Prüfung von Feuerlöschern: Änderungen der Richtlinie VDI 4068 Blatt 13

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Prüfung von Feuerlöschern: Änderungen der Richtlinie VDI 4068 Blatt 13 | 13.06.2017

Im März 2017 gab die VDI-Gesellschaft Energie und Umwelt (VDI-GEU) die Änderungen der Richtlinie VDI 4068, Blatt 13 „Prüfung befähigter Personen; Prüfung von Feuerlöschern“ heraus. Sie ist unter Beachtung der Vorgaben und Empfehlungen der Richtlinie VDI 1000 entstanden.

Die Richtlinie ersetzt den Entwurf von August 2015, und erschien im März 2017 als Weißdruck.

Die Richtlinie betrifft die zur Prüfung befähigte Personen und die Ausbildungsprogramme der zur Prüfung befähigter Personen. Diese Personen sind mit der Prüfung von Feuerlöschern (§ 16 BetrSichV, Anhang 2, Ziffer 4) beauftragt.

VDI 4068 Blatt 1:2016-03 ist für die Anwendung der Richtlinie VDI 4068 Blatt 13 erforderlich.

Für die Richtlinie geltende Begriffe:

  • fahrbarer Feuerlöscher: ein mehr als 20 kg schwerer und auf Rädern fahrbarer Feuerlöscher; zum manuellen Transport und zur manuellen Bedienung (DIN EN 1866)
  • Feuerlöscher: brandabwehrendes Gerät; Löschmittel, das durch Innendruck ausgestoßen und auf einen Brandherd gerichtet wird
  • tragbarer Feuerlöscher: ein weniger als 20 kg wiegender Feuerlöscher, tragbar und mit der Hand zu bedienen.

Ermittlung des Qualifikationsmerkmals für die zur Prüfung befähigter Personen:

Zur Prüfung befähigte Personen dürfen Feuerlöscher prüfen, wenn nicht durch die BetrSichV eine zugelassene Überwachungsstelle (ZÜS) gefordert wird.

Zur Beurteilung des Feuerlöschers werden die Kriterien nach VDI 4068 Blatt 1 folgendermaßen eingestuft:

  • Komplexität
  • Prüfaufwand
  • Gefährdung
  • Gesamteinstufung

Anforderungen an die zur Prüfung befähigter Person:

Für die Prüfung von Feuerlöschern muss die zur Prüfung befähigte Person durch eine technische Berufsausbildung mit Grundkenntnissen in der Metallverarbeitung eine mindestens einjährige Berufserfahrung und eine zeitnahe berufliche Tätigkeit über die erforderlichen Kenntnisse haben.

Hat die Person keine einjährige Berufserfahrung, kann durch den Arbeitgeber bestätigt werden, dass die notwendigen Kenntnisse und Erfahrungen durch überdurchschnittlich häufige Instandhaltungsmaßnahmen von Feuerlöschfabrikaten erworben wurden.

Dies sollte einen Ausnahmefall darstellen.

Auch muss die Person Kenntnis über Druckgefährdungen nachweisen können. Der Kenntnisstand ist spätestens alle fünf Jahre durch eine Aktualisierungsschulung aufzufrischen.

Folgende allgemeinen Kenntnisse muss die zur Prüfung befähigte Person haben:

  • Gefährdungsbeurteilung
  • bestimmungsgemäßer Betrieb
  • Montage, Installation, Betrieb und Verwendung
  • Ausrüstung und Absicherungskonzepte
  • Funktionsweise, Herstellungs- und Konstruktionsverfahren
  • relevante Richtlinien, Normen und Rechtsvorschriften
  • Prüfverfahren, Prüffristen, Prüfungen
  • in der Praxis auftretende, relevante Einflüsse und Schadensbilder

Folgende spezifischen Kenntnisse muss die zur Prüfung befähigte Person haben:

  • Geräte- und Anlagenkenntnisse (Löschmittel, Druckgase, Betreiben von Druckgeräten, Betreiben ortbeweglicher Druckbehälter, Schlauch- und Rohrleitungen, Abgrenzung zwischen Instandhaltung und Prüfung)
  • Sachkunde: Den Nachweis darüber müssen die Personen gemäß DIN 14406-4 erbringen. Für fahrbare Feuerlöscher gilt zudem, dass eine produktspezifische Ergänzungsausbildung absolviert werden muss.

Anforderungen an die Ausbildung:

Im Rahmen der Ausbildung müssen die oben genannten allgemeinen und spezifischen Kenntnisse übermittelt werden.

Die Ausbildung und die Sachkundeausbildung können nur in Kombination erfolgen, wenn beide Bereiche inhaltlich klar abgegrenzt sind, und demnach auch separate Prüfungen durchgeführt werden.

Ein Schulungstag von acht Stunden muss mindestens für die Schulung inklusive Prüfung vorgesehen werden.

Den Teilnehmern muss eine umfangreiche Dokumentation auf dem aktuellsten Stand zur Verfügung gestellt werden. Dadurch müssen die Teilnehmer die Möglichkeit bekommen, den Schulungsinhalt schwerpunktmäßig nachzuverfolgen. Auch Arbeitsblätter sollten hier enthalten sein, um den Schulungsteilnehmern als Handlungshilfen zu dienen.

Als schriftliche Prüfung gilt ein Multiple-Choice-Verfahren, womit die Ausbildung abgeschlossen wird. Dieses muss mindestens 20, und höchstens 35 Fragen beinhalten. Wenn mindestens 75 % dieser Fragen richtig beantwortet wurden, gilt die Prüfung als bestanden.

Zwischen 60 % und 75 % Anteil richtiger Fragen besteht die Möglichkeit eines Prüfungsgesprächs zwischen Prüfling und Schulungsleiter. Dieser entscheidet im Anschluss, ob die notwendigen Kenntnisse vorhanden sind.

Bei weniger als 60 % bleibt die Anmeldung zur Nachprüfung.

Ist die Prüfung erfolgreich bestanden, wird den Schulungsteilnehmern ein Zertifikat überreicht.

Dieses muss mindestens folgende Inhalte vorweisen:

  • Rechtsgrundlagen
  • Hinweis auf die VDI Richtlinie
  • Ort und Datum der Schulung
  • Sachgebiet und Geltungsbereich der Schulung
  • Ausbilder
  • Hinweis auf erfolgreich bestandene Prüfung

Anforderung an die Aktualisierungsschulung:

In der Aktualisierungsschulung sind hauptsächlich Änderungen der Vorschriften und der technischen Regeln zu vermitteln. Diese kann ausschließlich theoretische Inhalte haben.

Außerdem soll die Aktualisierungsschulung dem Austausch zwischen den zur Prüfung befähigter Personen dienen, zum Beispiel durch Fallbeispiele.

Durch einen Leistungsnachweis ist die Aktualisierungsschulung abzuschließen.

Jeder Aktualisierungsschulungsteilnehmer bekommt eine Teilnahmebescheinigung.

Diese muss mindestens folgende Inhalte vorweisen:

  • Rechtsgrundlagen
  • Hinweis auf die VDI Richtlinie
  • Ort und Datum der Schulung
  • Sachgebiet und Geltungsbereich der Schulung
  • Inhaltliche Schwerpunkte
  • Ausbilder
  • Hinweis auf erfolgreich bestandene Prüfung (falls zutreffend)

Dokumentation der Schulung und der Prüfergebnisse:

Für alle oben beschriebenen Schulungen sind von den Ausbildern Unterlagen für mindestens fünf Jahre aufzubewahren. Dies darf auch digital sein.

Diese Unterlagen sind:

  • PowerPoint-Präsentation
  • Schulungsdokumentation
  • Prüffragen- und antworten
  • Protokoll über das Ergebnis des Prüfgesprächs
  • Kopie des Zertifikats bzw. der Teilnahmebestätigung

Anforderungen an die Ausbilder:

Ausbilder müssen mindestens den Ansprüchen der VDI 4068 Blatt 1 gerecht werden.

Darüber hinaus müssen sie für das Sachgebiet „Feuerlöscher“ den Anforderungen der DIN 14406-4 entsprechen.

Der Kenntnisstand des Ausbilders muss regelmäßig aktualisiert sein. Dies hat er nachzuweisen. Dazu gehört unter anderem auch der Erfahrungsaustausch mit anderen Ausbildern, der unter anderem die Einheitlichkeit der Ausbildung auf diesem Sachgebiet sicherstellen soll.

 

Autor: Stefan Johannsen, Diplom-Biologe

 

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