Brandschutzkonzept

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Brandschutzkonzept – Voraussetzung bei der Planung von Betriebsstätten | 11.09.2018

Die Vorgabe der jeweiligen Landesbauordnungen ist, bei der Planung und Nutzungsänderung von Betriebsstätten ein Brandschutzkonzept zu erstellen, das in Abhängigkeit von der Gebäudeart (Versammlungsstätte, Verkaufsstätte, Industriebauten) unterschiedlichsten Anforderungen genügen muss und mit den Antragsunterlagen bei der örtlich zuständigen Behörde einzureichen ist. Es sollte dabei ein Brandschutzfachplaner oder Sachverständiger für die Prüfung des Brandschutzes einbezogen werden, um einen Mindest-Qualitätsstandard zu gewährleisten.

Die Erstellung eines Brandschutzkonzeptes für ein Gebäude ist dann erforderlich, wenn

  1. von den baurechtlichen Anforderungen abgewichen werden soll
  2. oder es sich um ein Gebäude besonderer Art und Nutzung (zum Beispiel Industriebau, Sportstadion, Mehrzweckhalle, Krankenhaus etc.) handelt.

Ein Brandschutzkonzept dient dazu, entsprechende Vorgaben und Forderungen für den vorbeugenden, organisatorischen und abwehrenden Brandschutz in Form eines Sicherheitsnachweises zu erbringen und sollte immer aus Planunterlagen und einem Erläuterungsbericht mit Textteil und gegebenenfalls tabellenförmiger Festlegung von Anforderungen bestehen.
Für die Gliederung des Textteils haben sich folgende Hauptüberschriften bewährt:

  1. Vorbemerkung, Einleitung
  2. Liegenschafts- und Gebäudeanalyse
  3. Baurechtliche Einordnung, Schutzziele, Risikobewertung
  4. Brandschutzmaßnahmen

Ein Brandschutzkonzept ist, vereinfacht ausgedrückt, die Summe von aufeinander abgestimmten Maßnahmen, die realisiert werden müssen, um die zu erwartenden Brandschäden auf ein verantwortbares Maß zu reduzieren.

Ein Brandschutzkonzept ist eine Entscheidungshilfe und legt fest, welche Maßnahmen mit welcher Priorität zu treffen sind. Es muss von Behörden, Bauherrn, Betreibern und Versicherern akzeptiert werden können und sollte ein ausgewogenes Kosten-Nutzen-Verhältnis aufweisen. Es besteht immer aus verschiedenen Brandschutzeinrichtungen und organisatorischen Maßnahmen, deren Auswahl von den möglichen Brandszenarien, vom festgelegten Schutzziel und vom akzeptierten Schaden aus Sicht der oben genannten Schutzziele anhängig ist.

Das Brandschutzkonzept muss insbesondere folgende Angaben enthalten:

  • Zu- und Durchfahrten sowie Aufstell- und Bewegungsflächen für die Feuerwehr
  • den Nachweis der erforderlichen Löschwassermenge sowie den Nachweis der Löschwasserversorgung
  • Bemessung, Lage und Anordnung der Löschwasser-Rückhalteanlagen
  • das System der äußeren und der inneren Abschottungen in Brandabschnitte bzw. Brandbekämpfungsabschnitte sowie das System der Rauchabschnitte mit Angaben über die Lage und Anordnung und zum Verschluss von Öffnungen in abschottenden Bauteilen
  • Lage, Anordnung, Bemessung (ggf. durch rechnerischen Nachweis) und Kennzeichnung der Rettungswege (u.a. Rettungswegleuchten) auf dem Baugrundstück und in Gebäuden mit Angaben zur Sicherheitsbeleuchtung, -stromversorgung, zu automatischen Schiebetüren in Rettungswegen und zu elektrischen Verriegelungen von Türen,
  • Ausgangsanzahl, -breiten, Gangart und Anzahl
  • Eigenschaften von Türen (u.a. feuerhemmend, rauchdicht, selbstschließend)
  • Trennwändeeigenschaften (ggf. mit definierter Feuerwiderstandsklasse)
  • Deckenverkleidungen (einschließlich Dämmstoffe aus nichtbrennbaren Baustoffen)
  • Wanddurchbrüche (z.B. durch Leitungen oder haustechnischen Anlagen)
  • Flurwändeeigenschaften (ggf. feuerhemmend und raumabschließend)
  • Abschlusseigenschaften von Öffnungen in den Flurwänden (z.B. rauchdicht und selbstschließend)
  • die höchstzulässige Zahl der Nutzer der baulichen Anlage
  • Lage und Anordnung haustechnischer Anlagen, insbesondere der Leitungsanlagen, ggf. mit Angaben zum Brandverhalten im Bereich von Rettungswegen
  • Lage und Anordnung der Lüftungsanlagen und -leitungen mit Angaben zur brandschutztechnischen Ausbildung (Dämmstoffe, Bekleidungen, Brandschutzklappen)
  • Lage, Anordnung und Bemessung der Rauch- und Wärmeabzugsanlagen mit Eintragung der Querschnitte bzw. Luftwechselraten sowie der Überdruckanlagen zur Rauchfreihaltung von Rettungswegen
  • die Alarmierungseinrichtungen und die Darstellung der elektro-akustischen Alarmierungsanlage (ELA-Anlage), Sprachalarmanlage (SAA) DIN VDE 0833-4 inklusive Ansteuerung (DIN VDE 0833-2)
  • Lage, Anordnung und ggf. Bemessung von Anlagen, Einrichtungen und Geräten zur Brandbekämpfung (wie (automatische) Feuerlöschanlagen, Steigleitungen, Wandhydranten, Schlauchanschlussleitungen, Feuerlöschgeräte) mit Angaben zu Schutzbereichen und zur Bevorratung von Sonderlöschmitteln
  • Sicherheitsstromversorgung mit Angaben zur Bemessung und zur Lage und brandschutztechnischen Ausbildung des Aufstellraumes, der Ersatzstromversorgungsanlagen (Batterien, Stromerzeugungsaggregate) und zum Funktionserhalt der elektrischen Leitungsanlagen
  • Hydrantenpläne mit Darstellung der Schutzbereiche
  • Lage und Anordnung von Brandmeldeanlagen (automatisch, nicht automatisch) mit Unterzentralen und Feuerwehrtableaus, Auslösestellen
  • Feuerwehrpläne
  • ggf. Benennung von Brandschutzbeauftragten (u.a. ASR A 2.2, Verkaufsstättenverordnung)
  • betriebliche Maßnahmen zur Brandverhütung und Brandbekämpfung sowie zur Rettung von Personen (wie Werkfeuerwehr, Betriebsfeuerwehr, Hausfeuerwehr, Brandschutzordnung, Maßnahmen zur Räumung, Räumungssignale)
  • Angaben darüber, welchen materiellen Anforderungen der Landesbauordnung oder in Vorschriften aufgrund der Landesbauordnung nicht entsprochen wird und welche ausgleichenden Maßnahmen stattdessen vorgesehen werden
  • verwendete Rechenverfahren zur Ermittlung von Brandschutzklassen nach Methoden des Brandschutzingenieurwesens.

Autor: Stefan Johannsen, Diplom-Biologe

 

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