Rauchmelder

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Vorgaben für den Brandschutz in Flüchtlingsheimen gewährleisten | 31.05.2016

Flüchtlingsunterkünfte dienen der vorübergehenden Unterbringung von Flüchtlingen und Asylbewerbern. Die Unterbringung erfolgt in erster Linie in festen Gebäuden, aber auch in Form von Notunterkünften bzw. Containern oder Zelten. Diese unterliegen hinsichtlich der Brandschutzbestimmungen der jeweiligen Landesbauordnung. Deshalb ist vor der Einrichtung von Flüchtlingsunterkünften immer die zuständige Bauaufsichtsbehörde für eine Beratung zu kontaktieren.

Die brandschutztechnischen Anforderungen an Flüchtlingsunterkünfte sind maßgeblich abhängig von der Art der Unterbringung und basieren auf den brandschutztechnischen Mindestanforderungen der jeweiligen Landesbauordnung. Dabei ist jeder Einzelfall durch die zuständige Behörde zu prüfen.

Flüchtlingsunterkünfte in Wohngebäuden

Bei der vorübergehenden Unterbringung von Flüchtlingen in Wohngebäuden ist zu beachten, dass die Belegung entsprechend einer üblichen Wohnungsnutzung ist. Im Regelfall sollten nicht mehr als 6 Personen je Wohnungseinheit untergebracht sein. Grundvoraussetzungen sind, dass jedem Erwachsenen 9 m² und jedem Kind mindestens 6 m² zur Verfügung stehen. Das Wohngebäude ist entsprechend den Bestimmungen der Landesbauordnung als Standardbau zu beurteilen. Unabhängig von den Bestimmungen der Landesbauordnung wird die Installation von Rauchwarnmeldern zur frühzeitigen Warnung der Nutzer vor Brandrauch als notwendig erachtet.

Flüchtlingsunterkünfte in Beherbergungsstätten werden gemäß den Bauordnungen bzw. der Beherbergungsverordnungen der jeweiligen Bundesländer beurteilt.

Flüchtlingsunterkünfte in Hotels

Bei der vorübergehenden Unterbringung in Beherbergungsstätten ist zu beachten, dass der Charakter der Einrichtung erhalten bleibt. Die vorübergehende Umnutzung z. B. von Restaurantbereichen in Gemeinschaftsräume führt nicht zwangsläufig zu einer anderen brandschutztechnischen Bewertung. Kommt es jedoch zu einer Erhöhung der Bettenzahl, sind die Schwellenwerte für erhöhte materielle Anforderungen der Muster-Beherbergungsstätten-Verordnung zu beachten. Diese liegen bei 30 bzw. 60 Betten.

Flüchtlingsunterkünfte in Wohnheimen

Bei der vorübergehenden Unterbringung von Flüchtlingen in Wohnheimen ist als Beurteilungsgrundlage die Muster-Beherbergungsstätte zu nutzen.

  • Die zwei notwendigen Rettungswege müssen baulich sichergestellt sein.
  • Das Gebäude ist mindestens mit einer Brandmelde- und Alarmierungsanlage nach DIN 14675, Schutzkategorie 3 auszustatten.
  • Brandmeldungen sind automatisch zur Feuerwehralarmierungsstelle zu übertragen.
  • Gleichzeitig sind die Bewohner mittels Alarmierungsanlage automatisch zu alarmieren.
  • Die Wohnräume sind mit Rauchwarnmeldern auszustatten.

Im Einzelfall können durch die Brandmelde- und Alarmierungsanlage zu geringe Brandschutzeigenschaften von Bauteilen kompensiert werden. Dies betrifft insbesondere die Herstellung von Trennwänden zwischen den Wohnräumen ohne klassifizierten Feuerwiderstand, jedoch aus nicht brennbaren Baustoffen, sowie die Türen zwischen Wohnräumen und notwendigen Fluren in dichtschließender Qualität und die Türen zwischen notwendigen Fluren und notwendigen Treppenräumen als rauchdichte und selbstschließende Türen.

Notunterkünfte in Hallen

Notunterkunft in einer Traglufthalle

Bei der vorübergehenden Einrichtung von Notunterkünften in Hallen ist davon auszugehen, dass sich die Betroffenen in einem Großschlafraum, mit separaten Sozialräumen aufhalten.

Um jederzeit eine schnelle Evakuierung der Flüchtlingsunterkünfte sicherzustellen, sind in der Halle Hauptgänge, die zu den direkten Ausgängen ins Freie führen, in einer Breite von 1,50 m bis 2,00 m am Boden zu markieren und dauerhaft frei zu halten.

Die Gänge zwischen den Betten müssen eine Mindestbreite von 1,00 m aufweisen und sind ebenfalls am Boden zu markieren und dauerhaft frei zu halten.

Die Ausgänge sind mit jederzeit erkennbaren Piktogrammen zu kennzeichnen (ASR A 1.3)

Die Halle sollte vorzugsweise mit einer Brandmelde- und Alarmierungsanlage, jedoch mindestens mit Rauchwarnmeldern nach DIN 14676 und nichtelektrischen Alarmierungsanlagen, wie z. B. Handsirenen ausgestattet sein. Für die Erstbrandbekämpfung ist an jedem notwendigen Ausgang ein geeigneter Feuerlöscher bereitzustellen. Für den Fall der Räumung der Halle ist ein Sammelplatz festzulegen und zu beschildern. In der Halle ist Rauchverbot auszusprechen.

Zur Gewährleistung eines sicheren Betriebes der Notunterkunft ist es erforderlich geeignetes Sicherheitspersonal vor Ort zu haben. Das Sicherheitspersonal hat in Flüchtlingsunterkünften vorrangig die Einhaltung der festgelegten Brandschutzmaßnahmen zu kontrollieren und im Brandfall die Räumung der Halle einzuleiten und nach Möglichkeit Löschversuche mittels Feuerlöscher zu unternehmen.

Notunterkünfte in Containern

Eine Einrichtung von Notunterkünften in Containern dient nicht als Dauerlösung und wird in der Regel auf 2 Jahre durch die zuständige Bauaufsicht befristet.

Jeder Container muss mindestens in feuerhemmender Bauweise errichtet werden. Unter Einhaltung der Abstandsflächen darf der Baukörper maximal drei Geschosse hoch sein. Durchbrüche von Container zu Container sind brandschutztechnisch entsprechend zu verschließen. Im Abstand von jeweils 40 m ist eine Brandwand zu errichten.

Die Container sollten vorzugsweise mit einer Brandmelde- und Alarmierungsanlage ausgestattet werden.

Mindestens sind jedoch die einzelnen Container mit einer Brandmeldeanlage auszustatten, bei der die Meldung zu einer Rund um die Uhr besetzten Stelle weitergeleitet wird, welche dann die Feuerwehr alarmiert.

Die Türen von Gemeinschaftsküchen sind feuerhemmend und selbstschließend herzustellen, Türen zu innenliegenden Treppenräumen und Rauchabschnittstüren in notwendigen Fluren müssen feuerhemmend, rauchdicht und selbstschließend sein.

Organisatorischer Brandschutz für Flüchtlings- und Notunterkünfte

Für alle Unterkunftsformen sind organisatorische Brandschutzmaßnahmen umzusetzen. Dazu zählt in erster Linie die Erstellung einer Brandschutzordnung Teil A bis C.

  • Teil A ist nach Möglichkeit mehrsprachig in Abhängigkeit der Nationalitäten der Bewohner zu erstellen
  • Flucht- und Rettungswegpläne sind zu erstellen und an gut einsehbaren Stellen auszuhängen,
  • Feuerwehrpläne sind in Absprache mit der zuständigen Feuerwehr zu erarbeiten
  • Sammelplätze sind einzurichten
  • eine Einweisung in die Brandschutzordnung vor Ort ist erforderlich

Wichtig ist vor allem die Berücksichtigung neuralgischer Punkte, wie Kleiderkammern mit Heizgeräten, die Anmeldung mitgebrachter elektrischer Geräte und die regelmäßige Prüfung der ortsfesten elektrischen Anlagen, ausreichend geprüfte Feuerlöscher und Brandschutzhelfer in den Reihen der Bewachungsunternehmen.

Autor: Stefan Johannsen, Dipl.-Biologe

 

 

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