Brandschutzbeauftragte im Unternehmen – Aufgaben, Qualifikation, Ausbildung und Bestellung

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DGUV Information 205-001: Verhalten im Brandfall – Teil 5 | 14.05.2021

Vorab geeignete Abläufe für den Brandfall zu proben und immer wieder zu verinnerlichen ist ein wesentlicher Bestandteil, damit es im Brandfall nicht zu einem Ausbruch von Panik oder Fehlverhalten kommt. Welche Maßnahmen der Arbeitgeber zum Schutz der Beschäftigten treffen muss und wie dabei vorgegangen werden kann, erfahren Sie im folgenden Artikel.

Im Arbeitsschutzgesetz ist verankert, dass der Arbeitgeber dazu verpflichtet ist, in Anhängigkeit von der Art der Arbeitsstätte, den ausgeführten Tätigkeiten und der Zahl der Beschäftigten Maßnahmen festzulegen, die im Brandfall befolgt werden müssen. Dazu gehören Maßnahmen zur Ersten Hilfe, Brandbekämpfung und Evakuierung aller anwesenden Personen. 

Außerdem muss Sorge getragen werden, dass im Notfall die erforderliche Verbindung zu außerbetrieblichen Stellen besteht (Bereiche der medizinischen Versorgung, Bergung und Brandbekämpfung). Die Planung dieser Maßnahmen erfolgt auf Grundlage der Gefährdungsbeurteilung.

 

Unterweisung der Belegschaft

Die Unterweisung der Beschäftigten erfolgt vor Aufnahme der Beschäftigung am Arbeitsplatz und danach in regelmäßigen Abständen, mindestens jedoch einmal pro Jahr. Laut DVUG 205-001 sollten folgende Inhalte Teil der Unterweisung sein:

  • Im Arbeitsbereich vorhandene Brandgefahren (Kerzen auf dem Schreibtisch, Rauchen an unzulässigen Orten)
  • Maßnahmen zur Abwehr von Brandgefahren (Flucht- und Rettungswege freihalten, Feuerlöscheinrichtungen leicht zugänglich machen)
  • Verhalten im Brandfall (Alarmierung der Feuerwehr, Personen warnen und zum Verlassen des Gefahrenbereichs auffordern)

Ergänzend zu den allgemeinen Inhalten der Unterweisung sollte eine ausreichende Zahl an Beschäftigten (mind. 5 % der Belegschaft) im Umgang und sicheren Einsatz mit dem Feuerlöscher geübt sein (siehe § 6 Arbeitsstättenverordnung). Ein sinnvoller Umfang für eine solche Ausbildung ist eine 1/2-tägige Schulung. Beinhalten die im Unternehmen durchgeführten Tätigkeiten das Entstehen von Brandgefährdungen, z. B. Schweißen, Löten oder Trennschleifen, sind alle Personen sowohl theoretisch als auch praktisch im Umgang mit dem Feuerlöscher zu unterweisen.

Bei wesentlichen betrieblichen Änderungen ist die Frequenz der Unterweisung zu erhöhen, beispielsweise bei:

  • Änderung der Brandschutzordnung,
  • neuen Verfahren mit veränderter Brandgefährdung,
  • Umstrukturierung und Fluktuation der Beschäftigten,
  • Brandereignissen im Betrieb.

 

Evakuierung im Brandfall

Für eine gelingende Evakuierung sind im Vorfeld ausreichende Vorbereitungen zu treffen , damit diese gut organisiert gelingen kann. Im Brandfall müsse alle Personen wissen, was zu tun ist und wie sich verhalten müssen. Grundlage für die Frage, wer für die Evakuierung verantwortlich ist oder welche Kriterien relevant sind, bilden die Brandschutzordnung und die Flucht- und Rettungspläne.  Unter anderem sind folgende Aspekte vorab zu prüfen:

  • Art und Grund der Alarmierung und Evakuierung sind festgelegt.
  • Flucht- und Rettungswegen, Ausgänge und Sammelstellen sind gekennzeichnet und freigehalten.
  • Personen mit eingeschränkter Mobilität und Betriebsfremde erhalten ausreichend Unterstützung bei der Evakuierung.
  • Die Beschäftigten sind angewiesen, den Anweisungen der Einsatzleitung und der Brandschutzhelfer Folge zu leisten.
  • Organisation der Anwesenheitskontrolle und Sicherung, dass die betroffenen Bereiche vollständig evakuiert wurden.

Die Brandschutzordnung sowie die Flucht- und Rettungspläne bilden die Grundlage für die Durchführung regelmäßiger Evakuierungsübungen. In größeren Gebäuden bietet es sich an, Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern besondere Aufgaben für den Evakuierungsfall zuzuweisen (z. B. Unterstützung von Besucherinnen und Besuchern oder Kontrolle von Bereichen). Diese Personen werden gemeinhin als Evakuierungshelfer bezeichnet, eine Ausbildung hierzu ist meist nicht notwendig.

 

Planung für den Brandfall: Alarmplan, Flucht- und Rettungsplan, Feuerwehrplan

Es liegt in der Verantwortung der Unternehmerin oder des Unternehmers, für den Brandfall geeignete Maßnahmen festzulegen, zu planen und zu überwachen. Grundlegend wichtig ist dabei die Erstellung eines Alarmplans, der festlegt, welche Personen / Institutionen im Brandfall zu alarmieren und zu informieren sind. Die für die Alarmierung zuständige Person muss im Rahmen der Unterweisung mit dem Alarmplan vertraut gemacht werden. Der Alarmplan muss regelmäßig aktualisiert werden.

 

Flucht- und Rettungsplan

Die Erstellung eines Flucht- und Rettungsplans basiert auf der Art der Arbeitsstätte oder aufgrund behördlicher Auflagen. In folgenden Fällen sind sie beispielsweise erforderlich:

  • Unübersichtliche Fluchtwegführung (über Zwischengeschosse, abweichende Wegführung)
  • Bei hohem Anteil ortsunkundiger Personen
  • In Bereichen mit erhöhter Gefährdung (z. B. explosions- und brandgefährdete Anlagen)

Flucht- und Rettungspläne sind an geeigneten Stellen im Unternehmen anzubringen – z. B. vor Aufzugsanlagen, vor Zugängen zu Treppen oder an Kreuzungspunkten von Verkehrswegen. Die Darstellung soll anhand der Technischen Regel für Arbeitsstätten „Sicherheits- und Gesundheitsschutzkennzeichnung“ (ASR A1.3) erfolgen, damit sich auch betriebsfremde Personen gut orientieren können. Aus dem Flucht- und Rettungsplan muss ersichtlich sein, welcher Fluchtweg von einem Arbeitsplatz zu nehmen ist, wo die Sammelstellen liegen und wo sich Erste-Hilfe und Brandschutzeinrichtungen befinden. Außerdem ist der Standort der Betrachterin oder des Betrachters anzugeben.

 

Feuerwehrplan

Der Feuerwehrplan wird nach DIN 14095 „Feuerwehrpläne für bauliche Anlagen“ erstellt und zeigt die für die Brandbekämpfung und Rettung vorhandenen Sicherheitseinrichtungen. Das schnelle Auffinden des Brandobjekts und die Beurteilung der Lage soll durch einheitliche Symbole sichergestellt werden. Feuerwehrpläne sind v. a. bei großräumigen, unübersichtlichen Betriebsanlagen oder in Bereichen, wo die Einsatzkräfte besonders gefährdet sind, unbedingt notwendig. Feuerwehrpläne werden in Abstimmung mit den örtlichen Brandschutzdienststellen erstellt. Folgende Inhalte sind Teil der Anforderungen:

  • Bandschutztüren
  • Treppenräume, Angriffswege und Rettungswege
  • Nicht begehbare Flächen
  • Löschwasserentnahmestellen (z. B. Wandhydranten)
  • Lagerbereiche von Gefahrstoffen mit Angabe über Art und Menge
  • Bedienstelle zur Auslösung von Rauch- und Wärmeabzugsanlagen (RWA)

 

Quelle: ls | www.publikationen.dguv.de

 

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