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Betriebliche Brandschutzhelfer bestellen – Anzahl anhand der Gefährdungsbeurteilung ermitteln | 01.07.2016

Alle Beschäftigten müssen regelmäßig, mindestens einmal jährlich, über die in ihrem Arbeitsbereich vorhandenen Brandgefahren und Brandschutzeinrichtungen (Feuerlöscheinrichtungen, Wandhydranten, Alarmierungseinrichtungen etc.) sowie das Verhalten im Gefahrenfall (Gebäuderäumung, Flucht- und Rettungswege, Sammelplatz) unterwiesen werden (§ 12 ArbSchG).

Neue Mitarbeiter sind im Rahmen der Erstunterweisung über die wichtigsten betrieblichen Brandschutzaspekte zu informieren. Unterweisungen sind zu dokumentieren.

Betriebliche Brandschutzhelfer stellen einen wichtigen Teil der Arbeitsschutzorganisation dar. Deshalb hat der Arbeitgeber eine ausreichende Anzahl von Beschäftigten durch fachkundige Unterweisung und praktische Übungen im Umgang mit Feuerlöscheinrichtungen vertraut zu machen und als Brandschutzhelfer zu benennen, sofern sie auch mit den jeweiligen betrieblichen Gegebenheiten vertraut gemacht wurden. Die Bestellung sollte schriftlich erfolgen.

Die Ausbildung von Brandschutzhelfern muss fachkundig erfolgen. Sie kann durch den Arbeitgeber, dessen Beauftragte oder auch in Kooperation mit kompetenten externen Anbietern, wie z. B. mit Feuerlöschgeräteherstellern, Fachbetrieben oder Feuerwehren, extern, aber auch intern im Betrieb erfolgen.

Fachkundig ist, wer über eine entsprechende Berufsausbildung, Berufserfahrung oder eine zeitnah ausgeübte entsprechende berufliche Tätigkeit verfügt und sich regelmäßig im Bereich des Brandschutzes fortbildet.

Hierzu zählen z.B.:

  • Personen mit abgeschlossenem Hochschul- oder Fachhochschulstudium in der Fachrichtung
  • Brandschutz
  • Brandschutzbeauftragte mit Prüfungsnachweis
  • Fachkräfte für Arbeitssicherheit mit entsprechender Ausbildung im Brandschutz
  • Mitglieder der Feuerwehr mit mindestens erfolgreich abgeschlossenem Lehrgang
  • „Gruppenführer“

Personen, die zu diesem Personenkreis zählen, können ohne zusätzliche Ausbildung als Brandschutzhelfer bestellt werden.

Ziel der Ausbildung sind der sichere Umgang mit und der Einsatz von Feuerlöscheinrichtungen zur Bekämpfung von Entstehungsbränden ohne Eigengefährdung und zur Sicherstellung des selbstständigen Verlassens (Flucht) der Beschäftigten. Werden in der Ausbildung keine betriebsspezifischen Kenntnisse vermittelt, obliegt deren nachträgliche Vermittlung dem Arbeitgeber.

Die notwendige Anzahl von Brandschutzhelfern ergibt sich aus der fachkundigen Gefährdungsbeurteilung.

Ein Anteil von fünf Prozent der Beschäftigten ist bei normaler Brandgefährdung nach ASR A2.2 (z. B. Büronutzung) in der Regel ausreichend.

Je nach Art des Unternehmens, der Brandgefährdung, der Wertekonzentration und der Anzahl der während der Betriebszeit anwesenden Personen (z. B. Mitarbeiter, betriebsfremde Personen, Besucher und Personen mit eingeschränkter Mobilität) kann eine deutlich höhere Ausbildungsquote für die Entstehungsbrandbekämpfung sinnvoll sein.

Bei der Anzahl der Brandschutzhelfer sind neben Zuverlässigkeit und Eignung auch Schichtbetrieb und Abwesenheit einzelner Beschäftigter, z. B. durch Fortbildung, Ferien, Krankheit und Personalwechsel, ggf. Wohnortnähe, Betriebszugehörigkeit zu berücksichtigen.

Besondere betriebliche Gegebenheiten, z. B.

  • Tätigkeiten mit feuergefährlichen und brennbaren Stoffen,
  • spezielle Produktionsabläufe,
  • betriebsspezifische Brandschutzeinrichtungen (z. B. Löschanlage, Wandhydrant) und
  • das Löschen von brennbaren Gasen, Stäuben, Metallen oder Fetten.

Weiterbildung

Zur Auffrischung der Kenntnisse empfiehlt es sich, die Ausbildung in Abständen von 3 bis 5 Jahren zu wiederholen. Bei wesentlichen betrieblichen Änderungen ist in kürzeren Abständen eine Wiederholung der Ausbildung erforderlich, dies können z. B. sein

  • Änderung der Brandschutzordnung
  • neue Verfahren mit veränderter Brandgefährdung
  • Umstrukturierungen und Fluktuation der Mitarbeiter
  • Brandereignis im Betrieb

Tipps zum Vorgehen im Brandfall für den Brandschutzhelfer

  • Ziehen Sie die Brandschutzhelferweste über.
  • Notruf 112 wählen und Brand bestätigen.
  • Informationen an die Feuerwehreinsatzleitung:
    • Wo brennt es?
    • Was brennt?
    • Wie viele Menschen sind verletzt oder in Gefahr?
    • Welches Ausmaß hat der Brand erreicht?
    • Bestehen Gefahren durch gefährliche Stoffe?
    • Drohen Gefahren für das Einsatzpersonal durch Maschinen oder Anlagen?
  • Kontrollieren Sie alle Räume in Ihrem Bereich.
  • Führen Sie die Menschen zum vorgesehenen (ausgeschilderten) Sammelplatz.
  • Menschen mit körperlichen Einschränkung unter Umständen erst horizontal in Sicherheit bringen.
  • Versuchen Sie einen Entstehungsbrand mit Feuerlöscher und Wandhydrant zu löschen.
  • Gehen Sie nur bis Rauchgrenze vor. Beachten Sie den Eigenschutz und bringen Sie sich nicht in Gefahr.
  • Versuchen Sie möglichst viele Türen zum Brandherd hin zu schließen.

 Autor: Stefan Johannsen, Diplom Biologe

 

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