutschstreifen teilweise reduziert werden.

Hilfsmittel und Methoden zur Schaffung von Verkehrswegen

Für Dächer, die wegen den genannten Aspekten – also Oberflächenbeschaffenheit, Neigung und Gestaltung – nicht ohne Risiko begangen werden können, müssen zur Durchführung von Arbeiten Hilfsmittel zur Schaffung eines Verkehrswegs eingesetzt werden. Einige Beispiele sind nachfolgend genannt.

Bohlen:

Als Lauf- und Arbeitsstege müssen diese eine Mindestbreite von 50 cm haben und gegen Verschieben und Abrutschen gesichert werden. Werden Bohlen aus Holz verwendet, müssen diese der Sortierklasse S 10 oder MS 10 zuordenbar sein. Es gelten folgende Werte

Brett- oder Bohlenbreite cm

Brett- oder Bohlendicke cm

3,0

3,5

4,0

4,5

5,0

20

1,25

1,50

1,75

2,25

2,50

24 und 28

1,25

1,75

2,25

2,50

2,75

(DGUV Information 203-058, Seite 27)

Bei Dachneigungen über 11° werden Stege mit Trittleisten benutzt, bei Neigungen über 30° Stege mit Stufen.

Leitern:

Bei Dachbegehungen ab einer Neigung von > 20° bieten sich Dachdeckerauflegeleitern oder ortsfeste Dachleitern an. Für Leitern ist zu beachten, dass diese gemäß der Benutzungsanleitung angebracht und gesichert werden, beispielsweise durch Sicherheitsdachhaken oder Dachständer. Bei der Benutzung der Leiter darf es zu keiner Lageveränderung kommen.

Kollektive Schutzeinrichtungen gegen Absturz

Ist trotz aller genannten Sicherheitsvorkehrungen nach wie vor die Gefahr durch Absturz bei der Durchführung von Arbeiten auf Dächern möglich, so können kollektiv wirkende Schutzeinrichtungen zum Tragen kommen. Unter diesem Begriff versteht man mobile Geländer, Dachfanggerüste und Auffangnetze. Sind diese kollektiven Schutzmaßnahmen unverhältnismäßig oder aus technischen Gründen nicht umsetzbar (z. B. wenn die Bausubstanz oder die örtlichen Gegebenheiten es nicht erlauben), ist der Schutz durch geeignete PSAgA durch das Unternehmen zu gewährleisten. Gemäß der DGUV Information sind kollektive Schutzmaßnahmen dann unverhältnismäßig, wenn

  • die Gefährdungen beim Einsatz der Schutzmaßnahmen größer als die bei der Durchführung der Arbeiten unter Benutzung von PSAgA sind
  • die Dauer der Errichtung der Schutzmaßnahmen in Missverhältnis zur Dauer der durchzuführenden Arbeiten steht und gleichzeitig ein ausreichender Schutz gegen Absturz durch PSAgA gewährleistet ist.

Maßnahmen gegen Absturz an Lichtkuppeln

Im Allgemeinen wird davon ausgegangen, dass Lichtkuppeln nicht durchsturzsicher sind, weshalb sie entsprechend gekennzeichnet werden müssen. Zwei mögliche Formen der Kennzeichnung auf textlicher Ebene können folgendermaßen aussehen:

  • „Achtung Absturzgefahr. Lichtkuppeln sind nicht begehbar.“
  • „Durchsturzsicher [nur] beim Einbau“

Bei letztgenanntem Beispiel ist dringend zu beachten, dass die Kennzeichnung nach dem Einbau wieder entfernt werden muss, da dann die Durchsturzsicherheit nicht mehr auf Dauer gewährleistet ist. Für dauerhafte und auch temporäre Maßnahmen zum Schutz gegen Absturz an Lichtkuppeln können beispielsweise bauseitige Absturzsicherungen an Lichtkuppeln angebracht werden. Genauso im Zugangsbereich für die Arbeit an Antennenanlagen durch Umwehrung. Alternativ kann die Sicherung auch durch einen aufgeständerten Gitterrost erfolgen. Zuletzt ist eine Abdeckhaube aus Aluminium als Schutz gegen Absturz an der Lichtkuppel denkbar. Die Oberfläche sollte dabei Platz für Lichtöffnungen bieten, damit ein diffuser Lichteinfall ermöglicht wird.

Quellen: ls | publikationen.dguv.de 

 

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