Elektrische Gefährdungen – allgemeine Gefahren elektrischer Anlagen rechtskonform bewerten

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Elektrische Gefährdungen – allgemeine Gefahren elektrischer Anlagen rechtskonform bewerten | 03.07.2015

Der gefahrlose Umgang mit elektrischem Strom durch Beschäftigte hängt entscheidend vom einwandfreien Zustand der elektrischen Anlagen und Arbeitsmittel ab. Im Betriebsalltag sind sie jedoch schädigenden Einflüssen wie Materialalterung, -ermüdung, -verschleiß infolge mechanischer Beanspruchungen, Beschädigungen, Nässe, Wärme, oder Staub ausgesetzt.

Zudem werden nicht benötigte elektrische Leitungen oftmals nicht zeitnah „stillgelegt“ sowie nicht mehr benötigte bzw. beschädigte elektrische Geräte nicht umgehend separiert sowie für die Reparatur/Entsorgung gekennzeichnet und aussortiert, das private Einbringen elektrischer Geräte in den Betrieb nicht ausreichend abgestimmt.

Um hierdurch bedingte gefährliche Situationen zu vermeiden, ist seitens des Arbeitgebers im Zusammenwirken mit seiner Arbeitsschutzorganisation in der betrieblichen Gefährdungsbeurteilung (§§ 5,6 ArbSchG i.V.m. §3 BetrSichV und DGUV V3, TRBS 1201, 1203) das Ausmaß elektrischer Gefährdungen regelhaft (ggf. anlassbezogen, u.a. Unfall) fachkundig zu beurteilen und der mögliche angemessene Handlungs-, Beratungsbedarf zu ermitteln, zu terminieren, zu dokumentieren und umzusetzen. Dabei muss der Arbeitgeber prüfen, ob unter den konkreten Einsatzbedingungen zusätzliche Schutzmaßnahmen erforderlich sind, beispielsweise technische Sicherheitseinrichtungen, die an einer Maschine angebracht werden.

Die Zeitabstände zwischen den einzelnen Prüfungen elektrischer Anlagen (ortsfest, ortsveränderlich) legen Unternehmen ebenfalls im Rahmen der betrieblichen Gefährdungsbeurteilung fest. Es ist Unternehmeraufgabe, die befähigte Person für die Durchführung der Prüfungen zu bestimmen. Über die Auswahl der befähigten Person und die Organisation der wiederkehrenden Prüfungen informiert die DGUV Information 203-071. Sie enthält im Anhang auch Hinweise zur Auftragsvergabe, wenn externe Dienstleister die Prüfungen durchführen sollen.

Bisher bewährte Prüffrist für ortsfeste elektrische Arbeitsmittel:
soweit erforderlich, jedoch mindestens alle 4 Jahre. Die Zuständigkeit sollte ggf. zwischen Gebäudeeigentümer/-vermieter und Mieter/Untermieter vertraglich geregelt sein, um vorhersehbare Versäumnisse zu vermeiden und Kosten rechtzeitig einzuplanen!

Bisher bewährte Prüffrist für ortsveränderliche elektrische Arbeitsmittel:
soweit erforderlich, jedoch mindestens jährlich.

Die Dokumentation der Gefährdungsbeurteilung muss aussagefähig, plausibel und aktuell sein und erkennen lassen, dass die Gefährdungen beurteilt und die zu treffenden Schutzmaßnahmen, nach dem Stand der Technik, mit Zuständigkeiten und Fristen versehen wurden. Maßnahmen sind mit dem Ziel durchzuführen, Schäden rechtzeitig zu entdecken und zu beheben sowie die Einhaltung des sicheren Betriebs zu gewährleisten. Im Prüfnachweis sollte die Behebung der aufgelisteten Mängel (Anmerkung, Kopie der Monteurrechnung etc.) erkennbar sein und einsehbar vorliegen.

Im Rahmen der Bewertung allgemeiner Gefährdungen ist die Beachtung folgender Fragepunkte im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung für allgemeine elektrische Gefahren als Handlungshilfe hilfreich:

Ist dafür gesorgt, dass elektrische Anlagen und Betriebsmittel nur von geeigneten Personen errichtet, geändert und instandgehalten werden?

  • Es ist dafür zu sorgen, dass elektrische Anlagen und Betriebsmittel nur vor einer Elektrofachkraft oder unter Leitung und Aufsicht einer Elektrofachkraft den elektrotechnischen Regeln entsprechend errichtet, geändert und instandgehalten werden.
  • Der Unternehmer hat zudem dafür zu sorgen, dass die elektrischen Anlagen und Betriebsmittel den elektrotechnischen Regeln entsprechend betrieben werden.

Ist sichergestellt, dass erforderliche Prüfungen von entsprechend befähigten Personen regelmäßig durchgeführt werden?

  • Unterliegen elektrische Anlagen Schäden verursachenden Einflüssen, die zu gefährlichen Situationen führen können, sind diese entsprechend den nach der Gefährdungsbeurteilung ermittelten Fristen durch hierzu befähigte Personen entsprechend DGUV Information 203-070 (bisher: BGI 5090) zu überprüfen.
  • Elektrische Anlagen sind einer außerordentlichen, anlassbezogenen, Überprüfung unverzüglich zu unterziehen, wenn außergewöhnliche Ereignisse stattgefunden haben, die schädigende Auswirkungen auf die Sicherheit des Arbeitsmittels haben können. Außergewöhnliche Ereignisse können insbesondere Unfälle, Veränderungen an den Arbeitsmitteln, längere Zeiträume der Nichtbenutzung der Arbeitsmittel oder Naturereignisse sein.
  • Zudem ist sicherzustellen, dass elektrische Anlagen nach Instandsetzungsarbeiten, welche die Sicherheit derselben beeinträchtigen können, durch befähigte Personen auf ihren sicheren Betrieb geprüft werden.
  • Die Prüfungen sind durch eine aktuelle Prüfplakette kenntlich zu machen. Für spezielle Anlagen (Blitzschutz-, Sprinkler-, Brandmelde-, RWA Anlagen) sollte ein Prüfbuch vorhanden sein.

Ist für die rechtzeitige und ordnungsgemäße Mängelbeseitigung bei elektrischen Anlagen und Geräten gesorgt?

  • Ist bei einer elektrischen Anlage oder einem elektrischen Betriebsmittel ein Mangel festgestellt worden, d.h. entsprechen sie nicht oder nicht mehr den elektrotechnischen Regeln, so ist dafür zu sorgen, dass der Mangel unverzüglich behoben wird und, falls bis dahin eine erhebliche Gefahr besteht, ist dafür zu sorgen, dass die elektrische Anlage oder das elektrische Betriebsmittel im mangelhaften Zustand nicht verwendet werden.

Werden die elektrischen Betriebsmittel entsprechend der Umgebung ausgewählt in der sie benutzt werden?

  • Elektrische Anlagen und Betriebsmittel dürfen nur benutzt werden, wenn sie den betrieblichen und örtlichen Sicherheitsanforderungen im Hinblick auf Betriebsart und Umgebungseinflüsse genügen.
  • Elektrische Anlagen und Betriebsmittel können in ihrer Funktion und Sicherheit durch Umgebungseinwirkungen (z.B. Staub, Feuchtigkeit, Wärme, mechanische Beanspruchung) nachteilig beeinflusst werden. Daher sind sowohl die einzelnen Betriebsmittel als auch die gesamte Anlage so auszuwählen und zu gestalten, dass ein ausreichender Schutz gegen diese Einwirkungen über die üblicherweise zu erwartende Lebensdauer gewährleistet ist. Hierzu gehört unter anderem die Wahl der Schutzart, der Schutzklasse, der Isolationsklasse sowie der Kriech- und Luftstrecken.
  • Bei der Auswahl sind in jedem Fall die geltenden elektrotechnischen Regeln im Rahmen der Anschaffung (CE/GS/VDE) sowie die speziellen Einsatzbedingungen zu berücksichtigen, z.B. auf Baustellen oder in aggressiver Umgebung.

 

Autor: Stefan Johannsen, Dipl.-Biologe

 

 

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