Brandschutzbeauftragte im Unternehmen – Aufgaben, Qualifikation, Ausbildung und Bestellung

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DGUV Information 205-001: Betrieblicher Brandschutz in der Praxis – Teil 1 | 23.03.2021

Brände in Arbeitsstätten führen fast immer zu Unfällen, was laut einer Statistik der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung in den vergangenen Jahren bestätigt wurde. Demzufolge wurden in den Jahren 2010 bis 2017 jeweils circa 2.000 Arbeitsunfälle gemeldet, die auf Brände oder Explosionen zurückzuführen sind. Aus diesem Grund hat die DGUV bereits im Dezember 2020 eine neue Information 205-001 veröffentlicht, die sich auf die Grundlagen des betrieblichen Brandschutzes in der Praxis fokussiert. 

 Diese Beitragsreihe fasst die wichtigsten Inhalten der neuen DGUV Information zusammen. Teil 1 beschäftigt sich dabei mit den Brandursachen, dem Verbrennungsvorgang sowie den Beauftragten im Brandschutz.

 

 

1. Brandursachen

Die Ursachen von Bränden sind sehr vielfältig und nicht selten auf menschliches Fehlverhalten zurückzuführen. Zu den hauptsächlichen Ursachen in Arbeitsstätten gehören die folgenden:

  • Unsachgemäßer Umgang mit Arbeitsmitteln, Einrichtungen, Stoffen und Gemischen
  • Fehlende Unterweisung und mangelndes Gefahrenbewusstsein
  • Überlastete elektronische Anlagen
  • Mangelnde Wartung und Instandhaltung

 

Ein konkretes Beispiel, das gleich mehrere der genannten Aspekte bedient, lautet wie folgt:

Beim Arbeiten mit dem Winkelschleifer in einer Bauschlosserwerkstatt setzten Schleiffunken die durch Fett und Öl verschmutzte Arbeitskleidung eines Beschäftigten in Brand. Ein Kollege konnte die Flammen mit einem Feuerlöscher löschen. Folgen: Verbrennungen zweiten Grades am rechten Oberschenkel und längere Arbeitsunfähigkeit.“

(DGUV Information 205-001:2020, Seite 7)

 

2. Verantwortliche, Beauftragte und Beteiligte im betrieblichen Brandschutz

Die Verantwortung für die Verhütung von Bränden im Unternehmen ist zwischen verschiedenen Personen aufgeteilt. Die wichtigsten darunter sind Führungskräfte, Brandschutzbeauftragte, Fachkräfte für Arbeitssicherheit sowie die Beschäftigten selbst.

Der Führungskraft kommt die Aufgabe zu, gemäß § 5 des Arbeitsschutzgesetzes (ArbSchG) eine Gefährdungsbeurteilung durchzuführen sowie die erforderlichen Einrichtungen und technische und organisatorische Maßnahmen zu treffen. Außerdem planen sie die Unterweisung von Beschäftigten bezüglich der mit ihrer Tätigkeit verbundenen Brandgefahren sowie dem Umgang mit Brandschutz- und Feuerlöscheinrichtungen.

Der Fachkraft für Arbeitssicherheit obliegt die Beratung zu sinnvollen Maßnahmen im Brandschutz sowie der Beachtung möglicher Brandgefahren bei der Begehung der Betriebsstätte. Bei Mängeln informiert sie den Vorgesetzten und teilt die Untersuchungsergebnisse mit.

Brandschutzbeauftragte unterstützen das Unternehmen in allen Fragen des vorbeugenden, abwehrenden und organisatorischen Brandschutzes und stehen dabei insbesondere bei der Planung, Ausführung und Unterhaltung von Betriebsanlagen, Gestaltung von Arbeitsverfahren und der Zusammenarbeit mit Aufsichtsbehörden und Feuerwehren zur Verfügung. Außerdem sind Brandschutzbeauftragte auch für die Erstellung der Notfallplanung und die Aus- und Fortbildung von Beschäftigten zuständig.

Die vierte wichtige Gruppe zur Vermeidung von Bränden sind die Beschäftigten eines Unternehmens. Sie müssen den Weisungen zur Brandverhütung Folge leisten und durch ihr Verhalten die getroffenen Maßnahmen zur Verhütung von Bränden und Explosionen unterstützen.

 

 

3. Der Verbrennungsvorgang

Damit ein Brand entstehen kann, müssen die drei folgenden Komponenten vorhanden sein: Ein brennbarer Stoff, Sauerstoff und eine Zündquelle mit ausreichender Energie. Solche Zündquellen am Arbeitsplatz können beispielsweise sein:

  • Offene Flammen: Schweiß-, Schneid-, oder Brennerflammen
  • Heiße Oberflächen, z. B. Heizgeräte, Motorengehäuse
  • Schaltfunken wie beim Öffnen und Schließen elektrischer Kontakte
  • Chemische Energie, z. B. Selbstentzündung infolge Oxidation, Zerfallsreaktion,
  • Biologische Reaktion, z. B. durch biologische Zersetzung, z. B. Heuballenbrand

 

 

4. Gefährdungen durch Brandgase und Brandrauche

Die größere Gefahr bei Bränden sind nicht Verletzungen durch die Flammeneinwirkung, sondern die Vergiftung durch Rauchgase. Brandrauch beeinträchtigt die Atmung erheblich und besonders Produkte unvollkommener Verbrennungen wie Kohlenmonoxid blockiert die Aufnahme des eingeatmeten Luftsauerstoffs durch das Blut. Schon geringe Mengen wirken giftig und können zum Tod führen. Ein Beispiel: Bereits die Verbrennung von 10 kg Papier führt zur Entstehung von 10 000 m3/h toxische Rauchgase.

 

 

5. Prinzipien des Löschens

Um einen Brand löschen zu können, müssen drei Schritte erfüllt werden:

  • Entzug des Brennstoffs
  • Unterbrechung der Sauerstoffzufuhr (Abdecken der Flammen)
  • Beeinflussung der Zündquelle, z. B. durch Kühlen, Entfernen, Abschalten des Stroms

Grundsätzlich werden fünf verschiedene Klassen brennbarer Materialien festgelegt, unterschieden je nach Art des Brennstoffs (DIN EN 2). Bei Feuerlöschern findet diese Kennzeichnung häufig Verwendung.

 

Brandklasse A: Brände fester Stoffe, meist organischer Natur wie Holz, Papier, Autoreifen

Brandklasse B: Brände flüssiger oder flüssig werdender Stoffe wie Benzin, Öle, Teer

Brandklasse C: Brände von Gasen wie Methan, Propan, Erdgas

Brandklasse D: Brände von Metallen wie Aluminium, Magnesium, Lithium

Brandklasse F: Brände von Speiseölen und -fetten wie Frittier- und Fettbackgeräten, Kücheneinrichtungen

 

Für Brände in elektrischen Anlagen werden separate Maßnahmen gemäß DIN VDE 0132 „Brandbekämpfung und technische Hilfeleistungen im Bereich elektrischer Anlagen“ ausgewiesen.

 

Quelle: ls | www.publikationen.dguv.de

 

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