Brandschutzbeauftragte im Unternehmen – Aufgaben, Qualifikation, Ausbildung und Bestellung

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DGUV Information 205-001: Betrieblicher Brandschutz in der Praxis – Teil 3 | 20.04.2021

Brandgefahren vor Ort in den Betrieben entstehen immer durch das Vorhandensein von brennbaren Stoffen, wie brennbaren Lösemitteln, Benzindämpfen und Stäuben, die als entzündbar eingestuft sind sowie nicht gekennzeichnete Feststoffe und Gefahrstoffe wie Papier, Holz oder Kunststoffe. Welche besonderen Maßnahmen die DGUV Information 205-001 daher für den betrieblichen Brandschutz festlegt, lesen Sie im nachfolgenden Artikel, in dem die wichtigsten Aspekte kurz erläutert werden.

Zu den Bereichen, in denen mit erhöhter Brandgefahr zu rechnen ist, sind beispielsweise Kfz-Reparaturwerkstätten und Garagen, in der Holzbearbeitung, Schreinereien und Sägewerken. In diesen Bereichen ist es daher besonders wichtig, dass sowohl das Rauchen als auch der Umgang mit Feuer oder offenem Licht verboten ist (dies ist mit Verbotszeichen wie P003 „keine offene Flamme; Feuer, offene Zündquelle und Rauchen verboten“) zu kennzeichnen.

Explosionsgefährdete Bereiche

Als explosionsgefährdete Bereiche gelten alle Bereiche, in denen gefährliche explosionsfähige Atmosphären entstehen können und dabei durch ein Gemisch von Luft und brennbaren Gasen, Dämpfen, Nebeln oder Stäuben (hier reicht meist eine Schichtdicke von < 1mm aus, um einen Raum mit einem explosionsfähigen Gemisch vollständig zu füllen) mit einer wirksamen Zündquelle entzündet werden kann. Folgendes Beispiel aus der DGUV Information illustriert, wie es zu einer Entzündung kommen kann:

„Bei einer Wanne-in-Wanne Montage einer Badewanne wurde die alte Wanne mit einem extrem entzündbaren Bauschaum ausgeschäumt und die neue Badewanne in die alte geklebt. Bei der Kontrolle der Dichtigkeit des Abflusses wurde über die Revisionsöffnung seitlich an der Badewanne mit einem Feuerzeug hineingeleuchtet. Es kam zu einer Verpuffung des extrem entzündbaren Treibdampf-Luft-Gemisches. Der Monteur erlitt schwere Verbrennungen.“ (DGVU Information 205-001: Seite 22).

Die Technischen Regeln für Gefahrstoffe (TRGS) wie die TRGRS 720 „Gefährliche explosionsfähige Atmosphäre“ stellen die Grundlagen für die Beurteilung der zu ergreifenden Maßnahmen und der Anforderungen da. Notwendige Schutzmaßnahmen sind in der Gefährdungsbeurteilung und im Explosionsschutzdokument festzuhalten.

Brennbare Stoffe und Gemische im Betrieb

Zu den brennbaren Stoffen, die häufig in Betrieben anzutreffen sind, gehören die folgenden Beispiele:

  • Lösemittelhaltige Farben, Lacke und Klebstoff
  • Brennbare Sprays und Gase (hier können sich beim Versprühen entzündbare Nebel bilden)
  • Feststoffe wie Getreide, Zucker, Holz und Metalle als feine Späne oder Staub
  • Mit Öl getränkte Putzlappen, organische Abfälle (Gefahr der Selbstentzündung)

Abgesehen von den brennbaren Materialien ist die Umgebungstemperatur von großer Bedeutung. Denn werden die genannten Stoffe über ihren Flammpunkt erhitzt, müssen sie wie leicht entzündbare Stoffe und Gemische behandelt werden.

Gefährdungsbeurteilung der Brandgefahren

Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber müssen vor Einsatz bestimmter Materialien, Verfahren oder Arbeitsumgebungen gemäß der Gefahrstoffverordnung eine Gefährdungsbeurteilung durchführen. Im Mittelpunkt stehen dabei die folgenden Fragen:

1. Können gefährliche Mengen oder Konzentrationen von Gefahrstoffen zu Brandgefahren führen?

Sofern möglich, sind Substitutionsprodukte zu verwenden, die nicht entzündbar sind. Beispielsweise kann anstelle von Waschbenzin ein wasserbasiertes Reinigungsmittel genutzt werden. Wichtig bei brennbaren Stoffen ist, dass die eingesetzten Mengen auf den Schichtbedarf zu begrenzen sind. Freiwerdende Gefahrstoffe sind gefahrlos zu beseitigen (z. B. mithilfe von Absauganlagen, Industriestaubsaugern unter Berücksichtigung der Explosionsgefährdungen).

2. Sind Zündquellen oder Bedingungen vorhanden, die Brände auslösen können?

3. Welche schädlichen Auswirkungen auf die Gesundheit und Sicherheit der Beschäftigten sind durch die Brände möglich?

Bei der Verbrennung von Schafswollprodukten und PU-Schaum beispielsweise kann Blausäure entstehen, bei Schwelbränden Kohlenmonoxid. Für die Gefährdungsbeurteilungen von chemischen Produkten sind die relevanten Informationen im Sicherheitsdatenblatt und Technischen Merkblatt des Herstellers / Lieferanten zu finden.

 

Fluchtwege und Notausgänge

Fluchtwege sind besondere Verkehrswege in Arbeitsstätten, die auf möglichst kurzem Weg ins Freie oder zumindest in einen gesicherten Bereich führen sollen, wie z. B. einen benachbarten Brandabschnitt oder Treppenraum. Je nachdem, wie die Bauart oder Fertigung und die Art eines Betriebes ist, ergibt sich die erforderliche Anzahl und die Lage der Fluchtwege. Rettungswege und Ausgänge müssen im Brandschutzkonzept oder im Baugenehmigungsverfahren festgelegt werden. Weitere Anforderungen ergeben sich z. B. aus der ASR A2.3 „Fluchtwege und Notausgänge, Flucht- und Rettungsplan“. Flucht- und Rettungswege sind stets freizuhalten.

Fluchtwege sind außerdem mit einer Sicherheitsbeleuchtung auszustatten, sollte das Verlassen des Gebäudes bei Ausfall der üblichen Beleuchtung nicht möglich sein.

 

Sicherheits- und Gesundheitsschutzkennzeichnung

Die Bereiche, die aufgrund der Gefährdungsbeurteilung als feuer- oder explosionsgefährdet bewertet wurden, sind dauerhaft und deutlich erkennbar zu kennzeichnen. Dazu gehören folgende Kennzeichnungen:

  • Rauchverbot
  • Verbot des Umgehens mit offenem Feuer und Licht
  • Fluchtwege, Notausgänge, Türen im Verlauf von Fluchtwegen
  • Feuermelder und Feuerlöscheinrichtungen

Wie diese Symbole konkret auszusehen haben, ist in der Technischen Regel für Arbeitsstätten „Sicherheits- und Gesundheitsschutzkennzeichnung“ (ASR A1.3) festgehalten.

 

Betriebsanweisung und Unterweisung

Gemäß dem Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) und der DGUV Vorschrift 1 sind die Beschäftigten eines Unternehmens über die Tätigkeiten und die mögliche Gefahr sowie über die Maßnahmen zur Abwendung dieser Gefahr vor Aufnahme der Tätigkeit zu unterweisen und dies in regelmäßigen Abständen, üblicherweise 1-mal pro Jahr.

Inhalte dieser Unterweisung müssen in jedem Fall die Maßnahmen gegen Entstehungsbrände und Explosionen sein sowie das Verhalten im Gefahrfall. Außerdem sind gemäß Gefahrstoffverordnung und der Betriebssicherheitsverordnung Betriebsanweisungen für die Tätigkeiten mit Gefahrstoffen und Arbeitsmitteln zu erstellen und an entsprechenden Stellen im Betrieb zugänglich gemacht werden.

 

Lagerung von leicht entzündlichen Gasen

Bei der Lagerung von leicht entzündlichen Gasen wie Flüssiggas, Acetylen, Stickoxide oder Sauerstoff kann aufgrund undichter Verschlüsse oder an lösbaren Rohleitungsverbindungen eine Gefahr entstehen, wenn sich die Atmosphäre in Lagerräumen mit dem austretenden Gas anreichert. Da diese Gase häufiger schwerer sind als Luft, können sie sich in niedriggelegenen Kellereingängen oder Lüftungsöffnungen anreichern und sogar von weiter entfernt gezündet werden.

Behältnisse müssen daher so aufgestellt werden, dass sie gegen mechanische Beschädigung und Brandeinwirkung von außen geschützt sind. Gasflaschen müssen getrennt voneinander und nicht mit brennbaren Stoffen zusammen gelagert werden.

 

Quelle: ls | www.publikationen.dguv.de

 

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