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Sauerstoffreduzierte Atmosphäre: Halten Sie diese Schutzmaßnahmen ein | 20.03.2015

Im Brandschutz gibt es seit einigen Jahren die Möglichkeit durch Sauerstoffreduktion die Entstehung eines Feuers zu vermeiden. Dadurch wird die Sauerstoffkonzentration auf 13 bis 17 Volumenprozent abgesenkt. Müssen Personen diese Bereiche jedoch betreten, stellt sich natürlich die Frage, welche Schutzmaßnahmen ergriffen werden müssen um die Mitarbeiter vor gesundheitsbedingten Gefahren zu bewahren. Wir sagen Ihnen, was Sie beachten müssen!

Je weniger Sauerstoff, desto geringer die Brandgefahr. Diese schlichte Erkenntnis wird beim vorbeugenden Brandschutz immer öfter praktisch umgesetzt:

in EDV-Räumen, Gefahrstofflagern und Archiven.
Das Prinzip besteht darin, dass durch die Zufuhr von Stickstoff der Sauerstoff (O2) in der Luft auf einen Anteil von 17, 15 oder gar nur 13 Vol% reduziert wird: So bleibt dem Feuer die „Luft“ weg. Das kann aber für Beschäftigte gefährlich sein, wenn sie in solchen Räumen zu tun haben.

Gefahren bei „dünner Luft“
Untersuchungen zeigen, dass Räume mit O2-reduzierter Atmosphäre zum Teil mehrmals täglich zu Kontroll- oder Wartungsarbeiten begangen werden, wobei der Aufenthalt von wenigen Minuten bis zu 6 Stunden reicht. Es handelt sich folglich nicht mehr um gesundheitlich zuträgliche Atemluft (mit Außenluftqualität) 

  • Wie gefährlich sind solche Tätigkeiten für den menschlichen Organismus, der auf einen Luftsauerstoffanteil von 21 % „geeicht“ ist?

Mediziner gehen davon aus, dass gesunde Menschen O2-Konzentrationen bis hinunter zu 17 Vol.% schadlos verkraften. Für Herz- oder Atemwegskranke kann dies jedoch schon einen gefährlichen Sauerstoffmangel bedeuten. Unterhalb von 17 Vol.% wird es generell auch für Gesunde kritisch:
Sehstörungen, nachlassende Konzentration, Erbrechen und Kreislaufversagen können die Folge sein.

  • Als Dauerarbeitsplätze sind O2-reduzierte Räume deshalb nach der Arbeitsstättenverordnung verboten!

Gefährdungsbeurteilung ist Pflicht!
Über Risiken bei kurzfristigen Tätigkeiten in „dünner Luft“ weiß die Medizin heute noch sehr wenig: Denn ihre Erkenntnisse beruhen weitestgehend auf einer allmählichen Anpassung an die veränderte Umgebung, wie beim Bergsteigen oder Fliegen. Dabei hat der Körper Zeit, sich umzustellen.

Anders ist die Situation jedoch, wenn z. B. ein EDV-Techniker aus normaler Umgebungsluft plötzlich einen Serverraum mit herabgesetzter O2-Konzentration betritt, um dort vielleicht für mehrere Stunden zu arbeiten.

Als Arbeitgeber – bzw. als Fachkraft für Arbeitssicherheit – müssen Sie aber auch für solche Rahmenbedingungen eine Gefährdungsbeurteilung durchführen und wirksame Schutzmaßnahmen treffen.

Dabei sind 3 Faktoren in Betracht zu ziehen:

1. die genaue O2-Konzentration
2. die Aufenthaltsdauer in dieser Umgebung
3. die Art der Tätigkeit (körperliche Belastung, Konzentrationsanforderungen usw.)

Diese Empfehlungen sollten Sie mindestens befolgen
Bislang fehlen verbindliche Arbeitsplatzgrenzwerte für die Beurteilung vorübergehender Tätigkeiten bei niedriger O2-Konzentration. Verschiedene Arbeitsschutzgremien wie etwa der Länderausschuss für Arbeitsschutz und Sicherheitstechnik (LASI) haben jedoch bereits Empfehlungen zu diesem Problem formuliert, die schon bei der Planung und Konstruktion solcher Anlagen ansetzen. Solange detailliertere Vorschriften noch auf sich warten lassen, sollten Sie sich an diese halten. Liegt der Sauerstoffgehalt unter 19 Vol% sind maschinelle Belüftungsmaßnahmen vorzusehen.

Autor: Stefan Johannsen, Dipl.-Biologe

 

 

 

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