Maßnahmen gegen Brände

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ASR A2.2 „Maßnahmen gegen Brände“: Diese Neuerungen sollten Sie kennen | 18.09.2018

Am 18. Mai 2018 wurde die neue ASR A2.2 im Gemeinsamen Ministerialblatt Nr. 24 veröffentlicht und ersetzt die bisherige Version von 2012 ohne Übergangsfrist.

Der Arbeitgeber muss nun zeitnah prüfen, inwieweit seine bisherigen Maßnahmen den Anforderungen der neuen ASR A2.2 entsprechen.

Wendet der Arbeitgeber die Maßnahmen gegen Brände gemäß der neuen ASR A2.2 beim Einrichten und Betreiben von bestehenden Arbeitsstätten nicht an oder belässt er bisherige Anforderungen bestehen, so hat er mit der Gefährdungsbeurteilung zu ermitteln, ob die in der Arbeitsstätte verwendeten Maßnahmen gegen Brände nach ASR A2.2 (Ausgabe November 2012, GMBl 2012, S.1225) bzw. seine selbst gewählten Lösungen weiterhin angewendet werden können.

Ziel der Neufassung

Die Technischen Regeln für Arbeitsstätten (ASR) geben den Stand der Technik, Arbeitsmedizin und Arbeitshygiene sowie sonstige gesicherte arbeitswissenschaftliche Erkenntnisse für das Einrichten und Betreiben von Arbeitsstätten wieder. Sie werden vom Ausschuss für Arbeitsstätten ermittelt bzw. angepasst und vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales im Gemeinsamen Ministerialblatt bekannt gegeben.

Die ASR A2.2 konkretisiert im Rahmen des Anwendungsbereichs die Anforderungen der Verordnung über Arbeitsstätten. Bei Einhaltung der Technischen Regeln kann der Arbeitgeber insoweit davon ausgehen, dass die entsprechenden Anforderungen der Verordnung erfüllt sind. Somit bleibt der Grundsatz bestehen, dass diese Technische Regel quasi als vorweggenommene Gefährdungsbeurteilung für den „Normalfall“ genutzt bzw. berücksichtigt werden kann.

In der neuen Fassung der ASR werden dem Arbeitgeber nun verschiedene praktische Beispiele für eine sinnvolle und vertretbare Abweichung vorgeschlagen. Wählt der Arbeitgeber diese oder eine gänzlich andere Lösung, muss er damit mindestens die gleiche Sicherheit und den gleichen Gesundheitsschutz für die Beschäftigten erreichen. Dazu muss er diese Maßnahmen in seiner Gefährdungsbeurteilung (siehe auch ASR V3) dokumentieren und sicher begründen.

Die Schwerpunkte des Inhalts der neuen ASR A2.2 haben sich gegenüber der Fassung von 2012 nicht verändert, wurden aber redaktionell teilweise stark überarbeitet. Der nachfolgende Text orientiert sich nicht zwingend an der Reihenfolge der ASR A2.2, sondern an der typischen Vorgehensweise durch den Betreiber.

Anwendungsbereiche

Brandgefährdung in Arbeitsstätten liegt immer dann vor, wenn brennbare Stoffe vorhanden sind und die Möglichkeit für eine Brandentstehung besteht. Somit sind in der Praxis so gut wie alle Arbeitsstätten in eine normale oder erhöhte Brandgefährdung einzustufen.

Brandklassen

Neu hinzugekommen ist der Hinweis für den Arbeitgeber, insbesondere in der Brandklasse B nicht nur auf den physikalischen Zustand des Brandguts „flüssig oder flüssigwerdend“ zu achten, sondern die Eigenschaften des Brandguts konkret zu betrachten. So können bestimmte brennbare Flüssigkeiten durch ihre Eigenschaften die eingesetzten Löschmittel beeinflussen (z. B. Schaumzerstörung bei Einsatz an polaren Flüssigkeiten wie Alkoholen oder Lösemitteln). Daher weist die ASR A2.2 nun bei der Brandklasse B auf die Beachtung des Sicherheitsdatenblatts hin.

Fachkundige zur Wartung von Feuerlöschern

Eine bedeutende Neuerung der ASR A2.2 betrifft insbesondere Sachkundige gemäß DIN 14406 Teil 4. Somit wird die DIN 14406-4 vorrangig zur Grundlage der Instandhaltung und Wartung von tragbaren Feuerlöschern in Arbeitsstätten.

Feuerlöscheinrichtungen in der Grundausstattung

Eine weitere Neuerung betrifft Feuerlöscheinrichtungen in der Grundausstattung, die als Feuerlöscher nach DIN EN 3-7 definiert sind. Somit wird die Grundausstattung nur mit tragbaren Feuerlöschern vorgesehen, die bisherigen dort anrechenbaren Wandhydranten entfallen und können nur als Abweichung von der ASR eingerechnet werden. Der Einsatz von Feuerlöschern, die nicht nach dieser DIN-Norm typgeprüft oder zugelassen sind, stellt somit eine Abweichung dar.

Brandschutzhelfer

Es wird empfohlen, die Unterweisung mit Übung in Abständen von drei bis fünf Jahren zu wiederholen.

Brandschutzbeauftragter

Eine wichtige Neuerung ist die Aufnahme von Vorgaben für den Einsatz von Brandschutzbeauftragten. Ermittelt der Arbeitgeber eine erhöhte Brandgefährdung, sollte ein Brandschutzbeauftragter bestellt werden. Somit wird der Brandschutzbeauftragte zum ersten Mal in das Arbeitsstättenrecht übernommen.

Kennzeichnung der Montageorte

Grundsätzlich ist der Standort von Feuerlöschern durch das Brandschutzzeichen F001 „Feuerlöscher“ entsprechend ASR A1.3 „Sicherheits- und Gesundheitsschutzkennzeichnung“ zu kennzeichnen. Somit muss der Arbeitgeber hier tätig werden, denn die Anforderung gab es in der bisherigen ASR nur für nicht oder schlecht einsehbare Standorte.

Grundausstattung aller Arbeitsstätten

Die Arbeitsstätte kann in Teilbereiche unterteilt werden, sofern dies wegen der baulichen Gegebenheiten oder der Nutzungsbedingungen sinnvoll oder erforderlich ist. Die zu einer Arbeitsstätte gehörenden Teilbereiche können auch in unterschiedliche Brandgefährdungen eingestuft sein.

Bei gleicher Brandgefährdung können aber auch die Flächen mehrerer gleichartiger Etagen/Ebenen addiert werden. Für die Grundausstattung werden, wie bisher nur Feuerlöscher angerechnet, die jeweils über mindestens sechs Löschmitteleinheiten (LE) verfügen.

Neu: Es kann sich allerdings bei der Gefährdungsbeurteilung herausstellen, dass kleinere und leichtere Feuerlöscher (mit mind. zwei Löschmitteleinheiten) vorgesehen werden sollen. Somit kann die Zugriffszeit durch die höhere Verteilungsdichte verkürzt werden. Leichtere und kleinere Feuerlöscher können einfacher geholt und bedient werden.

Die ASR A2.2 lässt diese Abweichung allerdings nur bei ausschließlich normaler Brandgefährdung zu. Zudem muss die Anzahl der Brandschutzhelfer verdoppelt werden. Diese erhebliche Erhöhung der Löscheranzahl sollte nur bei entsprechender Notwendigkeit durchgeführt werden, da sie zu einer Kostensteigerung führt.

Sobald ein Bereich der Arbeitsstätte in die erhöhte Brandgefährdung eingestuft wird, müssen die Feuerlöscher in der Grundausstattung, über die sechs Löschmitteleinheiten verfügen. Dies führt zur Bereithaltung von Feuerlöschern mit ausreichender Größe und Löschleistung, um auch im Falle bereits fortgeschrittener Entstehungsbrände oder der besonderen Gefahr durch Hitze und Rauch ein sicheres Ablöschen zu ermöglichen.

Zusätzliche Maßnahmen bei erhöhter Brandgefährdung

Neu dazugekommen sind folgende Maßnahmen:

  • die Anbringung mehrerer gleichartiger und baugleicher Feuerlöscher an einem Standort in Bereichen mit erhöhter Brandgefährdung, um bei ausreichend anwesenden Beschäftigten zur Entstehungsbrandbekämpfung durch gleichzeitigen Einsatz mehrerer Feuerlöscher einen größeren Löscheffekt zu erzielen oder
  • die Bereitstellung von zusätzlichen, für die vor Ort vorhandenen Brandklassen geeigneten Feuerlöscheinrichtungen in Bereichen oder an Arbeitsplätzen mit erhöhter Brandgefährdung, um eine schnelle und wirksame Entstehungsbrandbekämpfung zu ermöglichen, z. B. Kohlendioxidlöscher in Laboren, Fettbrandlöscher an Fritteusen und Fettbackgeräten, fahrbare Feuerlöscher mit einer höheren Wurfweite und Löschleistung an Tanklagern mit brennbaren Flüssigkeiten, Wandhydranten in Gebäuden, bei denen eine hohe Löschleistung für die Entstehungsbrandbekämpfung oder zur Kühlung benötigt wird.

Wartung von Feuerlöschern

Sollte ein Hersteller die Möglichkeit längerer Instandhaltungsfristen erlauben, so kann der Arbeitgeber als Verantwortlicher im Rahmen seiner Gefährdungsbeurteilung auch andere Fristen festlegen. Grundsätzlich ist aber eine sehr genaue Betrachtung der örtlichen Gegebenheiten erforderlich, um sicherzustellen, dass die Aussage des Herstellers auch wirklich umsetzbar ist.

Zusätzlich muss der Arbeitgeber durch statistische und stichprobenartige Prüfungen feststellen, ob seine Festlegung auch auf Dauer Bestand hat. Eine solche Abweichung ist also möglich, erfordert aber einen hohen Aufwand, der sich dann gegen-über der Einsparung von mehreren Instandhaltungen im Laufe eines Löscherlebens wirtschaftlich rechnen muss.

Es ist davon auszugehen, dass die bisherige Festlegung von max. zwei Jahren den Stand der Technik darstellt, der sich über einen langen Zeitraum bewährt hat. Somit gilt hier die Vermutungswirkung der ASR A2.2 für den Arbeitgeber. Setzt er längere Fristen an, so muss er dies in seiner Gefährdungsbeurteilung dokumentieren und verliert damit auch die Vermutungswirkung der Technischen Regel.

Anhang 2

Ergänzt wurde ein Beispiel, das den Einsatz von kleineren Feuerlöschern erläutern soll.

Anhang 3

Der neu hinzugefügte Anhang 3 beschreibt Beispiele für die Abweichung von der Grundausstattung nach der ASR, in denen vorhandene Wandhydranten mit eingerechnet werden. Neu aufgenommen sind auch Beispiele für Abweichungen, die zulässig sind, sofern die Gleichwertigkeit mit den Lösungen nach ASR A2.2 gewährleistet wird.

Fazit

Die Neufassung der ASR A2.2 hat die Grundzüge der bisherigen Fassung beibehalten, allerdings sieht sie an vielen Stellen zusätzliche oder neue Anforderungen vor. Dies gilt insbesondere für den Bereich der erhöhten Brandgefährdung. Der Arbeitgeber muss seine Festlegungen überprüfen und ggf. anpassen. Eine Übergangsfrist für die bisherige Fassung gibt es nicht.

 

Autor: Michael Becker / FORUM VERLAG HERKERT GMBH

 

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